Sie war besonders. Speziell und einmalig. Sie hatte das hinreißende gewisse Etwas. Sie ist siebzehn, als ich sie in Wien kennenlerne. Ich auch.
Aber da liegen Jahre zwischen der Jesserer und mir. Unüberbrückbare Jahre. Sie schon mittendrin im Leben.
Auf dem Weg nach oben mit ihrem Talent. Mit ihrer Leidenschaft für die Schauspielerei. Sie weiß um ihren Weg. Geht ihn.
Hat einen fixen Freund, verdient Geld, filmt, spielt Theater.
Ich habe eine Nachprüfung in Mathematik. Angst, diese nicht zu bestehen. Will eigentlich Seemann werden. Dazu brauche ich keine Mathematik. Büffel aber trotzdem.
Die Traudl findet das „gut“. Geht mit mir manchmal essen.
Ich stammle ihr meine Liebe über den Tisch in das erstaunte Gesicht. Sie sagt: „Das geht vorbei. Mach deine Nachprüfung. Dann deine Matura. Werde erwachsen, mein lieber kleiner Michi.“
Ich bestehe die Prüfung, maturiere, aber die Traudl ist nicht vorbei. Sie ist meine erste große Liebe. Einmal habe ich sie sogar auf die Wange geküsst. Danach konnte ich drei Tage nicht schlafen.
Ich erzähle es ihr. Sie lächelt. Ich wandere aus. Gehe so weit als möglich weg aus Wien, der Traudl-Stadt. Nach Argentinien. Dort geht sie vorbei.
Sie war besonders, speziell und einmalig.
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