Neun Ungarn gefasst

BMW-Bande nach 39 Coups endlich zerschlagen

Burgenland
19.01.2011 13:33
Besitzer von BMW- und Audi-Fahrzeugen der gehobenen Preisklasse in Ostösterreich können aufatmen. Ein halbes Jahr nach dem Beginn einer Serie von Autodiebstählen sitzen die mutmaßlichen Täter hinter Gittern. Die Polizei hat in Österreich und Ungarn seit September neun Ungarn als Mitglieder der sogenannten "BMW-Bande" gefasst. Zuletzt klickten am Dienstag in Budapest die Handschellen. Der Bande werden bisher 39 Diebstahlsdelikte vorgeworfen. Der Schaden liegt bei 1,3 Millionen Euro, zog das Bundeskriminalamt am Mittwoch Bilanz.

Für zumindest 25 Pkw-Diebstähle und 14 Versuche wird die Bande verantwortlich gemacht. Im vergangenen Juli verschwanden zunächst im Nordburgenland einige teure BMWs und Audis. Als die Polizei mit dem Einsatz von Streifen reagierte, wichen die Täter in die Südsteiermark und das Mittelburgenland aus. 

Auch in Wien sahen sich Bandenmitglieder nach hinsichtlich der Farbe und Ausstattung passenden Fahrzeugen um. Denn ein Teil der gestohlenen Autos war schon "bestellt". Für den Weiterverkauf um etwa zehn Prozent des Zeitwerts sorgten in Ungarn zwei ebenfalls ausgeforschte Hehler, hieß es aus dem Bundeskriminalamt.

Täter entkamen trotz Schüssen der Polizei
Mitte August wurde ein Täter im Mittelburgenland beim Versuch ertappt, einen Audi Q7 zu stehlen. Dem Mann gelang jedoch die Flucht. Einen Monat später landete dann das erste Bandenmitglied im Polizeigewahrsam. Der Ungar hatte es in Podersdorf am See (Bezirk Neusiedl am See) mit einem Komplizen auf einen BMW X5 und einen BMW X6 abgesehen. 

Bei ihren Erhebungen forschten Ermittler in Zusammenarbeit mit Budapester Kollegen in Ungarn 22 Täter sowie Hehler aus, sieben gestohlene Fahrzeuge wurden sichergestellt. Auch in Wien erfolgte eine Festnahme. Im September gelang Autodieben in der Bundeshauptstadt die Flucht, obwohl die Polizei Schüsse abgab.

Gestohlenen BMW in seine Einzelteile zerlegt
Ein BMW, der Anfang Oktober aus einer Tiefgarage in Wien verschwunden war, fand sich in Budapest in seine Einzelteile zerlegt wieder. Ein anderer Wagen wurde in Eisenstadt sichergestellt. Nach dem Coup forschte die Polizei ein ungarisches Quartett als Verdächtige aus. Im Zuge der Ermittlungen wurden weitere mutmaßliche Bandenmitglieder gefasst. Ein in Wien festgenommener Ungar gestand zahlreiche Diebstähle.

Für ein Bandenmitglied, das als "Kundschafter" nach passenden Autos und möglichen Tatorten Ausschau hielt, klickten am Montag dieser Woche in Wien die Handschellen. Die bisher letzte Festnahme eines mutmaßlichen Täters, der laut Exekutive in den nächsten Wochen nach Österreich überstellt werden soll, erfolgte am Dienstag in Budapest. Mittlerweile lägen Geständnisse zu vielen weiteren Autodiebstählen in Wien vor, teilte das Bundeskriminalamt mit.

Erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Bei den Coups waren jeweils drei bis fünf Leute am Werk, die aus Ungarn anreisten. Während ein Mann einen Wagen knackte, setzte ein anderer die elektronische Wegfahrsperre außer Gefecht. An der Überstellung waren dann mehrere Personen beteiligt. Über frühere kleine Grenzübergänge wie Andau, St. Margarethen und Klingenbach brachten Fahrer die gestohlenen Fahrzeuge ins Nachbarland. Dort sorgten nach Angaben der Polizei zwei bereits ausgeforschte Hehler dafür, dass die Autos zerlegt und weiterverkauft wurden. Für die Pkw wurde dann mit gefälschten Dokumenten eine ungarische Zulassung erschlichen.

Der Festnahme der Bandenmitglieder ging eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Behörden voraus. Neben dem Bundeskriminalamt und der SOKO-Kfz waren auch das Landeskriminalamt Wien sowie die Staatsanwaltschaft Eisenstadt und die Budapester Polizei beteiligt.

Keine Verbindung zu BMW-Bande bei Fall in Hornstein
Erst vergangene Woche wurde über einen weiteren versuchten Coup der BMW-Bande spekuliert: Ein Hund hatte in Hornstein (Bezirk Eisenstadt Umgebung) Autoknacker durch sein Bellen in die Flucht geschlagen. Die Unbekannten hatten es auf einen BMW X6 im Wert von 90.000 Euro abgesehen. Eine Verbindung mit der BMW-Bande konnte anfangs nicht ausgeschlossen werden. Mittlerweile sei es laut Chefinspektor Andreas Kummer von der SOKO-Kfz des Landeskriminalamts aber Gewissheit, dass hier kein Zusammenhang bestehe.

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