Mi, 16. Jänner 2019

Hilfe für Obdachlose

23.12.2018 06:00

„Wir geben den Menschen ihr Lächeln zurück“

Und das im doppelten Sinn: Zahnbehandlung sowie unentgeltliche medizinische Betreung für Obdach- und Wohnungslose bietet das neunerhaus in Wien. Auch ihre vierbeinigen Gefährten finden Hilfe in der Not.

Obwohl Günther F. eine Anstellung, einen Freundeskreis und eine Wohnung hatte, ging das alles Stück für Stück den Bach hinunter, als er 2005 seinen Job als Reinigungskraft verlor. Damit war auch die Dienstwohnung weg. Zunächst konnte der Mann bei einem Bekannten unterkommen, aber seine unsichere Situation war zu viel für die Freundschaft.

Unverschuldet ins Abseits geraten
So ähnlich ging es Manuela P. Durch schwere Krankheit und monatelanges Koma ohne Wohnung und Arbeit, kam sie nur kurzzeitig bei einer Freundin unter. Nach Scheidung, Krankheit und Arbeitslosigkeit musste Peter S. lediglich mit einem Rucksack und einer Zahnbürste in ein Notquartier. Sein trauriges Resümee: „Auf der Straße gibt es keine Freunde.“ Außer für Helmut L., denn der lebt mit seiner Hundedame Yessi draußen, die er als Baby bekommen hat. Die beiden haben einen Pakt fürs Leben geschlossen, einander niemals allein zu lassen, in einem Dasein in Armut und Bedürftigkeit. Als sich Yessi vor vier Jahren die Pfote verletzte, fehlte das Geld für den Tierarzt: „Ich musste sie überall hintragen.“

Dass diese Menschen und viele andere nun langsam wieder Fuß fassen können, gesundheitlich versorgt sind - auch Helmut L.s vierbeinige Gefährtin wurde kostenlos und mit Erfolg betreut -, darum kümmern sich die Mitarbeiter im „neunerhaus“ in Wien. Vor Kurzem wurde ein Jubiläum gefeiert: Das erste Jahr neunerhaus Gesundheitszentrum. Hier erhalten obdach- und wohnungslose Patienten sowie nichtversicherte Personen kostenlosen Zugang zu niederschwelliger, interdisziplinärer medizinischer Versorgung. Immer mehr Schwangere und Mütter mit kleinen Kindern sind darunter. Im neunerhaus wurde 2006 die medizinische Arbeit aufgenommen. Seither ist ein Team mobiler Ärzte an mittlerweile 24 Standorten der Wiener Wohnungslosenhilfe vor Ort tätig. Mit der 2009 gegründeten neunerhaus Zahnarztpraxis konnte schon 7630 Menschen wieder ein Lächeln geschenkt werden.

Nun entstand daraus ein Gesundheitszentrum, das nicht nur österreichweit einzigartig ist, sondern auch Allgemeinmedizin, Wundversorgung und sozialarbeiterische Beratung abdeckt. Die Zahnärzte arbeiten ehrenamtlich, es besteht ein Vertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse. Obfrau Mag. Ingrid Reischl: „Es ist uns wichtig, dass alle Wienerinnen und Wiener ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen können. Das neunerhaus Gesundheitszentrum leistet hier mit seinem einfachen Zugang einen wichtigen Beitrag“. Auch Ärztekammer, Fonds Soziales Wien und viele private Spender tragen zum Gelingen bei.

„Dank des Idealismus der im neunerhaus unbezahlt tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzte hat auch dieser sozialschwache Personenkreis im Bedarfsfall Zugang zu kostenloser zahnmedizinischer Hilfe“, freit sich MR DDr. Claudius Ratschew, Präsident der Landeszahnärztekammer für Wien, anlässlich des Jubiläums.

Schmerzen lindern, nicht allein sein
Das wiedergefundene Lächeln der Patienten kommt nicht nur von sanierten Zähnen, gelinderten Schmerzen und Therapien gegen chronische Krankheiten. Es entsteht aus dem Bewusstsein heraus, nicht allein gelassen zu werden und seine Menschenwürde zurückzubekommen. Mobile Ärztin Dr. Herta Bayer kennt viele Schicksale: „Das sind nicht nur Patienten. Das sind Menschen mit Träumen.“

Bitte Spenden Sie!

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  • Erste Bank Österreich
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    www.neunerhaus.at

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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