20.02.2020 14:47 |

Umfrage in Österreich

Ibiza veränderte Zustimmung zur Demokratie kaum

Die Ibiza-Affäre hat die innenpolitische Landschaft in Österreich erschüttert. Doch tiefere Spuren im Demokratieverständnis bzw. in der Zustimmung der Österreicher zum politischen System hat die „bsoffene Gschicht“ nicht hinterlassen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von Politikwissenschaftlern der Universitäten Graz und Krems hervor. Ihr Demokratieradar, das halbjährlich veröffentlicht wird, zeigt im direkten Vergleich mit Befragungen vor und nach Veröffentlichung des folgenschweren Videos, dass knapp 90 Prozent der Österreicher Demokratie für die beste aller Regierungsformen halten. Allerdings weisen die Studienautoren auf einen allgemeinen Trend hin: Der Wunsch nach Umgestaltung des politischen Systems wächst.

Besonders unzufrieden und den größten Wunsch nach einer Veränderung - wenn auch im demokratischen Rahmen - haben jene Menschen, die unzufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation sind, bzw. FPÖ-Wähler. Hier ist zwischen der Umfrage vor und nach dem Ibiza-Skandal bei FPÖ-Sympathisanten ein besonders starker Abfall zu sehen: Von 68 Prozent Zustimmung zum Statement, dass die „Demokratie in Österreich alles in allem sehr/eher gut funktioniert“, sackte diese nach der Nationalratswahl im Herbst des Vorjahres auf 51 Prozent ab.

Österreich in puncto Demokratiezufriedenheit im Spitzenfeld
Das liege daran, dass Wahlverlierer tendenziell immer unzufriedener sind als Wahlgewinner, erklärte Karin Praprotnik von der Donau-Universität Krems bei der Präsentation der Ergebnisse am Donnerstag im Presseclub Concordia. Dieses Phänomen sei auch international zu beobachten. Im internationalen Vergleich sei Österreich auf jeden Fall im Spitzenfeld was die Demokratiezufriedenheit anbelangt, so Praprotnik weiter.

Laut Flooh Perlot von der Karl-Franzens-Universität in Graz nimmt der Wunsch nach Änderungen am System trotz dieses Spitzenplatzes zu. Aktuell stimmten 51 Prozent der Aussage zu, dass das politische System in Österreich umgebaut werden sollte - ein Plus von acht Prozentpunkten gegenüber den vorangegangenen Erhebungsperioden. 49 Prozent sind der Meinung, dass es gut funktioniere. Auch hierbei zeige sich, dass beim Reformwunsch die persönliche wirtschaftliche Situation einen großen Einfluss habe, sagte Perlot.

Wunsch nach mehr direkter Demokratie
Autoritäre Tendenzen bzw. den Wunsch nach einem „starken Führer“, der keine Rücksicht auf den Wählerwillen oder das Parlament nehmen müsste, lassen die Ergebnisse der Studie nicht erkennen. Diejenigen, die sich für Änderungen aussprechen, favorisieren nämlich laut Perlot direktdemokratische Modelle. Die Befürworter von autoritären Modellen liegen bei elf bis zwölf Prozent.

Das Demokratieradar ist eine halbjährliche Bevölkerungsumfrage der Donau-Universität Krems und der Universität Graz, die in Kooperation mit Forum Morgen durchgeführt wird. Es steht im Zentrum des wissenschaftlichen Forschungsprojekts Austrian Democracy Lab. Halbjährlich präsentiert das Demokratieradar mit rund 4500 Befragten (2500 telefonisch, 2000 im Internet) einen Einblick in das Demokratieverständnis und die Demokratiezufriedenheit in Österreich und widmet sich zusätzlich einem Schwerpunktthema. Praprotnik sieht das Forschungsprojekt ganz nah „am Ohr der Menschen“ in Österreich.

Gabor Agardi
Gabor Agardi
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