Nach dem tragischen Unglück in der Wiener Porzellangasse werden nun immer mehr erschütternde Details bekannt. Der folgenschwere Arbeitsunfall, der vier Menschen das Leben kostete und einen weiteren schwer verletzte, entpuppte sich als einer der verheerendsten Arbeitsunfälle der vergangenen Jahre.
Rund 120 Feuerwehrleute standen im Einsatz, der sich über mehr als vier Stunden zog. Besonders dramatisch: Der flüssige Beton, unter dem die Bauarbeiter verschüttet wurden, erschwerte die Bergung massiv. Zwei der Opfer konnten erst nach zweieinhalb Stunden gefunden werden – ein Wettlauf gegen die Zeit, während das Material zunehmend erhärtete.
Wie berichtet, war es am Dienstag gegen 14.30 Uhr bei Bauarbeiten im Zuge eines Dachgeschossausbaus zur Katastrophe gekommen. Eine Konstruktion aus Schalungen und Gerüst brach plötzlich zusammen und riss mehrere Arbeiter mit sich in die Tiefe – begraben unter Trümmern und Beton.
Ein 45-jähriger Arbeiter konnte noch relativ rasch schwer verletzt gerettet werden. Doch danach begann eine aufwendige und nervenaufreibende Suche nach weiteren Verschütteten. Die Feuerwehr erhöhte umgehend die Alarmstufe, Spezialkräfte wurden angefordert. Sogar Drohnen, Rettungshunde und Schallortung kamen zum Einsatz, um mögliche Lebenszeichen unter den Trümmern zu finden.
Die Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig: Zugänge mussten erst geschaffen, Zäune und Türen entfernt werden. Trümmerteile, Eisenarmierungen und Gerüststücke wurden mühsam händisch, mit Seilwinden und per Kran geborgen. Der Kranfahrer selbst musste bis etwa 17.30 Uhr in seiner Kabine ausharren. Der zähflüssige Beton machte jede Bewegung zur Herausforderung – und wurde mit jeder Minute härter.
Aufnahmen zeigen den verheerenden Einsatz in der Porzellangasse:
Beton wurde zunehmend fester
Nachdem die ersten beiden Opfer geborgen worden waren, wurde die Situation noch dramatischer: Der zunehmend feste Beton erschwerte das Vordringen zu den weiteren Verschütteten erheblich. Schließlich wurde das gesamte Trümmerfeld nochmals von einem Rettungshund abgesucht, um sicherzugehen, dass sich keine weiteren Personen darunter befanden.
Unterdessen wächst der Druck auf die Verantwortlichen. Die Gewerkschaft Bau-Holz fordert eine lückenlose Aufklärung der Ursachen. Besonders eindringlich die Worte von GBH-Bundesvorsitzendem Josef Muchitsch:
„Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und den Kolleginnen und Kollegen auf der Baustelle“ und weiter: „Vom Auftraggeber über die Auftragnehmer bis zu den handelnden Menschen auf der Baustelle tragen alle Verantwortung. Es geht um Menschenleben. Es muss alles getan werden, damit jeder Bauarbeiter am Abend gesund nach Hause kommt.“
Es geht um Menschenleben. Es muss alles getan werden, damit jeder Bauarbeiter am Abend gesund nach Hause kommt.
GBH-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch
Obduktionen wurden angeordnet
Die Ermittlungen zum Unfallhergang sind weiterhin im Gange, wie die Wiener Polizei am Mittwoch mitteilte. Das Arbeitsinspektorat ist dabei eingebunden. Nach der Leichenbeschau wurde ein Anlassbericht an die Staatsanwaltschaft übermittelt, Obduktionen dürften bereits angeordnet sein. Ob strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt, wird nun geprüft.
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