19.08.2020 12:00 |

krone.at-Kommentar

Schimpfen ist keine politische Kategorie!

„Reißt euch zusammen“: Dem sonst so sanften Gesundheitsminister Rudolf Anschober ist der Kragen geplatzt. Von den positiv getesteten Kroatien-Rückkehrern sind die allermeisten junge Männer. Obwohl er inhaltlich recht hat: Die Schimpfe kann er sich sparen. Das ist keine politische Kategorie.

Gewiss ist der Ärger verständlich, dass offenbar so mancher junge Mann die Ernsthaftigkeit der Corona-Lage noch immer nicht verstanden hat. Auch die Bilder von Party-Exzessen von Urlaubern stoßen sauer auf und lassen Normalbehirnte kopfschüttelnd zurück. Dass der Gesundheitsminister sich zu einer Twitter-Schelte hat hinreißen lassen, macht die Situation aber für keinen besser. Kein junger Urlauber wird durch das „Du, Du, Du“ von Rudolf Anschober vor Angst erstarren und nun umdenken.

Idioten gibt es überall, auch bei uns
Überhaupt ist es befremdlich, dass die Bundesregierung zu Beginn der Urlaubssaison auf die Eigenverantwortlichkeit setzte, um nun die Verantwortungslosigkeit zu monieren. Dass es unter den Menschen auch solche gibt, denen ein herziger Babyelefant weniger wichtig ist als der Spaß auf einer feuchtfröhlichen Sommerparty, hätte wohl schon im Vorhinein klar sein können. Das ist auch bei uns Österreichern nicht anders. Idioten gibt es immerhin überall.

Kroatien war schon vorher ein Risiko
Deswegen wäre es ehrlicher gewesen, diesen Anteil an geistigen Tieffliegern von Beginn an mit einzuberechnen. Dass zuallererst die Grenzen wohl aus wirtschaftlich-touristischen Interessen für Urlauber sperrangelweit offen waren, obwohl sich gerade in Kroatien schon viel länger eine besorgniserregende Lage abgezeichnet hat, war vielleicht auch nicht so klug. Hier hätte man viel früher handeln können und selektiv jene Party-Gebiete, die besonders vom Corona-Leichtsinn betroffen sind, für Reisen sperren können. Dann wäre sich das alles auch ohne Schimpfe ausgegangen.

Wo war das Elternhaus bei den jungen Männern?
Was allerdings schon nachdenklich stimmt, ist, dass junge Männer offenbar tatsächlich ein Problem mit der Eigenverantwortung haben. Wer angesichts der Mühseligkeiten der vergangenen Monate bis jetzt noch nicht verstanden hat, dass alle an einem Strang ziehen müssen, damit wir bald zur normalen Normalität zurückkehren können, hat offenbar nicht besonders viel Hausverstand von seinem Elternhaus mitbekommen. Das kann auch kein TikTok-Video richten. Die Urlaubssaison ist ohnehin bald vorbei und alle Urlauber wieder im Land. Bis dahin bleibt es tatsächlich nur noch, an junge Männer zu appellieren, sich zusammenzureißen und Verantwortung zu übernehmen. Als Kolumnistin ist man ja auch kein Politiker und darf das auch.

Katia Wagner, Kronen Zeitung

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