Zwei sind geschafft, folgen noch sieben: Frankreich hat die nächste Hürde auf dem Weg zum so sehnlichst erhofften dritten Titelgewinn bei einer Fußball-WM gemeistert! Kylian Mbappé und Co. ließen Underdog Irak vor rund 69.000 Zuschauern in Philadelphia letztlich keine Chance und siegten mit 3:0. Während die Vorderasiaten nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel nach der Vorrunde wohl nach Hause fahren müssen, stehen „Les Bleus“ mit nunmehr sechs Punkten fix im Sechzehntelfinale ...
Heftige Gewitter, Starkregen, Blitze und sogar Tornados – dem Wettergott sei’s gedankt, dass er all diese vorab von den Wetterdiensten angekündigten meteorologischen Unbilden davon abhalten hatte können, den Start der Partie zu verhindern. Auch wenn sich der Einlass ins Lincoln Financial Field für die Zuschauer um rund 40 Minuten verzögerte, den Anpfiff konnte Schiri Drew Fischer pünktlich erledigen …
Frankreich baut schnell ein Powerplay auf
Und kaum war die Pfeife des Kanadiers so richtig verstummt, hatten sich die von Sélectionneur Didier Deschamps wie gewohnt im vor allem offensiv variablen 4-2-3-1 aufgestellten Franzosen in ein Powerplay hineingesteigert. Zwar zunächst eines ohne großartige Abschlüsse, aber auf jeden Fall eines mit langen Ballbesitzphasen und regelmäßigen plötzlichen Nadelstichen in Form von direkten Pässen in den Strafraum oder gar an den Fünfer.
Erfolgsformel Olise auf Mbappé
Die im Vergleich mit der Partie gegen den Senegal an drei Positionen veränderten Franzosen – Lucas Digne und Ibrahima Konaté in der Defensive für Theo Hernández und Aurélien Tchouaméni sowie Bradley Barcola für Désiré Doué in der Offensive – mussten denn auch gerade einmal 14 Minuten warten, ehe es das erste Mal im irakischen Tor klingelte. Wie schon beim 1:0 der Franzosen im ersten Gruppenspiel bediente der zentral statt auf rechts aufgebotene Michael Olise mit einem Zuckerpasse an der Strafraumgrenze Mbappé, und der zirkelte den Ball mit links wuchtig zur Führung ins Netz.
Iraker im Abwehrverbund relativ stabil
Ein Mal ist kein Mal, dachten sich „Les Bleus“ in der Folge und sie machten grundsätzlich da weiter, wo sie mit dem Treffer aufgehört hatten. Die von ihrem Teamchef Graham Arnold gegen den Ball mit einer Art 6-4-0 agierenden Iraker – Goalie Ahmed Basil, Zidane Iqbal und Ahmed Qasem waren in die Startelf rotiert worden – standen in ihrem Abwehrverbund aber relativ stabil, ließen bei aller französischer Qualität nur wenig zu. Und als die „Löwen Mesopotamiens“ einmal doch die Übersicht verloren, verpuffte eine gute Möglichkeit nach einer Flanke Barcolas in den Rückraum durch ein Missverständnis zwischen Mbappé und Dembelé (20.).
Franzosen schalten nach Trinkpause zurück
Die Trinkpause nach etwas mehr als 20 Minuten erwies sich dann als das erwartbare „Fallbeil“ für den zuvor gezeigten Spielfluss – die Franzosen konnten in der Folge nicht mehr so recht an ihr zuvor allemal Tor-Gier ausstrahlendes Spiel anschließen. Und ganz ehrlich: Sie konnten es sich auch irgendwie erlauben, denn abseits einer Beinahe-Chance durch einen Kopfball von Ali Al-Hamadi nach Flanke von Merchas Doski (28./klar daneben) gab es keinen Grund dafür, daran zu denken, die Worte „Irak“ und „Tor-Gefahr“ synonym zu verwenden.
