„Krone“-Gastkommentar

Christian Baha: Verun(gl)impfung

Wirtschaft
29.01.2021 06:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Langsam frage ich mich, ob wir nicht das Volk fragen müssen. Einfach, weil es zu viele offene Fragen gibt: Warum dürfen Seilbahnbetreiber ihre Skilifte aufsperren, während Gastronomie, Hotellerie und Handel gegen die Wand gefahren werden?

Warum dürfen Oberstufenschüler seit vier Monaten nicht in die Schule? Warum hat die EU keine funktionierende Impfstrategie? Warum erhöht die EU nicht den Druck auf die Pharmakonzerne, die offensichtlich das Geschäft ihres Lebens machen, aber täglich mit Lieferengpässen nerven, während Israel und Serbien Alt und Jung munter durchimpfen? Und überhaupt: Warum fragt uns niemand, ob wir uns weiter einsperren lassen wollen?

In wenigen Wochen jährt sich jener Freitag, der 13., an dem uns der erste Lockdown mit 15. März verkündet wurde, zum ersten Mal. Wahrscheinlich war es noch nie so schwer, kluge Politik zu machen. Smarte Volksvertreter in den Regierungen könnten die Idee verfolgen, einen Schritt auf das Volk zuzugehen, um Volkes Stimme anstatt Volkes Zorn zu wecken.

Ich könnte mir vorstellen, dass es in der EU bald mehrere nationale Regierungen sprengen wird, weil es immer öfter auch zu gewalttätigen Demonstrationen kommt - wie jetzt im liberalen Holland, wo den Menschen zunehmend das Verständnis für das willkürliche Einschränken ihrer persönlichen Freiheit und der Zerstörung ihrer wirtschaftlichen Existenz fehlt.

Das Volk zu fragen war noch selten verkehrt. Man braucht nur einen Seitenblick in die Schweiz zu werfen. Dort funktioniert das seit Ewigkeiten ausgesprochen gut.

Christian Baha, Kronen Zeitung (Gastkommentar)

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