Programmatisch beruft sich die Gruppe auf eine Aussendung von WikiLeaks, in der massive Kritik an Amazon geübt worden war: "Wenn sich Amazon in Bezug auf den ersten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten unbehaglich fühlt, dann sollten die aufhören, Bücher zu verkaufen." Gemeint ist damit jener Verfassungszusatz (englisch: Amendment), der den Grundrechtekatalog enthält.
Zahlreiche Facebook-User machten ihrem Ärger auf der Seite durch Kommentare Luft: "Amazon USA und die chinesische Zensur sind das Gleiche", war zu lesen. Andere posteten Appelle, im Call-Center von Amazon anzurufen und dort ihre Nutzerkonten unter Hinweis auf die Sperrung der WikiLeaks-Seite zu löschen. "Hoffentlich machen viele Leute dabei mit", hoffte ein weiterer User.
Amazon: "Wikileaks verstieß gegen Nutzungsregeln"
Amazon selbst hat indes bestritten, die Enthüllungsplattform auf politischen Druck hin von seinen Servern verjagt zu haben. WikiLeaks habe gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, teilte das Online-Versandhaus in der Nacht auf Freitag mit (siehe Infobox).
So sähen die Geschäftsbedingungen von Amazons Web-Dienstleistungen vor, dass der Kunde die Rechte an den Inhalten halte und deren Einsatz niemandem Schaden zufüge. "Es ist klar, dass WikiLeaks nicht über die Rechte an den vertraulichen Dokumenten verfügt", argumentierte Amazon. Auch könne bei der großen Zahl von 250.000 Depeschen nicht gesichert sein, dass durch deren Veröffentlichung nicht Unschuldige wie etwa Menschenrechtler in Gefahr gerieten.
Nicht nur Bücher und CDs im Angebot
Der mit dem Online-Verkauf von Büchern und CDs groß gewordene Konzern bietet mit "Amazon Web Services" auch Dienstleistungen für das sogenannte Cloud Computing an. Bei diesem Modell können Unternehmen ihre IT-Prozesse wie die Speicherung von Daten in verteilten Rechenzentren auslagern. Welche Dienste genau Wikileaks bei Amazon bezog, ist weiterhin unklar. Das Unternehmen äußert sich bisher nicht zu dem Thema, alle Angaben kommen von Wikileaks oder US-Politikern.
Die Amazon-Geschäftsbedingungen sehen vor, dass der Anbieter einem Kunden jederzeit kündigen kann. Mehr noch, der US-Konzern muss nicht unbedingt sofort mitbekommen haben, dass Wikileaks auf seinen Servern zuhause war: Die Dienstleistungen werden per Selbstbedienung gebucht, man braucht nur eine Kreditkarte. Erstmals war einem IT-Blogger im Oktober aufgefallen, dass IP-Adressen von Wikileaks-Material auf Amazons Server hinwiesen.
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