Unwetter-Comeback senkt Spielniveau
Zusätzliches „Leiden“ für das Spielniveau brachte nach etwas mehr als einer halben Stunde dann die Rückkehr der zuvor als abgezogen gewesen scheinenden Unwetterfront – teilweise starker Regen und Windböen ließen die Heimstatt des NFL-Klubs Philadelphia Eagles immer mehr zu einem recht unwirtlichen Ort werden. Einen aussichtsreichen Angriff brachten „Les Bleus“ zwar auch unter diesen Umständen noch zustande, doch nach feinem Doppelpass mit Barcola und eleganter Drehung um zwei Iraker wurde der Abschlussversuch von Mbappé von Verteidiger Hussein Ali noch todesmutig behindert (42.). Danach plätscherte nicht nur der Regen immer stärker auf den Rasen des Spielfeldes, sondern auch die Partie dem Pausenpfiff entgegen …
Wiederanpfiff rund zwei Stunden verzögert
Der Pausentee musste dann ausnahmsweise länger warmgehalten werden, dauerte die Halbzei-Ppause in der Folge doch deutlich länger als erwartet – denn wie befürchtet war entsprechend neuen FIFA-Regeln in Abstimmung mit US-bundesstaatlichen Gesetzen eine Evakuierung des Stadions und damit eine Spielunterbrechung notwendig geworden – mehr Infos dazu gibt’s HIER! Letztlich dauerte es rund 90 Minuten, also in etwa eine komplette Fußball-Partie mit Verlängerung, ehe es mit dem Gruppe-I-Duell Frankreichs mit dem Irak weitergehen konnte.
Absurd-peinliches „Gastgeschenk“ der Iraker
Angesichts der weiterhin alles andere als optimalen Witterungs- und Platzverhältnisse (mit einigen Wasserlacken!) starteten beide Teams fürs Erste verhalten und vorsichtig in die zweite Hälfte. Vielleicht wäre es mit dem Abwarten auch länger so weitergegangen, hätten nicht die Iraker plötzlich das Bedürfnis gehabt, den Franzosen eine Art „Gastgeschenk“ zu machen. Nach einer Halbchance Barcolas (53.) kam es zum Abstoß für die Iraker und diesen bekam Verteidiger Zaid Tahseen aus vier Metern Entfernung nicht zum (aber auch nicht 100-prozentig aufmerksamen) Keeper Basil – Ousmane Dembelé erwischte den Ball, spielte uneigennützig zur Mitte und dort war Mbappé zur Stelle, 2:0 für Frankreich (54.)., Mbappés 16. Tor bei einer Fußball-WM …
Assist-Gott Olise sorgt für Tor-Nachschub
Anders als im ersten Durchgang schalteten die Franzosen nicht mehr zurück – weder absichtlich noch unabsichtlich. Erst zirkelte Edel-Vorbereiter Olise nach überlegtem Zuspiel einen Schupfer über Irak-Goalie Basil hinweg an die Querlatte (58.), dann verpassten Ousmane Dembelé mit einem Schuss und Adrien Rabiot mit einem Kopfball praktisch in einer Aktion das 2:0. Das aber kurz darauf dann doch fiel – und wieder hatte Olise seine voller Assists steckenden Füße im Spiel: Einen genialen Pass des Bayern-Stars konnte Weltfußballer Dembelé im Sechzehner ideal annehmen und ins Irak-Tor vollenden (66.) – nicht, dass davor noch groß am französischen Erfolg gezweifelt worden wäre, aber nun war der Käse endgültig gegessen.
Erst spät kommt der Irak zu ersten (Halb)Chancen
Und irakische Chancen? Nein, die gab es bis zu diesem Zeitpunkt nicht – erst in den Minuten 74 und 76 kam die Elf von Trainer Arnold einigermaßen aussichtsreich vor das Tor des nicht umsonst bisher unerwähnten Mike Maignan. Doch erst drosch Rebin Sulaka nach einem Eckball weit drüber und dann kam Al-Hamadi nicht mehr gut genug an eine Strafraum-Flanke von Marko Farji heran, um den Ball noch auf, statt neben das Tor zu bringen. Zweimal hatte in der Folge noch Mbappé gute Möglichkeiten, seine WM-Treffer 17 und 18 zu erzielen, aber sowohl in der 80. als auch in der 90. Minute schoss er daneben. Letztlich egal, der Sieg der Franzosen war so oder so längst in trockenen Tüchern – und Frankreich bewies auch ohne 90-minütigen Vollgas-Fußball, dass mit dem Team im weiteren Turnierverlauf absolut zu rechnen sein wird …
Das Ergebnis:
Frankreich – Irak 3:0 (1:0)
Philadelphia, Lincoln Financial Field, 68.324 Zuschauer, Schiedsrichter Drew Fischer (CAN)
Tore: 1:0 (14.) Mbappé, 2:0 (54.) Mbappé, 3:0 (66.) Dembelé
Gelbe Karten: Al-Ammari
Frankreich: Maignan – Kounde (83. Gusto), Upamecano, W. Saliba, Digne – M. Kone, Rabiot – Olise (68. Cherki), Dembele (68. Doue), Barcola (83. Akliouche) – Mbappe
Irak: Basil – H. Ali, Tahseen (60. Sulaka), Hashim, Doski – Bayesh (68. Farji), Al-Ammari (68. Sher), Ismael (60. Amyn), Iqbal – Hussein (26. Al-Hamadi), Qasem
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