10.02.2020 05:06 |

Triumph für „Parasite“

Hauptrollen-Oscars für Zellweger und Phoenix

Die Favoriten machten in der 92. Oscarnacht das Rennen: Joaquin Phoenix wurde für seine Darstellung des „Joker“ im gleichnamigen Film mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Beste Hauptdarstellerin wurde Renee Zellweger. Brad Pitt und Laura Dern feiern ebenfalls. Sie haben die Trophäen der besten Nebendarsteller gewonnen. Pitt sorgte mit liebevollen Worten an seine Kinder für Emotionen. Veganer Phoenix kritisierte die Massentierhaltung.

Der beste Film des Jahres wurde „Parasite“ des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho, der auch als bester Regisseur ausgezeichnet wurde. Außerdem erhielt sein Film den Preis für den besten internationalen Film sowie das beste Originaldrehbuch.

Regisseur Joon-ho schrieb damit Geschichte. Denn zum ersten Mal wurde ein nicht-englischsprachiger Film als bester Film gewürdigt. Seit seiner Ausbildung an der Filmschule habe er sich seinem Motto verschrieben: „Je persönlicher eine Geschichte ist, umso kreativer ist man.“ Der Südkoreaner dankte auch seinen nominierten Kollegen, allen voran Martin Scorsese, der vom Saal mit Standing Ovations gewürdigt wurde. „Wenn mir die Academy eine Kettensäge gibt, würde ich diese Trophäe zerteilen. Danke. Jetzt werde ich bis morgen früh trinken.“

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Jetzt werde ich bis morgen früh trinken.

Bong Joon-ho

Phoenix bester Hauptdarsteller
Joaquin Phoenix ist bei der 92. Oscar-Gala wie erwartet für seine herausragende Leistung in Todd Phillips Comic-Psychoporträt „Joker“ mit der Trophäe für den besten Schauspieler geehrt worden. „Die Ausdrucksmöglichkeit hat mir das außergewöhnlichste Leben ermöglicht“, zeigte sich der 45-Jährige überwältigt von der Auszeichnung für seine Schauspielerei.

Denkanstoß von „Joker“-Mime zu Massentierhaltung
Zugleich nutzte Phoenix seine Dankesrede für einen allgemeinen Aufruf: „Wir sprechen über den Kampf gegen die Ungerechtigkeit.“ Besonders auf die Massentierhaltung ging der Veganer ein: „Wir fühlen uns berechtigt, eine Kuh künstlich zu befruchten und wenn sie ihr Kind zur Welt bringt, stehlen wir ihr Baby, obwohl ihre Angstschreie unüberhörbar sind. Und dann nehmen wir ihre Milch, die für ihr Kalb bestimmt ist, und tun sie in unseren Kaffee und unser Müsli.“

Viele Menschen seien weit von der Natur entfernt: „Viele von uns glauben, wir sind das Zentrum des Universums.“ Dabei sei der Mensch am besten, wenn er kreativ sei, Dinge und Systeme entwickle und seinem Mitmenschen helfe. Bei seinen früheren Nominierungen für „Gladiator“, „Walk The Line“ und „The Master“ war er jeweils leer ausgegangen.

„Judy“ bringt Zellweger Oscar
Judy Garland hat ihr Glück gebracht: US-Schauspielerin Renee Zellweger ist bei den 92. Oscars in Los Angeles als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden. Die Trophäe erhielt die 50-Jährige für ihre Leistung in dem Biopic „Judy“ über die Hollywoodlegende. Es ist Zellwegers zweiter Oscar, nachdem sie für „Unterwegs nach Cold Mountain“ 2004 beste Nebendarstellerin wurde.

„Es war bereits eine Ehre, in eurer Gesellschaft nominiert zu sein“, richtete sie ihren Kolleginnen Cynthia Erivo, Scarlett Johansson, Saoirse Ronan und Charlize Theron aus. Die Arbeit an „Judy“ sei eine „unglaublich besondere und bedeutende Erfahrung in meinem Leben“ gewesen. „Dieses vergangene Jahr mit Gesprächen über Judy Garland war eine tolle Erinnerung daran, dass uns unsere Heldinnen und Helden vereinen. Wenn wir zu ihnen aufschauen, dann sind wir uns einig.“ Dabei sei es egal, ob es große Regisseure wie Martin Scorsese oder Feuerwehrmänner seien - all diese Persönlichkeiten würden die Menschheit zusammenführen.

