20.11.2021 13:26 |

Corona-Barometer

So haben wir die Krise bis jetzt überstanden

Die Wirtschaft war vor dem neuen Lockdown schon auf Vorkrisenniveau. Industrie und Bau kamen am besten weg, am schlechtesten Gastro und Friseure, so die Zahlen der Statistik Austria.

So präzise hat das bisher noch keiner erfasst: Österreichs Statistik-„General“ Tobias Thomas hat umfassend analysiert, wie Österreich Corona bis jetzt ökonomisch überstanden hat. Sein Kurz-Befund: Die Wirtschaftskraft hat schon wieder das Vorkrisenniveau erreicht, aber die einzelnen Branchen hat es völlig unterschiedlich erwischt.

Wachstum bei Industrie und Bauwirtschaft
Die Daten der Statistik Austria weisen klare „Sieger“ aus: Industrie und Bauwirtschaft sind im September 2021 mit 121,4% des Umsatzes vor Corona sogar kräftig gewachsen. Auch der Handel (plus 5,6% im zweiten Quartal 2021 gegenüber zweites Quartal 2019) sowie die Finanz- und Versicherungsdienstleister (plus 7,4%) konnten zulegen, ebenso der Immobilienbereich. Klarer Verlierer ist bisher die Gastronomie, sie kommt erst auf 43,8% des Niveaus von 2019. Aber auch die Friseure und die Kultur rangieren mit 83,1% weit unter dem Ergebnis im zweiten Quartal 2019.

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Der Turnaround in der Wirtschaft hat im März 2021 eingesetzt, ab da haben auch die Exporte deutlich angezogen. Sie sind zum Motor der positiven Entwicklung geworden.

Tobias Thomas, Generaldirektor Statistik Austria

Statistik-Austria-General Thomas: „Der Turnaround in der Wirtschaft hat im März 2021 eingesetzt, ab da haben auch die Exporte deutlich angezogen. Sie sind zum Motor der positiven Entwicklung geworden.“ Was den Tourismus anlangt, so ergibt sich ein überraschendes Bild: Trotz des Lockdowns lagen die Nächtigungen per Ende September 2021 mit 101,9% erstmals wieder über dem Vorkrisenniveau. Mit 115% sorgten die Inlandsgäste für dieses Plus, während ausländische Besucher erst 96% der früheren Gästezahlen erreichten.

Ernüchterung ob hoher 7-Tage-Inzidenz
„Ernüchternd“ findet Thomas, dass die 7-Tage-Inzidenzzahlen derzeit sogar noch höher als vor einem Jahr sind. Dass aber die Impfung wirkt, lässt sich auch statistisch belegen, doch Österreich habe da noch „viel Potenzial“ im internationalen Vergleich. Erfreulich ist die hohe Impfrate beim Lehrpersonal (84%), den Studierenden (82%) und den Polizisten (80-88%, je nach Region, ausgenommen Oberösterreich und Salzburg, dort liegt sie bei 78 bzw. 77%).

Spektakulär ist die Entwicklung jedenfalls auf dem Arbeitsmarkt. Professor Thomas: „Die Zahl der offenen Stellen schießt durch die Decke, das sind Höchstwerte seit 2009.“ Anders bei den Firmenpleiten: Hatten da Experten eine Konkurswelle erwartet, so ist diese (durch staatliche Hilfe) ausgeblieben: Es gab im dritten Quartal 2021 sogar um 37,6% weniger Insolvenzen als vor Corona.

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Österreich ist eines der reichsten Länder Europas, allerdings haben wir auch eine der höchsten Abgabenquoten in der EU.

Tobias Thomas, Generaldirektor Statistik Austria

Als Entscheidungshilfe für die Politik wünscht sich der oberste Statistiker „möglichst verlässliche und aufeinander abgestimmte Daten“, dabei könne die Schweiz als Vorbild dienen. Thomas: „Österreich ist eines der reichsten Länder Europas, wir haben das fünfthöchste BIP, also Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Europa. Allerdings haben wir auch eine der höchsten Abgabenquoten in der EU.“

Georg Wailand
Georg Wailand
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