21.07.2021 08:00 |

„Krone“-Kolumne

Gegen die Vergewaltigungs-Kultur auf Partys

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal mit Empfehlungen, wie auf Veranstaltungen sexualisierter Gewalt vorgebeugt werden kann.

Bei Gruppenreisen, Festivals und Clubs müssen sich Veranstalter im Vorfeld überlegen, was sie tun, damit alle Besucher Spaß haben. Dazu gehören auch Antidiskriminierung, Safer Sex und die Prävention sexueller Gewalt. Veranstalter müssen (und können auch!) sicherstellen, dass für Mädchen und junge Frauen selbst große Partys sichere Orte sind, an denen sie sich wohlfühlen. Woran merkt man, dass Veranstalter die Prävention sexueller Gewalt ernst nehmen? Daran, dass sie aktiv an einer Party-Kultur arbeiten, die auf Konsens beruht.

Wenn man die übergriffige Club-Kultur verändern möchte, muss man allerdings Geld in die Hand nehmen. Dazu braucht es nämlich mehr als Macho-Türsteher, die vielleicht selbst Stress suchen und sexistisch sind. So wichtig Sicherheitspersonal für den Notfall auch ist: Es braucht daneben ein Team aus sozial kompetenten Menschen, die mitten im Getümmel sind und frühzeitig intervenieren, wenn sich jemand unwohl fühlt oder bedrängt wird.

„Awareness-Teams“ nennt man auf Englisch diese aufmerksamen Club- und Party-Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass es allen gut geht. Meist sind sie erfahrene Aufpasserinnen und Aufpasser, die Probleme vorhersehen können. Sie beobachten das Party-Geschehen und fühlen sich zuständig, wenn sich übergriffiges Verhalten abzeichnet. Sie erhalten eine Schulung durch Fachstellen für sexualisierte Gewalt. Und sie intervenieren, noch bevor Sicherheitspersonal eingeschaltet wird. Man rechnet mit einer Awareness-Person pro 50-80 Gästen. Einige dieser Mitarbeiter sind an einem fixen Rückzugsort, wo man hingehen kann, wenn man einen Übergriff erlebt oder einem jemand nachstellt. Die meisten Mitarbeiter sind allerdings mobil unterwegs und an ihrem Outfit zu erkennen.

Dazu gibt es klare Hausregeln: Niemand wird berührt ohne Einverständnis. Das Einverständnis kann sich verändern und widerrufen werden. D.h. nur weil jemand mit einer Person tanzt, bedeutet das nicht, dass sie auch geküsst werden will. Oder: Nur weil jemand im Club rumgeschmust hat, heißt das nicht, dass die Person am Heimweg Geschlechtsverkehr haben will. Sexuelle Annäherungen müssen allen Beteiligten Spaß machen - oder sie finden nicht statt. Das wird jedem Festival- und Club-Besucher beim Eintritt eingeschärft.

Die Verantwortung der Veranstalter endet nicht bei der Türe. Wenn am Festivalgelände oder um die Ecke des Clubs etwas vorfällt, müssen sich Veranstalter fragen, was sie besser machen können: Wie kommen Partygäste sicher nach Hause, vor allem wenn sie betrunken sind, und die Veranstaltung nicht mitten in der Großstadt, sondern vielleicht in einem Wald, an einem Strand, in einem Steinbruch stattfindet? Was gibt es für Angebote für junge Frauen, die sich bedrängt fühlen von diesem einen seltsamen Typen, bei dem sie ein schlechtes Gefühl haben?

Natürlich gehört zur Prävention sexueller Gewalt mehr als eine veränderte Party-Kultur. Aber man darf nicht unterschätzen, dass Clubs und Festivals sich ihre Besucher über die Jahre auch erziehen. Eine Studie der Psychologin Kathryn Klement 2016 in den USA zeigte, dass in sexuellen Konsens-Kulturen signifikant weniger Meinungen verbreitet sind, die Vergewaltigungen fördern, wie etwa Sexismus, Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen, Beschämung der Opfer, sexuelle Aggression und Akzeptanz von Grenzüberschreitungen. Das lässt für die österreichische Party-Kultur hoffen.

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Barbara Rothmüller
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