Oscar für Brad Pitt
Brad Pitt erhielt seinen ersten Schauspiel-Oscar als bester Nebendarsteller. In seiner Rede sagte er: „Das ist für meine Kinder, die alles farbiger machen, was ich tue. Ich bete euch an.“ Der 56-Jährige wirkte sichtlich gerührt über seinen Preis für seine Rolle in dem Tarantino-Film „Once Upon A Time... In Hollywood“. Gemeinsam mit seiner Ex-Frau Angelina Jolie hat Pitt sechs Kinder, um die das Paar jahrelang gestritten hat. Erst dieser Tage soll sich der Star mit seinem ältesten Adoptivsohn Maddox versöhnt haben.

„45 Sekunden mehr als John Bolton“
„Du bist originell, einzigartig, die Filmindustrie wäre ohne Dich ein sehr viel trauriger Ort“, zollte Brad Pitt aber zuerst auch seinem Regisseur Tarantino Respekt für eine Arbeit, die ihm selbst den Schauspiel-Oscar einbrachte. Denn ganz oscar-los war der Filmmensch Pitt auch bis dato schon nicht - hatte er als Koproduzent des Sklavendramas „12 Years a Slave“ doch 2014 in der Königskategorie Bester Film mittriumphiert.

„Ich habe 45 Sekunden“, unkte Brad über die Zeitbeschränkung für seine Dankesrede. Und bewies in der nächsten Sekunde, dass er das Zeug zum Satiriker hat: „Das sind 45 Sekunden mehr als John Bolton (als Zeuge im Trump-Verfahren) bekommen hat.“ Der Polit-Gag schien zu bestätigen, was sich die Los Angeles Times nach Brads witzigen Reden bei Golden Globe und Bafta fragte: „Hat Brad jemand, der ihm seine Siegesreden schreibt?“

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Du bist originell, einzigartig, die Filmindustrie wäre ohne dich ein sehr viel trauriger Ort.

Brad Pitt über Quentin Tarantino

Aufregung um nachlässigen Haarschnitt
Ellen DeGeneres gratulierte Pitt auf Twitter. Sie schrieb: „Ich bin für meinen Freund Brad Pitt so glücklich.“ Einen Seitenhieb auf seinen „Long Hair, don‘t care“-Haarschnitt konnte sie sich aber nicht verkneifen: „Und was für unglaubliches Haar.“ Auf Twitter war der nachlässige Haarschnitt von Pitt seit seinem Auftauchen am Red Carpet Thema. 

Laura Dern beste Nebendarstellerin
Bei ihrer dritten Nominierung als Schauspielerin konnte Laura Dern nun triumphieren: Sie setzte sich bei der Gala zu den 92. Oscars in Hollywood mit ihrer Interpretation einer überspannten Anwältin in Noah Baumbachs „Marriage Story“ in der Sparte der Nebendarstellerinnen gegen die Konkurrenz durch - wie prognostiziert.

„Man sagt: Triff nie deine Helden. Aber wenn man viel Glück hat, hat man sie als Eltern“, bedankte sich die 53-Jährige, die just am 10. Februar ihren Geburtstag feierte, bei ihren Schauspielereltern Bruce Dern und Diane Ladd. An ihren Regisseur gerichtet, sagte sie: „Danke Noah, für deine Vision, deine Magie und deine Worte.“

Obama gratuliert auf Twitter
Auch US-Altpräsident Barack Obama konnte sich freuen: Der Netflix-Dokumentarfilm „American Factory“ über die Menschen in einer Fabrik in Ohio, für den die jüngst von Michelle und Barack Obama gegründete Produktionsgesellschaft Higher Ground verantwortlich zeichnete, holte in der Dokusparte den Sieg.

Entsetzte Gesichter bei Eminem-Auftritt
„Motherfu****!“ Eminems Auftritts-Premiere bei den Oscars ließ die Zensoren des Senders ABC ins Schwitzen kommen. Denn gleich ganze Passagen seines Hitsongs „Lose Yourself“ aus seinem Erfolgsfilm „8 Mile“ wurden für prüde Ohren entschärft - indem der Sound abgedreht wurde. Allerdings nicht im Saal.

Dort rappten die Stars entweder laut mit oder schauten ziemlich entsetzt aus der Wäsche - wie Billie Eilish, Idina Menzel oder Martin Scorsese, deren Standbilder kurz danach im Cyber-Universum am „Trenden“ war.

Seinen zweiten Oscar holte sich der Brite Roger Deakins: Der Kameramann, der bereits vor zwei Jahren für „Blade Runner 2049“ ausgezeichnet wurde, konnte sich diesmal mit seiner Arbeit für Sam Mendes‘ Weltkriegsfilm „1917“ durchsetzen. Und Zeit für einen Schmunzler gab es auch, hatten die Präsentatoren Will Ferrell und Julia Louis-Dreyfus die Aufgabe eines Kameramanns doch etwas missverstanden: „Er kocht und fährt dich mit einem Golfwägelchen übers Set.“ Obwohl Deakins da wohl auch reüssieren könnte, meinte er doch augenzwinkernd: „Ich bin tatsächlich ein ziemlich guter Koch.“

Ebenfalls an „1917“ ging der Preis für die beste Tonmischung sowie für die besten visuellen Effekte, während das Rennfahrerdrama „Ford v Ferrari“, das hierzulande als „Le Mans 66 - Gegen jede Chance“ in den Kinos lief, sowohl den besten Tonschnitt wie auch den besten Schnitt abgeliefert hat.

