14.04.2020 16:33 |

Nachfrage eingebrochen

Europas Bauern versinken in Milchüberschuss

Die Nachfrage nach Milch ist im Zuge der Corona-Pandemie weltweit deutlich zurückgegangen. Besonders in China wird einst begehrtes Milchpulver weniger nachgefragt. Vielen Bauern droht nun eine baldige Schließung ihrer Betriebe.

Aufgrund der Corona-Krise wird das sogenannte weiße Gold deutlich weniger nachgefragt - es finden sich zunehmend weniger Abnehmer für die hohen Milchmengen. Das drückt die Preise und unterbricht die Lieferketten. Binnen drei Wochen musste alleine ein Viehzüchter aus der Normandie in Frankreich rund 15.000 Liter Milch wegschütten.

Einbruch am Produktionshöhepunkt
Dabei trifft es den Milchmarkt zum für Landwirte denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn im Frühjahr erreicht die Milchproduktion für gewöhnlich ihren Höhepunkt. In dieser Zeit bringen Kühe die Kälber zur Welt und geben Milch, zudem wächst frisches Futter auf den Weiden.

Preise sinken drastisch
Statt sich über Einnahmen freuen zu können, drohen die europäischen Bauern auf der überschüssigen Milch regelrecht sitzen zu bleiben. So lag etwa der Preis für Magermilchpulver jüngst bei nur noch 211 Euro pro 100 Kilogramm. Im Vergleich zum Vorjahr sei dies zwar eine Zunahme von elf Prozent, doch die Preise gingen seit Februar wöchentlich zurück. Auch die Käse-Produzenten leiden unter der Krise. So erklärt Michel Lacoste, Präsident der Hersteller geschützter Milchproduktmarken in Frankreich: „Die Lage ist katastrophal. Wir fühlen uns sehr alleine und isoliert, wir haben auf einen Schlag all unsere Kunden verloren.“

Nachfrage besonders in China gesunken
Die Krise hatte in China begonnen, dem Ursprungsland des neuartigen Coronavirus. Dort wurden europäische Container mit Magermilchpulver aus Sicherheitsgründen nicht mehr entladen. Später sank die Nachfrage wegen der Pandemie auch in Europa. Italien, das zuvor etwa die Hälfte der Milch aus dem Ausland importierte, beschränkte sich auf die eigene Milchproduktion. Das Nachsehen haben insbesondere Erzeuger aus Deutschland und Frankreich.

Krisengebeutelte Milchbauern
Auch in Deutschland läuten bei den Bauern sämtliche Alarmglocken. Derzeit liege die Milchproduktion zwischen drei und fünf Prozent über der Nachfrage auf den Märkten, der Milchpreis sei im Bundesdurchschnitt auf bis zu 31 Cent pro Kilogramm gefallen. Vielen Betrieben sitze dazu noch die Milchpreis-Krise aus dem Jahr 2015 in den Knochen. Seither hätten die Landwirte wegen der weiterhin zu niedrigen Preise zwar ihre laufende Kosten decken, aber keine Kredite begleichen oder Rücklagen bilden können. Vielen Bauern drohe nun das Aus, fürchtet der Verband Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Weniger Kraftfutter für weniger Milch
Deutsche Molkereien nehmen bereits weniger Milch von Bauern an. Der Bundesverband rät dazu, die Milcherzeugung vorübergehend zu drosseln, etwa indem die Kühe vorübergehend etwas weniger Kraftfutter erhielten. Die Erzeuger seien selbst in der Verantwortung, um für ein wenig Abkühlung auf den rotierenden Milchmärkten zu sorgen. Der französische Milchbauer Villiers reagiert auf die Entwicklungen indessen mit Galgenhumor: „Die Kühe wollen nicht verstehen, dass sie aufhören sollen zu produzieren.“

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