Einen schönen Montagabend.
Ist Ihnen auch aufgefallen, dass das Klopapier kleiner wird? Weil meine Hände nicht mehr wachsen, muss ich davon ausgehen, dass die Rollen schrumpfen. Wer einen gehäkelten Klopapierhut daheim hat, ich übrigens nicht, der kann bald zwei Rollen darunter verschwinden lassen. Es ist wie dieser Zaubertrick, bei dem Magier Dinge aus dem Zylinder ziehen, Tauben, Kaninchen, ein Klavier, nur eben umgekehrt. Schon 2018 verglich der Verein für Konsumenteninformation das Klopapier mit dem von 1991: Nicht nur die Fläche der einzelnen Blätter ist damals um bis zu 18,5 Prozent weniger geworden, sondern auch die Anzahl der Abrisse pro Rolle hat sich radikal verringert - von 200 bis 250 Blatt auf 150 bis 200 Blatt. Und jetzt der nächste Schrumpfungsprozess, wie mir scheint. Wer die Enden des Klopapiers wie im Hotel falten möchte, zu putzigem Abort-Origami, verliert bald 50 Prozent der Menge. Früher oder später wird es günstiger kommen, Servietten auf dem Klo zu stapeln. Mein Neid zum Beispiel auf Kühe, Erleichterung ohne Wischen, wächst von Tag zu Tag.
Warum schreibe ich das? Einerseits weil heute Valentinstag ist und Liebe bekanntlich durch den Magen geht - bei den aktuellen Klopapierpreisen lösen Tulpen bei Ihrer Liebsten oder Ihrem Liebsten garantiert weniger Freude aus als eine Großpackung Hakle feucht (gibt es auch in Vergissmeinnicht-Blau). Andererseits weil die Teuerungen wirklich zum Sch… sind. Wir berichten seit Tagen über verzweifelte Wienerinnen und Wiener, denen die Gaspreise daheim explodieren, die auf Lebensmittelpakete der Caritas angewiesen sind, die als Kellnerinnen ohne Trinkgeld hungern müssten, während der Kanzler übrigens von der Hüttengaudi beim Skifahren berichtet.
Oder ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner von „kleinen Pensionisten“ spricht. Die Körpergröße wird nicht gemeint sein, wobei kleine Pensionisten ihre große Freude an den Klopapierschrumpfungen hätten, für sie ändert sich ja kaum etwas. Der kleine Mann, der kleine Pensionist, so viel Klein-Klein, wenn man von oben auf die Menschen herabblickt. Hat der kleine Günther doch nur 40 Jahre gehakelt, als Fliesenleger den Großteil seines Lebens gebuckelt, jetzt Kreuz hin, genauso wie der Traum von einem Leben, das finanzierbar ist. Oder die kleine Sabine, Krankenschwester bis zum Schluss, Menschen schleppen, wickeln, füttern, jetzt das verbogene Skelett eines Bauarbeiters. Da die kleinen Pensionisten, dort die große Frau Sachslehner mit ihrem Gehalt Richtung Staatssekretärin. Man würde ihr so gerne Tribut für diese Aussage zollen. Wenn das Klopapier nicht so teuer wäre.
Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.
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