13.10.2019 06:05 |

Neues Creative-Headset

Ohren fotografieren für Raumklang mit dem SXFI Air

Guter Klang ist Ohrensache. Das weiß man auch beim für seine Soundkarten bekannten Unternehmen Creative aus Singapur, wo man seit Jahren an maßgeschneidertem Sound durch Ohrenvermessung tüftelt. Lauscher einscannen, hochladen, durch eine Mustererkennung laufen lassen und schon kommt personalisierter Klang heraus, so das Versprechen hinter der Raumklangtechnologie Super X-FI (SXFI). Das funktioniert mit kleiner USB-C-Soundkarte und einer Auswahl von Fremdhersteller-Headsets oder - da ist der Audioprozessor gleich eingebaut - hauseigenen Headsets. Wir haben mit dem Bluetooth-Kopfhörer Creative SXFI Air probegelauscht.

Das die Ohren umschließende Bluetooth-Headset mit anpass- und abschaltbarer RGB-Beleuchtung um die Touch-sensitiven Ohrhörer und atmungsaktiver Textilpolsterung ist geradezu ein Anschlusswunder. Es kann wahlweise über USB-C, Klinke, Bluetooth oder von einer im Gerät versenkbaren microSD-Karte bespielt werden.

Klang liefern 50-Millimeter-Neodymtreiber. An der Seite ist ein abnehmbarer Mikro-Stummel für Sprachtelefonie. Der Akku reichte im Test für etwa zehn Stunden - wohl ein Tribut an den Prozessor im Headset. Die Bluetooth-Verbindung blieb bei uns auch bei fünf Metern Distanz noch stabil.

Ohrenscan-App hakelig, aber funktionell
Die Einrichtung erfolgt über kostenlose Creative-Apps für Android oder iOS, die im Test da und dort etwas hakelig in der Bedienung waren, letztlich aber ihren Zweck erfüllen. Die eine App dient der Ohrenvermessung und knipst dafür die Lauscher von beiden Seiten, zusätzlich einmal den Kopf von vorn. Aus Ohrenform und Kopfgröße errechnen Creatives Server mit vergleichenden Methoden die optimalen Klangeinstellungen.

Die eigentlichen Fotos werden dabei nicht hochgeladen, wohl aber Gitternetz-Scans der Ohren und des Gesichts. Die Klangeinstellungen werden aufs Headset geladen und können fortan dort per Knopfdruck an- und abgeschaltet werden. Die Prozedur verlangt eine kostenlose Registrierung beim Hersteller. Weil die Einstellungen am Headset gespeichert sind, kann man sie auch nutzen, wenn man das Headset nicht mit dem Handy verbunden hat, auf denen die Scan-App installiert ist.

Besseres Mittendrin-Gefühl durch Raumklang
Ist das Profil aufs Headset geladen, geht es los mit dem virtuellen Raumklang. Den sollte man sich allerdings weniger als aus klar definierten Richtungen kommend vorstellen, sondern eher, wie es der Name sagt, räumlich - also von allen Seiten kommend. Das hilft etwa beim Videokonsum oder beim Spielen dem Mittendrin-Gefühl auf die Sprünge. Flotte Online-Shooter, in denen man Gegner genau orten will, würden wir aber eher ohne SXFI-Headset spielen.

Wichtige Erkenntnis während unseres Tests mit dem Headset: Wer die SXFI-Funktion nutzen will, sollte tunlichst jegliche anderen womöglich im Hintergrund aktiven Klangverbesserungstechnologien wie Equalizer-Einstellungen am Handy oder an der PC-Soundkarte abschalten. Sonst schlägt es sich. Feintuning betreibt man besser direkt in der SXFI-App, die ihren eigenen Equalizer mitbringt.

Bei manchen Musik-Genres erstaunlich stark
Erstaunliche Facetten entlockte das Headset im Test unserer Lieblingsmusik. Vom breiten Bassspektrum des Headsets profitiert elektronische Musik, die man in der Tiefe selten so gut ausdifferenziert wahrnimmt - hier scheint sich die Ohrenvermessung auszuzahlen und für eine Art Live-Effekt zu sorgen.

Auch Gitarren werden gut getroffen, wenngleich Rockmusik nicht die größte Stärke von Super X-FI ist - wenn, dann eher in Live-Form oder mit alten Klassikern. Mitten und Höhen werden nicht zwangsläufig klarer, aber gefällig räumlich. Alles in allem haben wir mit dem Headset lieber mit aktiviertem SXFI Musik gehört. Ohne klang alles schwammiger, das können andere Kopfhörer besser.

Realistischere Stimmen bei Videos und Podcasts
Sehr gute Arbeit leistet das SXFI Air beim Videoschauen. Hier profitieren besonders Stimmen von Creatives Headset, wirken deutlich realistischer und präsenter als ohne die Technologie. Im Test half das auch spürbar gegen den lästigen Mischeffekt, den man von manchen Filmen kennt: Leise Dialoge und allzu laute Action.

Das Headset sorgte etwa beim Netflix-Schauen für ein klanglich deutlich runderes und plastischeres Gesamtbild. Die gute Stimmwiedergabe sollte auch Fans von Hörbüchern oder Podcasts ansprechen.

Saubere Verarbeitung, guter Tragekomfort
An der Verarbeitung des SXFI Air haben wir nichts auszusetzen: Es dominiert stabiler matter Kunststoff, die Hörer selbst sind mit Textil, der gepolsterte Bügel mit Kunstleder überzogen. Dem microSD-Slot hätte eine Abdeckung nicht geschadet. Gut gefällt uns die Anwesenheit physischer Bedienelemente: Power-Button, Quellenwahl und SXFI-Knopf. Lautstärke und Musikwiedergabe werden per Touch-Gesten eingestellt, was sich im Test als tückischer als richtige Knöpfe erwies und nicht immer korrekt erkannt wurde.

Trotz etwas mehr als 300 Gramm Gewicht sitzt der SXFI Air auch bei längeren Sitzungen angenehm am Kopf, drückt weder am Bügel noch an den Ohren. Das hält man auch ein paar Stunden aus, wenn es die Situation erfordert.

Fazit: Creative hat mit dem SXFI Air einen anschlussfreudigen, bequemen, innovativen und in vielen Szenarien gerade mit aktiviertem SXFI sehr wohlklingenden Kopfhörer geschaffen, der vielen Quellen erstaunliche neue Aspekte entlockt. Der Akku könnte etwas länger halten und Profi-Gamer werden sich eine präzisere Klangortung wünschen. Für Hobbyisten, die ab und zu tiefer in ihre Filme oder Videospiele eintauchen wollen, Hörspiele, Podcasts oder manche Musikrichtungen ist er aber eine interessante Neuheit, in die es sich reinzuhören lohnt.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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