14.04.2020 16:02 |

Wegen Corona-Pandemie

Abenteuer wird für Schüler zur Odyssee

Sechs Wochen auf einem Segelboot durch die Karibik? Dazu Schulunterricht an Bord? Das klingt wie ein echtes Abenteuer. Als 25 niederländische Schüler Anfang März in Amsterdam ins Flugzeug stiegen, konnte keiner ahnen, wie unvergesslich diese Reise werden sollte. Durch die Corona-Krise saßen die Schüler plötzlich fest.

An einen Heimflug war nicht zu denken, vor ihnen lag der Ozean. Es half nichts: sie mussten Segel setzen. Jetzt sind die jungen Holländer auf dem Heimweg.

Sollte eine einzigartige Erfahrung werden
Zunächst waren die 14- bis 17-jährigen auf der niederländischen Karibikinsel Sint Maarten an Bord des Segelschiffs „De Wylde Swan“ gegangen. Dort wohnten sie und bekamen Unterricht in Natur und Nachhaltigkeit. Mit dem stolzen Zweimaster sollten sie durch die Karibik schippern. Bis nach Kuba und von dort wieder nach Hause fliegen. So war der Plan.

Doch dann kam das Coronavirus. Ein Land nach dem anderen schottete sich als Reaktion auf die Pandemie ab. Vielen Passagierschiffen wurde das Anlegen in Häfen aus Angst vor einer Ansteckung verweigert.

„Einziger möglicher Heimweg ist übers Wasser“
„Ein Rückflug war nicht mehr möglich“, erinnert sich Christophe Meijer von der Organisation Masterskip, die die Jugendreisen auf dem Schiff organisiert. Auch ein Aufenthalt auf Sint Maarten vielleicht für mehrere Monate schien angesichts des dortigen mangelhaften Gesundheitssystems keine sehr beruhigende Perspektive. Vor Crew und Schülern aber lag der Ozean. „Uns war schnell klar: Der einzig mögliche Heimweg ist jetzt übers Wasser“, sagte Meijer am Dienstag.

Doch was würden die Eltern sagen? „Die waren erleichtert“, so Meijer. Denn so sollten die Teenager auf jeden Fall nach Hause kommen. Und schließlich sollten sie auch von einer sehr erfahrenen Crew begleitet werden.

Freude, Angst und kein Internet
Bei den Schülern selbst war die Reaktion gemischt. Einige seien vor Freude in die Luft gesprungen, erinnert sich Meijer. Andere aber mussten drei Mal schwer schlucken. „Nun wurde es auf einmal bitterer Ernst.“

„Jetzt kriegen die Kinder eine besondere Lektion: Anpassen an die Umstände“, sagt Meijer. Und das ist keine Kleinigkeit: Denn fünf Wochen auf hoher See zu fahren, ist etwas ganz anderes als durch die karibische Inselwelt zu schippern. Und das auch noch ohne Internet, Chips und Cola - für viele Teenager ist das hart. Zum Glück aber erkrankte niemand an Bord.

„Wie ein Gefängnis“
„Das Boot ist wie ein Gefängnis“, sagte ein Bursche dem niederländischen TV-Sender NOS unlängst. „Man kann nirgendwo hin.“ Ein Mädchen schwärmte, dass sie Delfine und sogar einen Wal gesehen habe. „Vom Mast aus sieht man kilometerweit. Und wo du auch hinschaust: nur Wasser. Cool.“

Als das Schiff unlängst bei den Azoren anlegte, konnten die Jugendlichen endlich einmal zu Hause anrufen und auch mit den Journalisten skypen. Denn auf See ist die „De Wylde Swan“ nur im Notfall über Satellit zu erreichen.

„Warriors of the Ocean“ - Krieger des Ozeans
Die Stimmung an Bord sei gut, berichtet Organisator Meijer. „Jetzt sind sie wie im Heldenrausch und sagen: Wir bringen uns selbst nach Hause.“ Und dazu passt auch ein anderer als der ursprüngliche selbstgewählte Name der Gruppe „Pirates of the Caribbean“: Jetzt nennen sie sich „Warriors of the Ocean“ - Krieger des Ozeans.

Und auch ohne Internet langweilt sich offenbar keiner. Die Schüler spielen viel, haben extra Hausaufgaben bekommen und müssen an Bord mitanpacken.

Zu Hause wird geknuddelt und gegessen
Am Dienstag hat das Schiff die iberische Halbinsel erreicht, dann geht es Richtung Ärmelkanal. Je nach Wind und Wetterlage soll das Schiff nächste Woche in Harlingen in Friesland einlaufen. Und was wollen die Abenteurer dann als erstes tun? „Meine Eltern knuddeln“, sagte ein Mädchen, „und dann essen“. Und ein Bub fügte lachend hinzu. „Viel essen.“

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