10.10.2019 13:08 |

Sensation in Stockholm

Literaturnobelpreis 2019 geht an Peter Handke

Sensation in Stockholm: Der Literaturnobelpreis 2019 geht an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke (76). Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag bekannt. Vergeben wurde auch der Literaturnobelpreis für 2018, und zwar an die Polin Olga Tokarczuk. Die prestigeträchtige Auszeichnung, die bisher mit Elfriede Jelinek im Jahr 2004 erst einmal nach Österreich ging, ist mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 831.000 Euro) dotiert.

Handke erhält den Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht“, so die Begründung der Akademie. „Die besondere Kunst von Peter Handke ist die außergewöhnliche Aufmerksamkeit zu Landschaften und der materiellen Präsenz der Welt, die Kino und Malerei zu zwei seiner größten Quellen der Inspiration werden ließen“, hieß es.

Handke, der sein Glück selbst kaum fassen konnte und äußerst gerührt reagierte, habe sich in Stockholm „als einer der einflussreichsten Autoren Europas nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert“, nachdem er bereits mit seinem ersten Roman „Die Hornissen“ 1966 sowie mit dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ aus 1969 „der Literaturszene seinen Stempel aufgedrückt hat“. 

Begeisterung bei Elfriede Jelinek
Jelinek war eine der Ersten, die am Donnerstag auf die Vergabe an Handke reagierte. „Großartig! Er wäre auf jeden Fall schon vor mir dran gewesen“, teilte die Autorin mit. Für Jelinek war es „höchste Zeit“. Sie freue sich auch, dass die Auszeichnung an jemanden gehe, „auf den sie in Österreich endlich stolz sein werden“.

1942 in Kärnten geboren
Peter Handke wurde am 6. Dezember 1942 im Kärntner Ort Griffen, dem er bis heute verbunden ist, geboren. Er studierte in Graz Rechtswissenschaften, brach dieses Studium allerdings ab. Mit seinen ersten literarischen Werken erlangte er rasch Bekanntheit und wurde später zu einem Star der Literaturszene. Der vielfach ausgezeichnete Autor ist seit 1969 Vater einer Tochter und lebt seit fast 30 Jahren in Frankreich in einem Vorort von Paris.

Zwei Argumente schienen bisher immer gegen die Zuerkennung des Nobelpreises an Handke zu sprechen: die Auszeichnung seiner Landsfrau Elfriede Jelinek und sein umstrittenes proserbisches Engagement.

Auch Olga Tokarczuk ausgezeichnet
Der Literaturnobelpreis für 2018 geht an die polnische Autorin Olga Tokarczuk. Sie erhält die Auszeichnung für „ihre narrative Vorstellungskraft, die, in Verbindung mit enzyklopädischer Leidenschaft, für das Überschreiten von Grenzen als eine neue Form von Leben steht“, wie die Akademie mitteilte.

Tokarczuks Werk wurde bisher in 25 Sprachen übersetzt und bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Usedomer Literaturpreis und der polnischen Nike-Auszeichnung. Nachdem die Autorin ihrem Heimatland Intoleranz gegen Flüchtlinge und Antisemitismus vorwarf, wurde sie angefeindet.

Erstmals zwei Literaturnobelpreise vergeben
Erstmals wurden heuer zwei Literaturnobelpreisträger bekannt gegeben. Die doppelte Auszeichnung wurde notwendig, weil sich die Akademie nach Skandalen und Austritten im Vorjahr gegen eine Preisvergabe entschieden hat. Der damit bis dato letzte Empfänger des Literaturnobelpreises war Kazuo Ishiguro im Jahr 2017.

Überreicht werden die Preise wie immer am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

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