Mo, 20. Mai 2019
03.05.2019 14:34

Zugriff in Deutschland

Polizei zerschlägt riesigen Darknet-Schwarzmarkt

Ermittler in den USA und Europa haben einen der größten kriminellen Online-Marktplätze für Drogen und andere illegale Waren ausgehoben. Die drei mutmaßlichen Betreiber des sogenannten „Wall Street Market“ wurden in Deutschland gefasst, sie sitzen in Untersuchungshaft.

Über die Online-Plattform wurden neben Rauschgift unter anderem auch ausgespähte Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware gehandelt, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt sagten. Es sei der weltweit zweitgrößte illegale Online-Marktplatz im Darknet gewesen, einem abgeschirmten Teil des Internets.

Die Männer sollen als Betreiber der Plattform an den Verkäufen illegaler Artikel Provisionen verdient haben. Bei den Verdächtigen handelt es sich um einen 31-Jährigen aus Bad Vilbel (Hessen), einen 22-Jährigen aus Kleve (Nordrhein-Westfalen) und einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg).

Polizei schlug während Wartung zu
Seit März hatten Ermittler die drei Deutschen im Visier, wie sie am Freitag berichteten: Nachdem die Verdächtigen den Online-Marktplatz in den Wartungsmodus geschaltet und die hinterlegten Geldbeträge an sich selbst transferiert hatten, schlugen die Behörden zu. In Den USA identifizierte die Staatsanwaltschaft Los Angeles nach eigenen Angaben zwei der umsatzstärksten Anbieter von Drogen auf dem „Wall Street Market“ und nahm diese fest. Sie sollen mit extrem gefährlichen Drogen gehandelt haben, wie ein US-Vertreter sagte. Bei Durchsuchungen der Tatverdächtigen in den USA wurden illegale Waffen und Bargeld in Millionenhöhe gefunden.

Deutsche Ermittler nahmen die drei Verdächtigen Ende April fest und durchsuchten deren Wohnungen. Dabei seien die Rechner sichergestellt worden, über die die Plattform betrieben worden sei. Außerdem fanden die Ermittler mehr als 550 000 Euro in bar, digitale Zahlungsmittel wie Bitcoins mit einem Wert in sechsstelliger Höhe sowie teure Fahrzeuge. Bei dem Tatverdächtigen aus Kleve entdeckten die Beamten zudem eine Schusswaffe.

Schwarzmarkt nicht mehr erreichbar
Der „Wall Street Market“ ist den Ermittlern zufolge jetzt nicht mehr erreichbar. Auf der Webseite sei stattdessen ein Sicherstellungsbanner hochgeladen geworden. „Zuletzt waren auf dem Online-Marktplatz über 63.000 Verkaufsangebote eingestellt sowie über 1,150.000 Kundenkonten und über 5400 Verkäufer angemeldet“, erklärte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Georg Ungefuk. Den Festnahmen seien aufwendige verdeckte Ermittlungen vorausgegangen. US-amerikanische und niederländische Behörden seien beteiligt gewesen, ebenso die europäische Polizeibehörde Europol. Einen Bezug nach Österreich gibt es derzeit nicht, hieß es seitens der österreichischen Bundeskriminalamtes.

Der Präsident des deutschen BKA, Holger Münch, sprach von technisch sehr anspruchsvollen und personalintensiven Ermittlungen. Er hob die internationale Zusammenarbeit mit Behörden in den USA, den Niederlanden und der europäischen Polizeiorganisation Europol hervor. „Das war beispielgebend für die Verbrechensbekämpfung im digitalen Raum.“

Münch forderte zugleich einen eigenen Straftatbestand und damit eine klare gesetzliche Regelung gegen das Betreiben von kriminellen Online-Handelsplattformen. Es gebe schon einen Vorschlag dazu, der aber noch nicht umgesetzt sei. „Wir müssen Schritt halten mit der gesellschaftlichen Entwicklung.“

Gegen die drei Verdächtigen in Deutschland laufen Ermittlungen wegen gewerbsmäßiger Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln. Der Strafrahmen dafür liegt laut Generalstaatsanwaltschaft zwischen einem und 15 Jahren Haft.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
McLeish-Nachfolger
Steve Clarke neuer schottischer Teamchef
Fußball International
„Wahnsinns“-Preise
Champions-League-Finale um 2 Euro: „Ich wär blöd“
Fußball International
Neuer Nürnberg-Trainer
„Riesige Historie!“ Canadi beim „Club“ vorgestellt
Fußball International
Schwere Vorwürfe
Manipulation? Elf Spieler in Georgien festgenommen
Fußball International
Kickls Plan scheitert
Van der Bellen verhindert Goldgruber-Beförderung
Österreich
Machtwort von Hofer:
Strache wird nicht Wiener FPÖ-Chef
Wien
Hoppala bei Feier
Ronaldo-Bub kriegt Meisterschaftspokal ins Gesicht
Fußball International

Newsletter