20.11.2021 06:00 |

Teure „Vollbremsung“

Betriebe verlieren im Lockdown 3 Milliarden Euro

Die „Vollbremsung vor Weihnachten“ wird die heimische Wirtschaft rund eine Milliarde pro Woche kosten, rechnen Experten. Speziell in der Gastronomie und im Handel sind Probleme fix.

Am Samstag dürfte es noch einen Ansturm der Konsumenten geben, doch dann ist für 20 Tage fast Schluss: In Einkaufszentren etwa bleiben Supermarkt, Drogerie, Telekomshop, Apotheke, Putzerei und Trafik weiter offen. Der Rest muss zusperren oder stellt wie Elektro- sowie Sporthändler wieder auf Abholung nach Vorbestellung („click & collect“) um.

Viel Ware in Hoffnung aufs Weihnachtsgeschäft bestellt
Handelsobmann Rainer Trefelik kritisiert weiters, dass etwa Lebensmittelketten weiter Spielzeug, Textilien usw. verkaufen dürfen und so den Fachhändlern Geschäft wegnehmen. Insgesamt sei der neuerliche Lockdown „eine historische Katastrophe“. In der Hoffnung aufs Weihnachtsgeschäft sei viel Ware bestellt und bezahlt worden. Aus Liquiditätsnot hätten manche nun schnell Rabattaktionen gestartet.

Der Branchenverband rechnet in Summe mit einem Umsatzausfall von 2,7 Milliarden Euro. Nicht ganz so hoch kalkulieren Wirtschaftsforscher.

Totalausfall der Wintersaison wäre schlimmer
Nach den Erfahrungen des vergleichbaren Lockdowns vom November 2020 rechnet Wifo-Experte Josef Baumgartner „mit einer um 800 Millionen Euro geringeren Wirtschaftsleistung im November. In den beiden Dezemberwochen bis 13.12. ist der Effekt durch die Einschränkung des Weihnachtsgeschäftes stärker und dürfte gut eine Milliarde pro Woche betragen.“ Ähnlich schätzt Klaus Weyerstrass vom IHS. Zusammengerechnet betrage der Schaden somit etwa drei Milliarden Euro. Trotzdem sei das noch ein geringeres Übel als ein Totalausfall der Wintersaison im Tourismus.

Zitat Icon

Im November 800 Millionen Euro im Dezember dann pro Woche gut eine Milliarde Euro Schaden. Der Tourismus verliert zwei der sechs wichtigsten Wochen.

Josef Baumgartner, Wifo

„Weihnachten kann man sich wahrscheinlich abschminken, in Westösterreich sind 90 Prozent der Nächtigungen von Ausländern, und Familien kommen da wegen der Quarantänepflicht für ungeimpfte Kinder sicher nicht. Nur wenn der Lockdown jetzt wirkt und sich die Risikoeinschätzung ändert, sind Jänner und Februar noch zu retten. Von den sechs wichtigsten Winter-Wochen gehen jedenfalls zwei verloren.“

Auch die Fitnesscenter klagen. Sprecher Christian Hörl: „Für unsere Branche ist das ein weiterer ganz schwerer Rückschlag.“

Christian Ebeert
Christian Ebeert
Vergil Siegl
Vergil Siegl
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