09.03.2020 10:32 |

Ganoven gehackt

Microsoft-Betrug: Betreiber von Callcenter in Haft

Die indische Polizei hat ein Callcenter in einem Vorort der 19-Millionen-Metropole Delhi durchsucht, von dem eine weltweite Betrugskampagne ausging. Die Mitarbeiter hatten Computernutzer per Telefon kontaktiert, sich als Microsoft-Servicemitarbeiter ausgegeben und für die Behebung nicht existenter Computerprobleme Hunderte Euro eingefordert.

Der Fall kam durch einen britischen IT-Security-Experten ans Licht, der sich Jim Browning nennt. Er hatte einen solchen Betrugsanruf zurückverfolgt und sich in die IT-Netzwerke des Callcenters eingeklinkt. Er beobachtete - krone.at berichtete - die in dem Callcenter beschäftigten Männer bei ihrem Tagwerk und saugte 70.000 Telefonmitschnitte aus dem Netzwerk ab. Die britische TV-Anstalt BBC machte Brownings Aktion vor wenigen Tagen zum Gegenstand einer großen Reportage.

Die Enttarnung durch den britischen Hacker hat nun Folgen für den Betreiber des Callcenters in Delhi, das im Hinterzimmer eines Reisebüros betrieben wurde. Nach Bekanntwerden der Aktivitäten rückte die indische Polizei zur Hausdurchsuchung an und verhaftete den Betreiber des Callcenters. Er muss am Dienstag vor Gericht aussagen.

Opfer in Großbritannien, Australien, Nordamerika
Nach derzeitigem Erkenntnisstand nahmen die Betrüger von dem Callcenter aus vor allem Opfer in Großbritannien, Australien und in Nordamerika ins Visier. Die Masche war immer die gleiche: Sie gaukelten den Opfern - bisweilen offenbar unter Zuhilfenahme gefälschter Virenalarme - vor, ihr Rechner sei mit Malware verseucht und müsse desinfiziert werden. Man bot an, das gleich via Fernwartung erledigen zu können und erleichterte viele Opfer um Hunderte Euro.

Ein Phänomen, das nicht auf den englischsprachigen Raum beschränkt ist. Erst vor wenigen Tagen wurde der Fall einer Linzerin bekannt, die auf einen solchen Betrüger - in diesem Fall sprach der Mann Deutsch - hereingefallen ist. Er knöpfte der Frau via Online-Banking 12.000 Euro ab. Ähnliche Zwischenfälle gibt es immer wieder im ganzen Land.

Opfer kooperiert mit indischer Polizei
Perry Adams, eines der Opfer der Betrüger aus Indien, berichtete gegenüber der BBC, dass man ihm eingeredet habe, er habe sich beim Besuch pornografischer Seiten Viren eingefangen. Er will nun die indische Polizei kontaktieren und von seinem Fall berichten. Eine Vorgehensweise, die die Polizei begrüßt: Weil es sich um grenzüberschreitende Betrugsfälle handelt, gestalten sich die Ermittlungen schwierig, es wurde eigens eine Meldestelle für die Opfer in Übersee eingerichtet.

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Es gibt nichts, was ihn davon abhält, das anderswo wieder zu eröffnen. Ich bin neugierig, was vor Gericht passiert.

Perry Adams, Betrugsopfer

Adams ist gespannt, welche Strafe dem Callcenter-Betreiber nun blüht. Die BBC und Browning hätten „großartige Arbeit“ geleistet und einen Betrüger enttarnt, „der dachte, er sei unangreifbar“. Adams: „Es gibt nichts, was ihn davon abhält, das anderswo wieder zu eröffnen. Ich bin neugierig, was vor Gericht passiert.“

Indien ist als Callcenter-Standort beliebt: In dem Land gibt es viele Menschen, die gut Englisch sprechen und gleichzeitig ein deutlich niedrigeres Lohnniveau als etwa in Großbritannien. Das machen sich zahlreiche Firmen zunutze, die ihre Hotline-Angebote an indische Callcenter outsourcen. Hunderttausende Menschen in Indien arbeiten in solchen Callcentern - ein kleiner Teil von ihnen für betrügerische Organisationen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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