Anekdoten und Arien

Stanzerl, Wolferl und sein Großvater im Lavanttal

Kärnten
27.03.2021 11:00

„Liebstes, bestes Weibchen“: Er schrieb ihr Briefe, hinterließ ihr Schulden. Sein Großvater hatte in Kärnten gearbeitet. Nun gewährt eine Kärntner Sopranistin einen berührenden wie unterhaltsamen Blick auf eine unterschätzte Frau an der Seite eines Genies – Uraufführung auf Schloss Moosburg.

Constanze Caecilia Josepha Johanna Aloisia Weber war eine talentierte Sängerin, ging aber in die Geschichte ein als Ehefrau eines berühmten Mannes: 1782 heiratete sie Wolfgang Amadeus Mozart. 

Constanzes Leben hatte viele Prüfungen für sie parat: Von ihren sechs Kindern erreichten nur zwei das Erwachsenenalter. Obwohl Mozart fleißig komponierte, hatte er ständig Geldprobleme; nach seinem frühen Tod (er wurde nur 35 Jahre alt; Constanze und er waren also lediglich neun Jahre verheiratet) war die finanzielle Lage der Familie prekär. 

„Als Austriaguide in Kärnten könnte man sich dann und wann denken: Ach, schade, dieser oder jener Prominente aus der Geschichte, den alle Welt kennt, hat keinen Bezug zu Kärnten. Aber Mozart beispielsweise ist sehr berühmt – und hat eine Verbindung zu Kärnten: Sei Großvater hat in Kärnten gearbeitet“, weiß Ernst Bauer. Der Austriaguide ist über Grete Koschier, die schon vor 20 Jahren darüber schrieb, darauf gestoßen: Wolfgang Nikolaus Pertl, Mozarts Großvater mütterlicherseits, hatte in Salzburg Jura studiert. Nebenbei war er begeisterter Musiker, Sänger und Schauspieler. „Er tritt ein in die fürsterzbischöfliche Rentmeisterei, eine Abgabenbehörde, kommt 1714 nach Kärnten, wo er im Pflegeramt in St. Andrä arbeitet“, so Bauer. 

Salzburgerhof im Lavanttal
Der Salzburger Pfleghof in St. Andrä – das Gebiet war damals ja salzburgisch – steht noch an der Hauptstraße (St. Andrä 14), über dem Tor prangt noch das Wappen des Salzburger Erzbischofs Sigismund Christoph Graf Schrattenbach. „Pertl erkrankt an Typhus, wofür er die ungewohnte Luft im Lavanttal und den sauren Wein verantwortlich macht“, lacht Bauer.  Er wird dann nach Maria Saal versetzt, wo er am Tonhof ein gutes Jahr als Landgerichtsschreiber tätig ist. Dann zieht er mit seiner Frau nach St. Gilgen in Salzburg, wo 1720 Anna Maria Walburga geboren wird – sie wird 1756 dem Musik-Genie Mozart das Leben schenken. Er würde heuer seinen 270. Geburtstag feiern – ein guter Grund, um seine Musik zu hören und seine Briefe zu lesen.

Constanze erzählt singend

Öffentliche Uraufführung auf Schloss Moosburg anlässlich des 270. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart:

„Liebste beste Constanze – eine Matinee mit Constanze Mozart“: Singspiel mit Irina Lopinsky, 21. Juni, 11 Uhr.

Im Anschluss besteht nach Reservierung (0699/ 1105 44 99 oder per Mail: ernst.bauer@intempo.at) die Möglichkeit, das Mittagessen im Schloss einzunehmen.

Zweiter Termin: 27. Juni, Galaabend, Beginn um 19.30 Uhr. Im Anschluss ist die Schlossbar geöffnet. 

Mit Witz, Wärme und Musik
Anhand von Briefen, die Wolfgang Amadeus Mozart seinem Vater und seinem Stanzerl schrieb, erzählt die Kärntner Sängerin Irina Lopinsky – wie Frau Mozart ebenfalls mit einer klaren Sopranstimme gesegnet – vom Leben der jungen Ehefrau, die in Wien an der Seite des Komponisten lebte. Auch die spätere Phase, als Constanze bereits als Witwe die Schulden zu stemmen hat und sich um den Nachruhm ihres verstorbenen Mannes kümmert, wird an dem musikalisch-theatralischen Soloabend thematisiert. Anekdoten machen die Lebensgeschichten lebendig, Mozart-Arien erfreuen die Zuhörer.

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