Der sechste Auftritt Österreichs bei der Eishockey-A-WM in Zürich hat mit der erwarteten vierten Niederlage geendet: Gegen Finnland hielten Schneider und Co. lange mit, erst ein Doppelschlag der Skandinavier binnen 49 Sekunden zum 4:0 sorgte im zweiten Drittel vorzeitig für klare Verhältnisse. Am Ende setzte es nach einer in Summe guten Leistung ein 2:5. Ungeachtet dessen bleibt das ÖEHV-Team weiter im Rennen um ein Viertelfinal-Ticket – benötigt aber aller Voraussicht nach am Dienstag einen Sensations-Sieg über die USA.
Für die erste fragwürdige Aktion sorgte der internationale Verband IIHF – dass für das Match mit Nolan Bloyer (USA) und Andre Schrader (Deutschland) zwei Haupt-Schiedsrichter aus Ländern eingeteilt wurden, deren Teams in der Gruppe A mit Österreich noch um das Viertelfinale rittern, verlieh dem Ganzen bei aller sportlichen Überlegenheit Finnlands eine schiefe Optik – Fingerspitzengefühl sieht anders aus!
Bader-Team hielt defensiv den Laden lange gut dicht
Zum Spiel: Österreich verzeichnete mit Kickert im Tor den ersten Torschuss durch Nickl (1.), kassierte aber auch die erste Strafe im Spiel: Hackl musste wegen Haltens zwei Minuten absitzen. Die ersten drei Minuten verstrichen ohne Schuss der Finnen aufs Tor, in den letzten Zügen des Überzahlspiels schien das 1:0 aber aufgelegt: Doch nach einer stark herausgespielten Aktion traf Puistola alleine vor Kickert nicht ins Tor, sondern die Außenstange (4.). Das Bader-Team hielt defensiv den Laden sehr gut dicht, ließ in den ersten fünf Minuten nur einen Torschuss zu. Und zeigte in Person von Harnisch nach vorne Mut: Der Graz-Stürmer schloss seinen mutigen Vorstoß mit einem Schuss knapp neben das Tor ab (7.).
Im Tor agierte Kickert aufmerksam, klärte den Abschluss von Granlund (10.) und hielt auch den Schuss von Vaakanainen fest (11.) – der Versuch von Jokiharju ging knapp daneben, Helenius traf die Stange (14.). Die Fans in der Swiss Life Arena waren mehrheitlich auf Seiten Österreichs: Das zeigte sich auch in der 14. Minute, als Harnisch von einem finnischen Schläger im Gesicht getroffen wurde, eine blutende Wunde davontrug, die Referees die Aktion offensichtlich übersahen. Ein wüstes Pfeifkonzert war die Folge, änderte aber nichts daran, dass die Skandinavier ohne Strafe davonkamen.
Im Powerplay traf der Favorit nach 59 Sekunden
Dann war Österreich plötzlich dem 1:0 nahe, als nach klugem Rebernig-Pass Rohrer und Thaler in einer 2-1-Überzahl auf Finnen-Goalie Jannunen losfuhren, Thaler knapp neben das Tor schoss (18.). Was die Refs bei den Finnen übersahen, ahndeten sie im Nu bei Österreich: ein Foul von Nissner, der wegen Beinstellens zurecht zwei Minuten ausfasste (18.). Just in diesem Powerplay traf der Favorit nach 59 Sekunden: Kickert war beim Schuss von Granlund aus kurzer Distanz nach Barkov-Assist noch mit der Fanghand dran, konnte den Puck aber nur noch ins Tor ablenken (19.). Der Treffer war von einem heftigen Pfeifkonzert begleitet – die Aufregung über das offensichtliche Foul an Harnisch hatte sich noch nicht gelegt.
