11.08.2019 06:00 |

krone.at-Test

Zoemini S: Sofortbildkamera für Unvernünftige

Als Ende der 1940er-Jahre die erste Sofortbildkamera auf den Markt kam, war die Sensation groß. Vorbei war das Warten auf den fertig entwickelten Film aus der Dunkelkammer. Über 70 Jahre später erfreuen sich Sofortbildkameras wie die Canon Zoemini S - wieder - großer Beliebtheit. Mit der Technik von einst haben die Geräte allerdings nur mehr wenig gemein. Und auch das „Sofort“ sollte man besser nicht wörtlich nehmen, wie der krone.at-Test zeigt.

In Zeiten, in denen sich mit dem Smartphone im Sekundentakt Dutzende Fotos knipsen und über das Internet mit der ganzen Welt teilen lassen, wirken heutige Sofortbildkameras äußerst behäbig. Auch bei Canons Zoemini S, streng genommen eine Digitalkamera mit eingebautem Foto-Drucker, dauert es eine kleine Ewigkeit, bis sich das Foto - Zeile für Zeile - vor dem Betrachter ausdruckt. Gut 50 Sekunden vergehen vom Anspringen des Druckwerks bis zum Auswurf des finalen Fotos.

Fotografieren wie früher
Und wie früher stellt man dann mitunter fest, dass beispielsweise der Daumen vor der Linse war oder das Motiv zur Hälfte abgeschnitten wurde. Denn ein Display hat die Zoemini S nicht, fotografiert wird nahezu im Blindflug. Ein kleiner Sucher auf der Rückseite bzw. Spiegel für die Selfie-Aficionados auf der Vorderseite rund ums Objektiv sind die einzigen Hilfsmittel zur Orientierung.

Zeit und Geld
Mitunter sind also mehrere Versuche notwendig, bis das Foto auch wirklich passt. Das kostet zusätzliche Zeit - auch, weil der Drucker zwischendurch gerne überhitzt und dann erst wieder abkühlen muss. Oder weil der „Film“, sprich: das ZINK-Fotopapier, voll bzw. leer ist. Denn mehr als zehn Blatt im Mini-Format von 5 x 7,5 Zentimetern fasst die Kamera nicht. Und nach dem Einlegen neuen Papiers muss erst jedes Mal ein sogenanntes blaues Smartsheet durchlaufen, das den Drucker reinigt und kalibriert. Ehe man sich versieht, ist dann auch noch der mit 700 mAh knapp bemessene Akku leer. Der reicht im Schnitt für lediglich 25 Ausdrucke, dann muss er die nächsten zwei Stunden an die Steckdose.


Mehr Ausschuss bedeutet aber auch mehr Kosten. Die Vorteilspackung mit 50 Blatt Fotopapier gibt es für rund 26 Euro, die Kosten pro Ausdruck liegen damit bei fast 52 Cent. Ein durchaus stolzer Preis. Zum Vergleich: Die Fotoausarbeitung im Drogeriemarkt kostet mit 13 Cent lediglich ein Viertel - dafür gibt es dann allerdings einen Abzug im deutlich größeren Format von 9 x 13 Zentimetern.

Trotzdem spaßig
Und dennoch: Lässt man die Kosten einmal außen vor, weiß das Fotografieren mit der Zoemini durchaus zu begeistern. Weil die Bedienung simpel ist und sich de facto auf das Drücken des Auslösers beschränkt (wer will, kann allerdings noch ein LED-Ringlicht als Aufheller hinzuschalten oder das Seitenverhältnis von 3:2 auf 1:1 ändern). Weil die Ungewissheit, wie das Foto aussieht bzw. ob es überhaupt etwas geworden ist, das Ganze unglaublich spannend macht. Weil die Fotos zum Anfassen Freude bereiten. Und weil das Fotografieren mit der Zoemini - wie einst zu analogen Zeiten - entschleunigt und den Fokus wieder verstärkt auf Tugenden wie den richtigen Bildausschnitt, Be- und Ausleuchtung etc. legt.

Mobiler Fotodrucker
Wer es etwas moderner haben möchte, kann die Zoemini aber auch als mobilen Foto-Drucker nutzen und drahtlos via Bluetooth 4.0 mit dem Smartphone oder Tablet koppeln, was dank NFC-Unterstützung einfach von der Hand geht. Daraus ergeben sich gleich mehrere Vorteile. Zum einen kann nun per Live-View am Display des Mobilgeräts der Bildausschnitt perfekt bestimmt und der Ausschuss dadurch reduziert werden. Zum anderen bieten sich dank iOS- und Android-Apps zur Foto-Bearbeitung umfangreiche Möglichkeiten, die Aufnahmen persönlich zu gestalten und etwa mit Stickern, Schrift und dergleichen mehr zu versehen.

Zu guter Letzt bieten aktuelle Smartphones deutlich höhere Auflösungen als die acht Megapixel der Zoemini S. Das ändert zwar nichts an der mit 300 x 600 dpi eher bescheidenen Druckauflösung, erlaubt es aber zumindest, bestimmte Details durch entsprechenden Bildschnitt in den Vordergrund zu rücken, die andernfalls verlorengehen bzw. nicht sichtbar werden würden.

Vernünftigere Alternativen
Für die reine Nutzung als Fotodrucker gibt es allerdings bessere Lösung, selbst von Canon. Mit dem Selphy CP1300 hat der Hersteller einen zwar mit 860 Gramm deutlich schwereren, aber immer noch mobilen Foto-Drucker im Angebot, der mit einer Akkuladung bis zu 54 Bilder im Postkartenformat 10 x 15 cm ausdruckt. Kostenpunkt: aktuell günstigstenfalls rund 110 Euro. Zum Vergleich: Die Zoemini S kostet derzeit rund 142 Euro. Alternativ bietet Canon mit der Zoemini C eine abgespeckte Version mit geringerer Auflösung (5 Megapixel/314 x 500 dpi) an, die überdies weder LED-Ringlicht/Selfie-Spiegel noch bietet. Mit einem Preis von derzeit günstigstenfalls rund 103 Euro ist sie allerdings nur unwesentlich günstiger als der Selphy-Fotodrucker.

Fazit: Spaß macht es ja, mit der Canon Zoemini C zu fotografieren. Sonderlich komfortabel, zeit- oder gar kostensparend ist es jedoch nicht. Wer sich für die Sofortbildkamera entscheidet, tut dies demnach nicht aus Vernunft, sondern weil er Freude am Knipsen mit ungewissem Ausgang hat.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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