92 Jahre des sehnsüchtigen Wartens sind zu Ende, erstmals seit 1934 (!) steht das Nationalteam von Ägypten wieder einmal im Achtelfinale einer Fußball-WM! Die von ihrem Noch-Immer-Superstar Mohamed Salah angeführten „Pharaonen“ bestätigten ihre leichte Favoritenrolle im Duell mit den „Socceroos“ Australiens und setzten sich vor über 70.000 Zuschauern im AT&T Stadium von Arlington/Dallas im Elferschießen durch. Ob‘s ihr letzter Sieg bei der WM war, wird sich weisen – als nächster Gegner steht nun allerdings wohl Weltmeister Argentinien ante portas ...
Apropos Argentinien: Gerade in der normalerweise von NFL-Kultklub Dallas Cowboys bespielten und während der WM als „Dallas Stadium“ firmierenden Arena hatten Lionel Messi und Co. zwei ihrer drei Vorrunden-Spiele absolviert – und (natürlich) auch gewonnen. Dass es für Ägypten kein so lockeres Siegen geben würde wie für Argentinien gegen Österreich (2:0) und gegen Jordanien (3:1) war allerdings bereits vor Anpfiff des Duells mit Australien erwartbar gewesen. Allein bei einem flüchtigen Blick auf die FIFA-Weltrangliste, die die Teams auf den Plätzen 26 und 28 de facto als qualitativ gleichwertige „Nachbarn“ aufweist ...
Fünf Wechsel bei Ägypten, keiner bei Australien
Apropos Qualität: Während Trainer Tony Popović bei der Startelf seiner „Socceroos“ gegenüber dem Vorrunden-Spiel gegen Paraguay keinen Grund für personelle Wechsel sah, warf sein Pendant Hossam Hassan die große „Mischmaschine“ an. Gleich fünf Änderungen nahm er nach dem Gruppe-G-Finale gegen den Iran vor: Yasser Ibrahim, Karim Hafez, Marwan Attia, Hamdy Fathy und Omar Marmoush rückten für Mohamed Abdelmonem, Ahmed El Fotouh, Mohanad Lasheen, Mahmoud Saber und Trezeguet in die in einem 4-2-3-1 auflaufende ägyptische Elf.
Zufall oder nicht, die runderneuerten „Pharaonen“ brauchten ein wenig, um in die Partie zu finden. Abgesehen davon, dass beide Teams unter den Augen von Schiri Gustavo Tejera, des letzten Vertreters von Uruguay bei der WM, recht hektisch und nervös agierten, gehörte die Anfangsphase den gelb-grünen „Socceroos“. Was sie auch mit Chancen unterstrichen: Erst traf Cristian Volpato mit einem Weitschuss aus 25 Metern nur die Latte (5. Minute) und wenig später wurde der von rechts in den Strafraum eingedrungene Jordan Bos gerade noch in extremis von Rami Rabia am Abschlussversuch gehindert (6.). Die Führung für Australien lag in der Luft …
Ein Treffer fiel dann auch nicht lange danach – allerdings auf der anderen Seite des Spielfeldes für Ägypten, aus deren bis dahin ersten echten Offensiv-Aktion. Salah legte einen Freistoß aus dem Halbfeld auf Emam Ashour ab, dessen Schuss aber von Jackson Irvine geblockt wurde – weil die Australier den Ball nicht final klären konnten, bekam Ashour nach einer Hafez-Flanke eine zweite Chance und per Kopf stellte er auf 1:0 (13.).
Expected-Goals-Werte von 0,40 zu 0,41 zur Halbzeit
Wer im Anschluss wütende australische Ausgleichsbemühungen oder ägyptische Aktionen zum Ausbau der Führung erwartete, der wurde schwer enttäuscht – weder die „Socceroos“ noch die „Pharaonen“ fanden Wege, die Partie zu ihren Gunsten kippen zu lassen. Den Mantel des Schweigens über das Geschehen im AT&T Stadium von Arlington/Dallas legen zu wollen, wäre zwar übertrieben, aber mehr als (Ansätze für) Halbchancen gab es bis zur Pause nicht mehr.
