Großer Aufholbedarf

Frauen gehen 416 Tage in Karenz, Männer nur neun

Steiermark
13.06.2026 07:00

Am Sonntag ist Vatertag. Was die Beteiligung an einer Baby-Karenz betrifft, sind Mamas den Papas noch immer weit voraus: Sie nehmen viel längere Auszeiten vom Arbeitsleben. Warum der Papamonat immer attraktiver wird und zu welcher Jahreszeit besonders viele Väter in Karenz gehen. 

Fast allen Männern ist es wichtig, sich Zeit für ihr Kind zu nehmen – aber nur wenige gehen überhaupt in Karenz und wenn, dann nur kurz. Die Arbeiterkammer erhebt seit 2006 das sogenannte Wiedereinstiegsmonitoring. Die meisten Frauen kehren zwischen dem 18. und 24. Monat der Karenz zurück an den Arbeitsplatz. Männer, die in Karenz gehen, kommen meistens bereits im dritten Monat zurück. Laut einer Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gehen Männer nach der Geburt des ersten Kindes im Schnitt neun Tage lang in Karenz, Frauen 416. 

Einen Hauptgrund dafür sieht Bernadette Pöcheim, Leiterin der Abteilung Soziales der Arbeiterkammer Steiermark, im Finanziellen. „Männer verdienen oft mehr als Frauen. Aber am Papamonat, für das man 1700 Euro bekommt, gibt es viel Interesse.“ Generell kann gesagt werden: Verdient eine Frau mehr oder gleich viel wie ihr Partner, ist das Bildungsniveau hoch und lebt das Paar in der Stadt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Karenz partnerschaftlich geteilt wird. 

„Rückmeldungen sind positiv“
2017 war bislang das Jahr mit der höchsten Väter-Beteiligung an der Karenz. Damals waren 20,4 Prozent der Kinderbetreuungsgeld-Bezieher Männer. 2023 lag der Anteil bei 18,8 Prozent, Tendenz leicht steigend. 58 Prozent beziehen das Geld weniger als drei Monate lang – und besonders gerne in den Sommermonaten, sagt Pöcheim. „Die Rückmeldungen jener Papas, die in Karenz waren, sind sehr positiv. Sie sagen, sie hätten sich das niemals so anstrengend vorgestellt, und bewerten die Zeit als wichtig für die Bindung zum Kind.“

Sowohl die Arbeiterkammer als auch der Dachverband Männer-, Burschen- und Väterarbeit fordern einen höheren Mindestanteil des Kinderbetreuungsgeldes für Väter. Aktuell kann man es zwei Jahre lang beziehen. Dafür muss jeder Partner mindestens zwei Monate in Karenz sein, sonst stehen nur 22 Monate zu. Neben besseren Kinderbetreuungsangeboten sollen auch die Betriebe bessere Arbeitsbedingungen für Eltern bieten, heißt es. 

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