10.11.2018 17:44 |

Deutschland entsetzt

Ausgestelltes Flüchtlingsboot in Brand gesteckt

Ein als Denkmal ausgestelltes Flüchtlingsboot ist in Deutschland in der Nacht auf Samstag von Unbekannten in Brand gesteckt und großflächig zerstört worden. Das 15 Meter lange Boot war im Vorjahr im Rahmen der Weltausstellung Reformation in Wittenberg im Bundesland Sachsen-Anhalt als eine Art Kunstobjekt präsentiert worden, wie Polizei und Stadt mitteilten. Laut Polizei werde derzeit in alle Richtungen ermittelt. Eine politisch motivierte Tat könne nicht ausgeschlossen werden. Die Tat ereignete sich just am 80. Gedenktag der Reichspogromnacht.

244 Männer, Frauen und Kinder waren mit dem Boot im Juni 2013 von Nordafrika aus übers Mittelmeer nach Europa geflüchtet. Ihr Weg habe von Libyen nach Sizilien geführt, hieß es.

Bürgermeister: „Ein Tiefpunkt für Wittenberg“
Eine politisch motivierte Tat wäre für Oberbürgermeister Torsten Zugehör „ein Tiefpunkt für Wittenberg“. Auch die Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, äußerte sich entsetzt. „Ich bin bestürzt über diese gezielt eingesetzte Gewalt gegen ein Mahnmal für Mitmenschlichkeit, gegen ein Erinnerungsmal für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe - genau an dem Tag, der mahnend erinnert an vor 80 Jahren gezielt gesetzte und organisierte Gewalt gegen Mitmenschen, gegen ihr Hab und Gut und ihre Gotteshäuser“, sagte sie. Junkermann rief dazu auf, sich klar von solchen Gewaltakten zu distanzieren und sie nicht zu verharmlosen.

Nach Angaben der Stadt wurde die Steuerkabine des Bootes vollständig zerstört und der Rumpf stark beschädigt. Vier Feuerwehrleute und ein Löschfahrzeug seien im Einsatz gewesen. Das Flüchtlingsboot war als „Denkmal der Menschlichkeit, Konsequenz und Rechtsstaatlichkeit“ aufgestellt worden.

 krone.at
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