02.02.2019 06:01 |

Fragen und Antworten

Huawei in der Krise: Wer profitiert, wer verliert?

Der weltgrößte Netzwerkausrüster Huawei ist spätestens seit der Festnahme seiner Finanzchefin in Kanada und der US-Anklage gegen den Technologiegiganten aus China in aller Munde. Doch auch in Europa gerät das Unternehmen immer mehr unter Druck. Doch worum geht es in der Affäre eigentlich? Hier finden Sie zentrale Fragen und Antworten.

Spioniert Huawei, einer der weltgrößten Mobilfunkkonzerne und sowohl im Geschäft mit Smartphones als auch bei der Netzwerktechnik eine große Nummer, für die chinesische Regierung? Beweise für diese Anschuldigungen gibt es nicht, doch US-Geheimdienste werden nicht müde, vor dem chinesischen Unternehmen zu warnen. Im Folgenden haben wir die Huawei-Affäre für Sie zusammengefasst.

Worauf beruhen die Bedenken gegen Huawei?
Geheimdienste werfen dem Unternehmen vor, Verbindungen zur Regierung in Peking zu pflegen und vermuten, Ausrüstung oder Handys könnten für Spione eine Hintertür enthalten, um an Staats- oder Firmengeheimnisse zu gelangen. Huawei weist dies zurück. „Bisher gibt es keine handfesten Beweise dafür, dass Huawei unerlaubt Daten aus Mobilfunknetzen abzieht“, sagt Branchen-Experte Torsten Gerpott, Wirtschaftsprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Skeptiker ließ aber ein unlängst in Kraft getretenes Gesetz in der Volksrepublik aufhorchen, wonach jede heimische Firma der Regierung zur Seite stehen muss, sollte dies gewünscht sein. Für Vorbehalte sorgt auch die völlig unbekannte Eignerstruktur bei Huawei. Zudem ist der Konzern im Gegensatz zum heimischen kleineren Konkurrenten ZTE nicht börsennotiert und muss deswegen weniger Einblick in sein Geschäft geben.

Welche Länder wollen auf Huawei verzichten?
In den USA hat Huawei seit langem kaum Bewegungsfreiheit. Das Unternehmen ist unter anderem von Regierungsaufträgen ausgeschlossen, und Mobilfunker wie Verizon und AT&T vertreiben keine Smartphones von Huawei mehr. Australien und Neuseeland wollen auf das 1987 vom ehemaligen Militäroffizier Ren Zhengfei gegründete Unternehmen beim 5G-Aufbau verzichten. Einem Medienbericht zufolge will der japanische Mobilfunker Softbank die von Huawei erworbene 4G-Ausrüstung gegen Produkte von Nokia und Ericsson austauschen. Zuvor hatte bereits die japanische Nachrichtenagentur Kyodo gemeldet, die drei größten japanischen Telekomkonzerne NTT Docomo, KDDI sowie Softbank würden künftig keine Ausrüstung von Huawei sowie des chinesischen Konkurrenten ZTE für bestehende wie auch kommende 5G-Netze einsetzen.

In Europa kündigte der frühere britische Staatsmonopolist BT an, Huawei-Technologie aus bereits existierenden 3G- wie auch 4G-Netzen der übernommenen Tochter EE zu entfernen und bei 5G nahezu komplett auf Huawei zu verzichten. Bei 5G will dies auch der französische Telekomkonzern Orange tun. Polen wie auch Norwegen erwägen, die Chinesen vom Aufbau der 5G-Infrastruktur auszuschließen. In Tschechien wird Huawei wegen Sicherheitsbedenken keine Rolle mehr bei der Entwicklung einer Steuerplattform spielen. Unterdessen erhöht auch die EU-Kommission ihren Druck. Insidern zufolge wird erwogen, eine Untersuchung zum Ausschluss von chinesischen Firmen beim 5G-Aufbau des neuen Mobilfunkstandards 5G einzuleiten. Auch in Deutschland gibt es Bedenken.

Wie sieht es in Österreich aus?
Der auch für Technologie zuständige Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) teilt die Vorbehalte anderer Staaten gegen Huawei nicht so sehr, um den chinesischen Netzwerkausrüster schlichtweg vom Ausbau des Mobilfunkstandards 5G in Österreich auszuschließen. „Wir haben diese Bedenken nicht in diesem Ausmaß“, sagte Hofer diese Woche.

Wer profitiert von Huaweis Problemen?
Die wichtigsten Konkurrenten sind die beiden Konzerne Ericsson und Nokia aus Europa und in Teilen auch Cisco, Intel und Qualcomm aus den USA. „Schließt man Huawei aus, steht man nicht nackt da, sondern hat Alternativen“, sagt Experte Gerpott. Gänzlich anderer Meinung ist ein Analyst aus der Telekomindustrie, der namentlich nicht genannt werden will: „Ich befürchte, dass Ericsson und Nokia im Gegenzug in China bestraft werden und dort die Aufträge verlieren, die sie woanders gewinnen. Meine Einschätzung ist, dass niemand als Sieger vom Feld geht.“

Hinzu kommt, dass Huawei als Konzern gilt, der viel Geld und Mühe in Forschung und Entwicklung gesteckt hat und auch neuen Trends wie Künstlicher Intelligenz, Cloud-Computing und Chipentwicklung von Beginn an Aufmerksamkeit schenkte. Entsprechend viele Patente halten die Chinesen.

Verzögert sich nun der 5G-Netzausbau?
„Ich glaube nicht, dass es beispielsweise in Australien oder den USA durch den Ausschluss von Huawei zu Verzögerungen beim 5G-Aufbau kommt“, sagt der deutsche 5G-Experte Hans Schotten. „Da hatten alle Beteiligten genug Zeit, sich auf die Situation einzustellen.“ Der 5G-Ausbau, der als Basis für die Weiterentwicklung von künftigen Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Industrie 4.0 gilt, steckt ohnehin erst in den Kinderschuhen. In Europa laufen die erste 5G-Projekte langsam an. In den USA kommen hingegen die ersten 5G-fähigen Smartphones im Sommer in den Handel.

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