Devotionalien und Co.

Autokennzeichen führt Polizei zu Nazi-Sammlung

Vorarlberg
28.09.2026 18:00
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Ein Gewehr, ein erschrockener Passant – und ein Kennzeichen: Was mit einem brenzligen Zwischenfall in Fußach begann, führte die Polizei direkt zu einem 66-jährigen Vorarlberger. In dessen Wohnung machten die Beamten einen brisanten Fund: Waffen, Hakenkreuze und zahlreiche NS-Devotionalien. Ein Fall fürs Landesgericht Feldkirch.

Mitte Jänner erlebt ein Pensionist in Fußach eine Schrecksekunde. Der Mann will gerade jemanden abholen, als auf Höhe der Firma Loacker plötzlich ein Auto vorfährt und der Lenker eine Langwaffe auf ihn richtet. Statt in Panik zu verfallen, behält das Opfer jedoch die Nerven und merkt sich das Kennzeichen. Mit weitreichenden Folgen: Aufgrund des Kennzeichens kann die Polizei rasch einen 66-Jährigen aus dem Vorarlberger Unterland ausforschen – und als die Beamten diesem am 20. Jänner einen Besuch abstatten, geht es schnell um weit mehr als nur um den Vorfall auf der Straße.

NS-Devotionalien und mehrere Waffen
Denn was die Beamten in der Wohnung des 66-Jährigen finden, füllt schließlich eine Anklage wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung, Verstoßes gegen das Waffengesetz und gefährlicher Drohung. In seinem Wohnzimmer liegen NS-Devotionalien teils offen herum: ein Dolch mit Hakenkreuzverzierung, ein Bierkrug mit Hakenkreuz, ein Messer mit Reichsadler und Hakenkreuz sowie ein Abzeichen mit der Aufschrift „Meine Ehre heißt Treue“. Dazu Fotoalben und weitere Devotionalien. Auch auf dem Handy werden die Ermittler fündig.

Kreative Ausreden bei der polizeilichen Vernehmung
Und dann sind da noch mehrere Waffen. Drei werden sichergestellt, darunter laut Anklage ein unbefugt besessenes halb automatisches Gewehr der Marke Anschütz. Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte sich der 66-Jährige noch mit Ausreden versucht. Der Vorfall in Fußach? In der Gegend liege sein Jagdrevier. Er habe sein Fernglas zu Hause vergessen und deshalb durch das Zielfernrohr lediglich eine Krähe beobachtet. „Ich hatte ja in eine völlig andere Richtung geschaut.“ Die NS-Gegenstände? Teilweise Erbstücke. Außerdem sei er Sammler und hege ein „geschichtliches Interesse“. Und das einschlägige Bildmaterial auf dem Handy? Nur zu Recherchezwecken. Er habe wissen wollen, was die Sachen wert sind.

Diversion nach umfassendem Geständnis
Vor dem Geschworenengericht bleibt von diesen Erklärungen nichts mehr übrig. Der Mann sieht sein Unrecht ein und übernimmt die volle Verantwortung. Verteidiger Gerhard Scheidbach regt daraufhin eine Diversion an. Sein Mandant sei schließlich unbescholten. Staatsanwältin Konstanze Erath stimmt zu, ebenso der Richtersenat unter Vorsitz von Sabrina Tagwercher. Der 66-Jährige muss 720 Euro an den Bund bezahlen, Waffen und NS-Gegenstände werden vernichtet.

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