Teure „Vollbremsung“

Betriebe verlieren im Lockdown 3 Milliarden Euro

Wirtschaft
20.11.2021 06:00

Die „Vollbremsung vor Weihnachten“ wird die heimische Wirtschaft rund eine Milliarde pro Woche kosten, rechnen Experten. Speziell in der Gastronomie und im Handel sind Probleme fix.

Am Samstag dürfte es noch einen Ansturm der Konsumenten geben, doch dann ist für 20 Tage fast Schluss: In Einkaufszentren etwa bleiben Supermarkt, Drogerie, Telekomshop, Apotheke, Putzerei und Trafik weiter offen. Der Rest muss zusperren oder stellt wie Elektro- sowie Sporthändler wieder auf Abholung nach Vorbestellung („click & collect“) um.

Viel Ware in Hoffnung aufs Weihnachtsgeschäft bestellt
Handelsobmann Rainer Trefelik kritisiert weiters, dass etwa Lebensmittelketten weiter Spielzeug, Textilien usw. verkaufen dürfen und so den Fachhändlern Geschäft wegnehmen. Insgesamt sei der neuerliche Lockdown „eine historische Katastrophe“. In der Hoffnung aufs Weihnachtsgeschäft sei viel Ware bestellt und bezahlt worden. Aus Liquiditätsnot hätten manche nun schnell Rabattaktionen gestartet.

Der Textilhandel gehört zu den Verlierern der Corona-Krise. Das gesamte Textil- und Schuhgeschäft büßte bislang 21,4 Prozent beim Absatz ein. (Bild: APA/ROBERT JAEGER)
Der Textilhandel gehört zu den Verlierern der Corona-Krise. Das gesamte Textil- und Schuhgeschäft büßte bislang 21,4 Prozent beim Absatz ein.

Der Branchenverband rechnet in Summe mit einem Umsatzausfall von 2,7 Milliarden Euro. Nicht ganz so hoch kalkulieren Wirtschaftsforscher.

Totalausfall der Wintersaison wäre schlimmer
Nach den Erfahrungen des vergleichbaren Lockdowns vom November 2020 rechnet Wifo-Experte Josef Baumgartner „mit einer um 800 Millionen Euro geringeren Wirtschaftsleistung im November. In den beiden Dezemberwochen bis 13.12. ist der Effekt durch die Einschränkung des Weihnachtsgeschäftes stärker und dürfte gut eine Milliarde pro Woche betragen.“ Ähnlich schätzt Klaus Weyerstrass vom IHS. Zusammengerechnet betrage der Schaden somit etwa drei Milliarden Euro. Trotzdem sei das noch ein geringeres Übel als ein Totalausfall der Wintersaison im Tourismus.

Zitat Icon

Im November 800 Millionen Euro im Dezember dann pro Woche gut eine Milliarde Euro Schaden. Der Tourismus verliert zwei der sechs wichtigsten Wochen.

Josef Baumgartner, Wifo

„Weihnachten kann man sich wahrscheinlich abschminken, in Westösterreich sind 90 Prozent der Nächtigungen von Ausländern, und Familien kommen da wegen der Quarantänepflicht für ungeimpfte Kinder sicher nicht. Nur wenn der Lockdown jetzt wirkt und sich die Risikoeinschätzung ändert, sind Jänner und Februar noch zu retten. Von den sechs wichtigsten Winter-Wochen gehen jedenfalls zwei verloren.“

Auch die Fitnesscenter klagen. Sprecher Christian Hörl: „Für unsere Branche ist das ein weiterer ganz schwerer Rückschlag.“

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele