krone.at-Kolumne

Was ist mit unseren Politikern los?

Kolumnen
19.05.2021 11:59

Präpotente Chatprotokolle, ein Anzeigen-Schaulaufen, tiefe Beflegelungen und Neuwahl-Rufe: derzeit lautet das Match Opposition gegen Regierung und Regierung gegen Opposition und beide scheinen sich nur noch zu zerfleischen. Was ist da bitte mit unseren Politikern los?

Es sollte ja eigentlich eine Zeit des freudigen Aufatmens sein: die langen Tage des Dauer-Lockdowns sind vorbei, die Corona-Neuinfektionen gehen stetig nach unten, während die Zahl der Geimpften weiter steigt und die Wirtschaft nach Monaten der Dürre wieder in Fahrt kommt. Während die Allermeisten wieder Hoffnung schöpfen und die laue Luft der Freiheit genießen, ist bei unseren Politikern von romantischen Frühlingsgefühlen keine Spur. Im Gegenteil: die Hackeln fliegen tiefer als je zuvor.

Die Vorwürfe sind kein politisches Geplänkel 
Dass nun die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft nicht nur gegen den Finanzminister, sondern auch gegen den Bundeskanzler persönlich ermittelt, macht bei Gott keinen schlanken Fuß und auch international ist das Bummerl im Ansehen des Landes hochnotpeinlich. Der Ärger der Opposition ist deswegen völlig berechtigt und keinesfalls als reines politisches Geplänkel abzutun. Da machen es sich die Türkisen etwas zu einfach.

Debatte darf nicht lächerlich werden
Dennoch läuft die Debatte Gefahr, durch die Hysterie der Opposition ins Lächerliche abzugleiten. Wenn zum Beispiel FPÖ-Chef Herbert Kickl Sebastian Kurz Ähnlichkeiten mit dem rumänischen Diktator Nicolae Ceaușescu unterstellt oder die pinke Obfrau Beate Meinl-Reisinger schon lange vor einem endgültigen Gerichtsurteil von einem „kriminellen Kanzler“ spricht, tut es der Ernsthaftigkeit nichts Gutes. Nicht nur, dass es diese Überemotionalität gar nicht braucht - es macht die Position der Oppostition nicht stärker.

„Kurz muss weg“ wird inflationär
Im Gegenteil: diese reflexartige Schnappatmigkeit nährt nur die Erzählung der Türkisen, dass es den anderen Parteien vielmehr um politisches Kleingeld geht als um eine ernsthafte Politik. Wenn zu jeder Gelegenheit „Kurz muss weg“ skandiert wird, laufen die Kritiker Gefahr, dass die zum Teil berechtigte Kritik inflationär erscheinen und ihre Mahnungen verhallen. Und das ist in diesem wichtigen Diskurs kontraproduktiv.

Reißt euch auf den letzten Metern zusammen!
Es wäre schade, wenn in Zeiten, in denen das Land wieder aufblüht, sich die Politik hauptberuflich in tiefen Schlammschlachten verzettelt. Das sorgt zwar für ganz lustige Unterhaltung, es macht aber das Vertrauen in unsere Politiker nicht besser. Gerade auf den letzten Metern der Pandemie sollten sich unsere Vertreter noch ein wenig zusammenreißen. Wenn das alles vorbei ist, ist noch genug Zeit, sich gegenseitig mit Dreck zu bewerfen.

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