Einen schönen Mittwochabend.
Glauben Sie, dass es einen großen Unterschied machen würde, wenn Kabarettisten mit Politikern tauschen? Auf die Idee bin ich gekommen, als ich heute Andreas Hanger im „Morgenjournal“ gehört habe und spontan nicht wusste, in welche der beiden Kategorien ich ihn einordnen soll. Der Fraktionsvorsitzende der ÖVP steht weiter dazu, dass Wolfgang Sobotka (ÖVP), dem in neuen Chats Postenschacher vorgeworfen wird, den Vorsitz beim ÖVP-Untersuchungsausschuss übernimmt. Es könne sein, dass etwas an den Vorwürfen gegen Sobotka dran sei, es könne aber auch sein, dass nichts dran sei, so Hanger. Wenn es um Sobotka geht, könne er sich ja vertreten lassen. Bei der Passage über die Sozialdemokratie ist mir das Frühstück püriert aus der Nase gefallen. Hanger will auch SPÖ-Namen zum Untersuchungsgegenstand ÖVP hinzuführen, vor allem was die Vorbereitungshandlungen zum Projekt Ballhausplatz des Sebastian Kurz betrifft. Wir haben es immer schon geahnt, Christian Kern als heimlicher Strippenzieher und Königsmacher von Kurz. Und? Wissen Sie es? War das jetzt Politik oder Kabarett?
Wieso also nicht gleich offiziell tauschen? Michael Niavarani wird Bundeskanzler, wobei er mit seiner Frisur zu jeder politischen Spitzenfunktion prädestiniert ist, außer zum Bildungsminister vielleicht; Alf Poier wird Vizekanzler, hier würde sich in Sachen Redefluss, Verständlichkeit und Schwerpunktsetzung kaum etwas zum Status quo ändern; „Frau Knackal“ Monica Weinzettl übernimmt die Agenden von Margarete Schramböck, die seit Kaufhaus Österreich die Comedylatte sehr hoch gelegt hat; Viktor Gernot macht den Wolfgang Mückstein, was ein Spaß wird, weil beide mit ihren Soloprogrammen regelmäßig für Lachanfälle vor den Fernsehbildschirmen sorgen. Umgekehrt stehen Nehammer, Kogler, Mückstein und Konsorten auf den Theaterbühnen des Landes und erzählen von ihren politischen Visionen. Glauben Sie mir, das wäre ein Anschlag auf die Lachmuskeln.
Stellen Sie sich das nur vor: Bundeskanzler Michael Niavarani, Gesundheitsminister Viktor Gernot und Verfassungsministerin Eva Maria Marold präsentieren die Impfpflicht. Niavarani, einst sehr erfolgreich mit „Homo idioticus, der Kulturgeschichte des Trottels“ unterwegs, erklärt die drei Phasen des neuen Gesetzes. Wenn es um die Impflotterie geht, holen sie auch SPÖ-Parteivorsitzende Nadja Maleh dazu. Endlich dürften wir über etwas lachen, das in Wahrheit nicht zum Lachen ist. Wir werden von Clowns regiert, wäre keine Beleidigung mehr. Kabarettprogramm statt Regierungsprogramm, wobei die Grenzen hier sehr fließend sind. Was die beiden Welten noch eint: Nach dem größten Blödsinn fällt der Vorhang.
Aber was machen wir nun mit Andreas Hanger? Politiker oder Kabarettist? Das Spaßportal „Die Tagespresse“ wollte, dass sich Hanger als Satiriker zu erkennen gibt, zog eine dementsprechende Klage dann aber wieder zurück. Wir werden es also nie erfahren.
Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.
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