Weder Aiden O’Neill (15./weit daneben) noch Lucas Herrington (23./Kopfball daneben), Aziz Behich (32./vom Strafraumeck direkt auf den Goalie) oder Volpatao (45.+2/Schlenzer klar daneben) bzw. Omar Marmoush (17./geblockt) oder Salah (45.+1/Kopfball) wussten mit ihren Aktionen auch nur den zartesten Hauch von Gefahr zu erzeugen. Wenig überraschend: Die Expected-Goals-Werte beliefen sich zur Halbzeit auf 0,40 gegenüber 0,41 …
Topchance für Ägypten 8,5 Sekunden nach Wiederanpfiff
Hälfte 2 hätte dann beinahe mit einem veritablen Paukenschlag begonnen: Praktisch vom Anstoß weg marschierten die Ägypter unbedrängt durch das gesamte australische Spielfeld-Terrain und der mit Tempo in den Strafraum eingelaufene ManCity-Star Marmoush schoss gerade einmal 8,5 Sekunden nach Wiederanpfiff frei vor Keeper Patrick Beach knapp rechts daneben. Ein Weckruf für die nach ihrem Führungstor nicht mehr sonderlich aufgefallenen Mannen von Trainer Hassan? Nicht die Bohne!
Hany trifft zum zweiten Mal bei der WM ins eigene Tor
Australien nahm de facto unmittelbar im Anschluss an die Marmoush-Chance das Heft in die Hand, bereits ein Metcalfe-Kopfball nach Irvine-Freistoß hätte beinahe gesessen (48.) und dann hätte auch bei einer Flanke auf Nestory Irankunda nicht viel gefehlt (53.). Noch einmal zwei Minuten später war es dann aber so weit: Bei einem O’Neill-Freistoß in den Strafraum hinein sprang Captain Harry Souttar zwar unter dem Ball durch, Ägypten-Verteidiger Mohamed Hany köpfelte dahinter allerdings im Stile eines Weltklasse-Stürmers unhaltbar für seinen Goalie Mostafa Shobeir zum 1:1 ein (55.). Kurios: Es war sein zweites Eigentor bei der laufenden WM, bereits beim 1:1 gegen Belgien zum Auftakt hatte er ins eigene Tor getroffen …
Mit der einen Großchance hüben und dem Tor drüben war’s das dann aber auch schon wieder damit, was Ägypten und Australien ihren Fans zu bieten wussten. Wie bereits vor der Pause nahmen nun Risikovermeidung und Zaghaftigkeit vorne wie hinten überhand – auch das Tempo wurde nicht allzu hoch gehalten. Die nominell höhere individuelle Klasse bei den „Pharaonen“ ließ sich zeitweise zwar erahnen, gegen die gerade bei Standards körperlich sehr robust auftretenden Souttar und Co. war sie allerdings kein Atout.
Spätes Comeback von Ehrgeiz und Tor-Geilheit
Als ob des Ausbleibens erwähnenswerter Chancen schon alles auf die Verlängerung hinauszulaufen schien, packte Ägypter wie Australier aus dem Nichts auf einmal doch noch einmal der Ehrgeiz und die Tor-Geilheit:
Elfmeterschießen bringt die Entscheidung
Danach passierte nichts mehr in den ersten 90 Minuten plus Nachspielzeit – und weil auch die Verlängerung nicht mehr viel zu bieten hatte, musste das dritte Elfmeterschießen der Fußball-WM 2026 entscheiden. Da Captain Souttar den ersten australischen Versuch in den Dachstuhl des AT&T Stadiums drosch und der 19-jährige Jungstar Lucas Herrington den seinen an die Latte, schlug das Pendel am Ende zugunsten der Ägypter aus, bei denen alle Schützen trafen …
Das Ergebnis:
Australien – Ägypten 1:1 (1:1, 0:1) n. V., 2:4 im Elfmeterschießen)
Dallas/Arlington, AT&T Stadium, 70.244 Zuschauer, Schiedsrichter Gustavo Tejera (URU)
Tore: 0:1 (13.) Ashour, 1:1 (55./ET) Hany
Gelbe Karten: keine bzw. Elsaghir (Betreuerstab), Hassan, Ibrahim
Australien: Beach (119. Ryan) – Circati, Souttar, Herrington – Bos (46. Trewin), Irvine, O‘Neill (91. Okon-Engstler), Behich – Volpato (74. Hrustic), Irankunda (74. Toure), Metcalfe (91. Mabil)
Ägypten: Shoubir – Hany, Ibrahim, Rabia, Hafez (80. Trezeguet) – Fathy (67. Abdelmaguid), Attia (121. Saber) – Ashour, Zico (67. Hassan), Marmoush (106. Abdelkarim) – Salah
Elfmeterschießen:
0:0 – Souttar vergibt (drüber)
0:1 – Saber trifft
1:1 – Irvine trifft
1:2 – Rabia trifft
2:2 – Mabil trifft
2:3 – Salah trifft
2:3 – Herrington vergibt (Latte)
2:4 – Abdelmaguid trifft
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