15.10.2021 13:11 |

Gewalt in Afghanistan

Anschlag auf schiitische Moschee: Dutzende Tote

Dutzende Tote und zahlreiche Verletzte hat ein Anschlag auf eine Moschee im Süden Afghanistans gefordert. Als Angriffszeitpunkt wurde gezielt das traditionelle Freitagsgebet in einem schiitischen Gebetshaus in Kandahar ausgewählt. Bis zu 40 Tote sollen zu beklagen sein, knapp 70 Menschen seien verletzt worden, heißt es.

Ein Augenzeuge berichtete von drei Explosionen - eine am Haupteingang der Moschee, eine weitere im südlichen Teil des Gotteshauses und eine dritte in einem Raum, wo die Gläubigen ihre Waschungen vornehmen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Blut zu spenden. Die Urheber würden zur Rechenschaft gezogen, hieß es seitens der Taliban.

Zu dem Anschlag während des Freitagsgebets bekannte sich zunächst niemand. Unklar war auch der Tathergang. Arif Rahmani, ein Schiit und früheres Mitglied eines afghanischen Regionalparlaments, schrieb auf Twitter, von fünf Selbstmordattentätern hätten es drei in die Moschee geschafft und sich nacheinander inmitten von Betenden in die Luft gesprengt. Eine Augenzeugin sagte, drei Männer seien ursprünglich in die Tat verwickelt gewesen. Zwei seien in die Moschee eingedrungen, ein dritter sei von einem Wachmann getötet worden.

Auch nach der Machtübernahme durch die radikal-islamischen Taliban hat die Zahl der Anschläge in Afghanistan nicht wesentlich abgenommen. Die Islamisten bekämpfen sich nämlich weiterhin mit der Gruppierung Islamischer Staat Khorasan (IS-K) und der Al-Kaida.

Erst vor einer Woche hatte sich ein ähnlich blutiger Angriff mit mehr als 40 Toten ebenfalls auf eine schiitische Moschee (Bild oben) im Norden des Landes am Hindukusch ereignet. IS-K, ein regionaler Ableger der IS-Dschihadistenmiliz, hat die Verantwortung dafür übernommen.

IS laut Experte nicht stärker geworden
Dem Afghanistan-Experten Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network zufolge bedeuten die Anschläge des IS nicht, dass die Gruppe stärker geworden ist. Nach dem Verlust seiner Basen in Ostafghanistan in den Jahren 2019 und 2020 lebten aber offenbar Überreste im Untergrund fort, die zu solchen Anschlägen fähig seien.

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