„Toy Story 4“ bester Animationsfilm
Einen Favoritensieg gab es in der Kategorie Bester Animationsfilm, wo sich „Toy Story 4“ durchsetzen konnte. Die Macher bezeichneten den Film als „Liebesbrief an Familien“.  Das beste adaptierte Drehbuch stammte von Taika Waititi („Jojo Rabbit“). „Der ist wirklich leicht. Sollte der nicht schwer sein?“, witzelte der neuseeländische Regisseur und Drehbuchautor, als er auf der Bühne den Oscar in Händen hielt. „Es gibt so viele Leute, denen ich danken möchte. Aber ich kann mich nicht mehr an sie erinnern.“ Den Preis widmete er allen indigenen Kindern auf der Welt, die Kunst machen möchten.

Eleganz am Red Carpet
Während Hollywood-Ladys wie Salma Hayek, Renee Zellweger oder Penelope Cruz durchwegs von Kopf bis Fuß elegant durchgestylt erschienen und am Red Carpet glitzerten und glänzten, pfiffen männliche Stars wie Brad Pitt oder Keanu Reeves auf ordentliche Frisuren

Oscar-Gewinner Brad Pitt spazierte mit hinten zu langen, abstehenden Haaren über den roten Teppich ins Kodak Theatre. Keanu Reeves hatte seine Mama Patricia Taylor dabei, war aber vor der Gala wohl auch nicht mehr beim Friseur. Joaquin Phoenix wollte gleich niemandem in die Augen schauen und trug eine schwarze Sonnenbrille. Nicht das Einzige, was staunen ließ.

Wundern über Kardashian-Ex
Was macht sie eigentlich hier? Das fragten sich viele am roten Teppich, als Blac Chyna als Erste den roten Teppich betrat. Die Ex-Freundin von Kardashian-Bruder Rob war weder nominiert, noch präsentierte sie einen der Oscars. Was die 31-Jährige nicht daran hinderte, für die Fotografen in ihrem tiefausgeschnittenen Kleid mit langen Beinschlitz - der ihr Riesen-Tattoo freilegte, zu posen. Wie eine echte Kardashian halt.

Eilish sticht heraus
Sie stach unter all den Stars heraus. Billie Eilish trug noch immer dieselbe grünlich-gelbe Haarfarbe wie bei ihrem Grammy-Triumphzug sowie einen warm wirkenden Chanelanzug und völlig verrückte Fingernägel.

Die 18-Jährige kann ihren eigenen Aufstieg zum Megastar immer noch nicht fassen und sagte zu jedem, der sie ansprach: „Ich weiß gar nicht, was mach ich hier eigentlich mache.“ Der Teenie war nämlich gleich um die Ecke vom Kodak Theater aufgewachsen: „Es ist so crazy und surreal. Wir sind noch vor ein paar Jahren wie Touristen hier hergekommen und haben Fotos mit einem Typen im Superman-Kostüm gemacht.“ Diesmal wollten echte Stars mit Billie ein Selfie machen. 

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Ich weiß gar nicht, was mach ich hier eigentlich mache.

Billie Eilish

Mendes staunte
Manche Dinge lernt man erst auf dem „direkten“ Weg zum Oscar. So wie Sam Mendes. Denn der war bei einem Interview erstaunt, zu erfahren, dass er mit einem Oscar-Gewinn Geschichte schreiben hätte können. Sein erster Academy Award - für sein Regisseur-Debut in „American Beauty“ 2000 - liegt 20 Jahre zurück. So lange musste noch kein Regisseur auf einen 2.
Oscar warten. Mendes muss aber weiter warten.

Jacke für Kobe Bryant
Spike Lee trug ein Tribut für Kobe Bryant am Leib. Der Regisseur hatte sich einen lila-goldenen LA-Lakers -Smoking von Gucci schneidern lassen. Mit Kobes Nummer 24 auf den Jackenaufschlag und auf den Rücken genäht. Doch als er nach der toten Basketballlegende gefragt wurde, stockte ihm die Stimme: „Sorry, ich kann einfach nicht drüber reden!“ Und drehte sich weg, um sich eine Träne aus dem Auge zu wischen.

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