Goldgräberstimmung

Buchmesse zeigt Reader mit "Sex-Appeal"

Elektronik
07.10.2010 11:02
Bücher gibt es auf der 62. Frankfurter Buchmesse millionenfach. Die wirklichen Stars des weltgrößten Branchentreffs des Buchhandels sind jedoch nicht aus Papier, sondern aus Aluminium, Plastik und ganz viel Technik. "In diesem Jahr kommen erstmals Reader mit dem notwendigen Sex-Appeal auf den Markt", sagte Alexander Skipsis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, zum Auftakt der Messe am Mittwoch. Auf den Geräten ruhen die Hoffnungen der gesamten Buchbranche auf eine herrliche digitale Zukunft.

Seit mehreren Jahren wird auf der Frankfurter Buchmesse schon über das elektronische Buch gesprochen. Dieses Jahr ist es wohl erst so richtig auf der weltgrößten Bücherschau angekommen. "Jetzt werden die "Claims" (Schürfrechte) abgesteckt", sagt Ronald Schild, Experte für elektronische Bücher beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Auch wenn die Marktanteile von E-Books in unseren Breiten noch gering sind, beschäftigt das Thema inzwischen praktisch alle Verlage. Die Goldgräberstimmung hat aber vor allem den Buchhandel erfasst. Thalia präsentiert den E-Reader "Oyo", Weltbild seinen "Aluratek Libre", der ab sofort lieferbar ist und 100 Euro kosten soll. "Damit wird das papierlose Lesen auch für Einsteiger richtig interessant", glaubt Geschäftsführerin Angela Schünemann.

Tablets für Gelegenheits-, Reader für Vielleser
Seit der Einführung von Apples iPad und seinen Nachfolgern hat sich der Hardware-Markt zudem um vielseitig einsetzbare Tablets erweitert, mit denen auch aufwändig gemachte Sachbücher oder farbige Bildbände gelesen werden können. Fachleute gehen davon aus, dass sich der Markt aufteilen wird: Tablets für den Gelegenheitsleser, stromsparende und auch günstigere E-Book-Geräte für den Vielleser.

Kundenbindung
Das entscheidend Neue ist, dass die großen Händler auch noch die Hardware mitliefern und damit den Kunden an sich binden wollen. Das ist das revolutionäre Potenzial, dass den kleinen Buchhändler überflüssig zu machen droht. So gehört es etwa zur Strategie des Online-Versandhauses Amazon, den Kunden mit dem Kindle an sich zu ketten. Dort georderte elektronische Bücher können in der Regel nicht auf Konkurrenzprodukten gelesen werden.

Laut Branchenexperten dürfte Amazon Anfang 2011 auch den deutschsprachigen Markt in Angriff nehmen. Bisher können dort nur E-Books auf Englisch gekauft werden. "Das wird dann ein ganz anderes Spiel", prophezeit Michael Justus, kaufmännischer Geschäftsführer des Verlags S. Fischer.

Bis zu 15 Prozent Marktanteil bis 2015
In den USA wird bereits bis Ende dieses Jahres ein Marktanteil bei E-Books von fast zehn Prozent erwartet. Für den deutschsprachigen Raum schwanken die Prognosen. Große Optimisten rechnen bis 2015 mit einem Anteil von bis zu 15 Prozent. Als sicher gilt aber, dass das E-Book vor allem den klassischen Buchhandel bedroht.

Schild empfiehlt auch den kleinen Händlern, "E-Book-Kompetenz" zu demonstrieren. "Das Berufsbild wird ganz sicherlich mehr technikorientiert", meint er.

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