Mit wüsten Pfiffen wurden die Herren Bloyer und Schrader auch zum Start des Mittelabschnitts begrüßt – Österreich zeigte offensiv gleich Präsenz, Schneider zielte backhand neben das Tor. Auf der Gegenseite parierte Kickert gegen Raty (22.). Ehe sich das 2:0 das Prädikat „sehenswert“ verdiente: Merelä bediente von hinter dem Tor den heranstürmenden Mäenalanen, der erfolgreich abschloss (24.). Der Außenseiter spielte weiter munter mit, Annunen zeichnete sich gegen Mario Huber (25.) aus. Spät, aber doch marschierte auch der erste Finne auf die Strafbank: Mit dem aus der Zwei-Minuten-Strafe gegen Merelä resultierenden Powerplay wussten Rohrer und Co. aber nichts anzufangen.
Fatale 47 Sekunden für Österreicher
Binnen 47 Sekunden machten die Finnen dann den Sack endgültig zu: Erst kullerte die Scheibe beim 3:0 von Puljujärvi in Zeitlupe über die Linie (32.), dann war Manninen nach Ratys Schuss und kurzer Kickert-Abwehr zur Stelle, staubte zum 4:0 ab (33.). Bei aller Überlegenheit des Gegners war Österreich weiter offensiv bemüht, doch auch Rohrer (39.) wollte der erste Treffer für sein Team nicht gelingen.
Mit einem Schussverhältnis von 27:8 gingen die Finnen ins letzte Drittel, mit dem neunten Schuss wurde dann Österreich für seine Bemühungen belohnt, verkürzte auf 1:4: Schneider ging hinter dem Tor bei einem versuchten Pass von Goalie Annunen dazwischen, die abgelenkte Scheibe flog in hohem Bogen vor das Tor, wo Zwerger überlegt handelte, den besser postierten Nissner bediente, der den Puck zum 1:4 hoch ins Netz jagte (44.). Das Bader-Team spielte weiter munter mit: Unterweger prüfte Annunen mit einem Schuss von der blauen Linie (50.). Kurze Zeit später hieß es allerdings 1:5: Puistola war am Rebound am entschlossensten, stellte wieder den Vier-Tore-Vorsprung her (48.).
Angeschlagener Rohrer ging im Finish vorzeitig vom Eis
Der seit WM-Start angeschlagene Rohrer ging im Finish vorzeitig vom Eis – hoffentlich nur eine Vorsichtsmaßnahme von Teamchef Bader. Kolarik hatte den zweiten Treffer am Schläger, Annunen verhinderte diesen mit einer starken Parade (52.). Musste sich aber dann doch nochmals geschlagen geben: Wallner schoss nach Vorarbeit von Kolarik und Scherzer überlegt ein (59.). Für die in Summe gute Leistung gab es vom österreichischen Anhang im Finish Sprechchöre und Gesänge, Österreich entschied gegen die Finnen das Schlussdrittel 2:1 für sich – was für das letzte Gruppenspiel am Dienstag zusätzlichen Auftrieb geben sollte.
Die Finnen feierten den sechsten Sieg im sechsten Spiel, matchen sich Dienstag zum Abschluss der Gruppenphase im Hit gegen die Schweiz um Platz eins in der Gruppe A (20.20 Uhr). Davor benötigt Österreich ab 16.20 Uhr gegen die USA für den Aufstieg ins Viertelfinale mit ziemlicher Sicherheit ein „Final-Wunder“. Denn läuft in den Matches davor alles programmgemäß – Siege nach jeweils 60 Minuten für USA (Montag gegen Ungarn), Deutschland (Montag gegen Großbritannien) und Lettland (Dienstag gegen Ungarn) – müssen gegen die US-Boys zwei Punkte her: sprich, ein Sieg nach Verlängerung oder Penaltyschießen. Was einer „Mission impossible“ gleicht ...
Das Ergebnis:
Finnland – Österreich 5:2 (1:0, 3:0, 1:1)
Tore: 1:0 (19./PP) Granlund, 2:0 (24.) Mäenalanen, 3:0 (32.) Puljiujärvi, 4:0 (33.) Manninen, 4:1 (44.) Nissner, 5:1 (48.) Puistola, 5:2 (59.) Wallner
Österreich: Kickert; Wolf, Unterweger; Nickl, Biber; Hackl, Maier; Stapelfeldt, Schnetzer; Schneider, Nissner, Zwerger; Thaler, Rohrer, Harnisch; Neubauer, M. Huber, Rebernig; Scherzer, Wallner, Kolarik
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