Der ehemalige schwarze Nationalratsabgeordnete Klaus Auer hatte angekündigt, im Falle seiner Wahl die ÖVP aus der Koalition zu führen. Martinz hingegen hält an dem Abkommen mit Scheuch fest und will seinen Weg fortsetzen.
"Die Funktionäre haben einen Kurs gewählt, bei dem es nicht ums Davonlaufen geht, sondern bei dem es um die Zukunft geht", sagte Martinz nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Er habe die Partei in den vergangenen Jahren zur "Reform-und Sanierungspartei" gemacht. Martinz warnte davor, dass die ÖVP bei einem Ausstieg aus der Koalition mit der FPK wieder in die Bedeutungslosigkeit fallen würde. In der Koalition sei man nämlich "der Motor der Reformen", um ein Programm umzusetzen sei ein politischer Partner notwendig, so Martinz.
SPÖ-Chef Kaiser: ÖVP als Steigbügelhalter für FPÖ/FPK
SPÖ-Obmann Peter Kaiser kommentierte die Wiederwahl von Martinz mit über 90 Prozent der Stimmen etwas zynisch: "Offensichtlich gefällt sich die einst staatstragende ÖVP in der Gegenwart als Steigbügelhalter für FPÖ/FPK." Noch bei der Landtagswahl 2009 hätten die Kärntnerinnen und Kärntner der Strache-FPÖ eine herbe Abfuhr erteilt. "Knapp eineinhalb Jahre danach, hat der Wiener Strache es doch noch geschafft in Kärnten Fuß zu fassen. Möglich macht dies eine massive Wählertäuschung, der Strache-Scheuch-Fusionsvertrag und nicht zuletzt die Wiederwahl Martinz, der auch in Zukunft mit FPÖ-Strache am Koalitionstisch sitzen will, wie er sagt", kritisierte Kaiser.
LH Dörfler (FPK) gratulierte zum "überraschenden Erfolg"
"Das Ergebnis ist die Bestätigung für die Koalition und den gemeinsamen Kurs mit den Freiheitlichen in Kärnten. Ich gratuliere Josef Martinz herzlich zu seiner Wiederwahl." Nun könne die gemeinsame konstruktive Politik für das Land fortgesetzt werden, so Landeshauptmann Gerhard Dörfler. "Nach dieser Abfuhr wird nun wohl auch der schwarze 'Möchtegern-Parteiobmann' Klaus Auer akzeptieren müssen, dass seine Zukunft samt der Hetzkampagnen-Plattform 'Schwarz!Bewegt' in einem tiefschwarzen Loch verschwunden ist und sich nun auf dem politischen Komposthaufen wiederfindet", ließ Dörfler ausrichten.
Erleichtert über das Wahlergebnis zeigte sich auch FPK-Chef Uwe Scheuch: "Ich bin froh, dass der überwiegende Teil der ÖVP sieht, dass die Koalition eine Zukunft hat", sagte Scheuch.
BZÖ-Petzner: "Wenig überraschend"
Als "wenig überraschend" bezeichnete BZÖ-Bündnisobmann Stefan Petzner das Ergebnis des ÖVP-Parteitages. "Man klammert sich eben mit aller Gewalt an den Obmann, die FPK und damit an die Macht. Viel überraschender ist da schon das Fernbleiben von Josef Pröll, der offensichtlich mit der krisengeschüttelten und skandalgebeutelten Kärntner ÖVP nicht in Verbindung gebracht werden möchte", so Petzner.
Kritik von den Grünen
Kritik kam auch von den Grünen. "Die ÖVP-Basis hat die Koalition mit der FPÖ von HC Strache abgesegnet", meinte Landessprecher Rolf Holub.
Martinz seit 2004 an ÖVP-Spitze
Josef Martinz (51) steht seit März 2004 an der Spitze der Kärntner ÖVP. Er gilt als stets freundlich und umgänglich, ein lautes Wort ist von ihm nie zu hören. Politisch versucht Martinz mit dem Thema Wirtschaft zu punkten, bei der vergangenen Landtagswahl im März 2009 schien dieses Konzept auch zu funktionieren - die ÖVP legte deutlich zu.
Zuletzt wurde der ÖVP-Politiker aber immer wieder von seiner Rolle und der seines Steuerberaters Dietrich Birnbacher beim Verkauf der Kärntner Hypo an die BayernLB im Jahr 2007 eingeholt.
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