„Navigation Warfare“

Experten warnen vor gefälschten Navi-Signalen

Digital
26.08.2018 11:54
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit Satellitensignalen lässt sich überall auf der Erde bequem die Position bestimmen. Weniger bekannt ist, dass GPS-Daten oder solche anderer Satellitensysteme anfällig für Störungen oder gezielte Manipulationen sind. Dieses Bedrohungsszenario haben Forscher des Bundesheers verstärkt auf dem Schirm und versuchten bei den Alpbacher Technologiegesprächen Bewusstsein für das Thema zu schaffen.

Es handle sich hier um ein „höchst interessantes Gebiet“, das in den vergangenen zehn Jahren „stark an Virulenz gewonnen hat“, sagte Brigadier Friedrich Teichmann. Einst eher ein Feld für „Technikexoten“, hat das Thema durch die mittlerweile omnipräsente Nutzung solcher Dienste, vor allem über das Smartphone, nahezu die ganze Gesellschaft erfasst, so der Leiter des Instituts für Militärisches Geowesen (IMG). Der großflächige Einsatz führe natürlich auch in Abhängigkeiten.

Neben dem bekanntesten System - dem US-amerikanischen „Geo Positioning System - GPS“ - wird aktuell etwa auch das europäische „Galileo“-System aufgebaut. Das Smartphone verschneidet diese Daten aber auch mit Positionsdaten aus dem Handynetz. In technisch ausgereifteren Systemen, wie in Flugzeugen, erfolgt die Bestimmung anhand von Signalen aus bis zu fünf verschiedenen Quellen, so Teichmann: „Die richtige Bezeichnung für das Thema ist daher ‘Position‘, ‘Navigation‘, ‘Timing‘ - kurz PNT.“ Denn neben der reinen Position, geht es um die Darstellung und Prognose von Bewegung über die Zeit hinweg.

Wichtig für Drohnen und automatisierten Verkehr
 
Neben der Logistikbranche wird das Thema etwa im Zuge des zunehmenden Drohnen-Einsatzes oder im Bereich der Robotik und des automatisierten Verkehrs immer wichtiger. Im militärischen Bereich sind Koordinaten zentrale Grundlagen für Entscheidungen aller Art, von Gefechtsszenarien bis zum Katastropheneinsatz. „Aufgrund der Lageinformation steuere ich den Einsatz. Ist die falsch, kann der Einsatz im schlimmsten Fall völlig danebengehen“, so Teichmann.

Zu Störungen kann es etwa durch „Interferenz“ kommen, wenn also das Satellitensignal durch andere elektromagnetische Strahlung derart überladen wird, dass es nicht mehr aufgefangen werden kann. Beim „Jamming“ ist bereits ein Aggressor im Spiel, der das Navigationssignal aktiv stört. Solche GPS-Störer sind zwar verboten, über das Internet jedoch zu niedrigen Preisen erhältlich, so der Experte. Deren Wirkungsbereich kann nur wenige bis Hunderte Meter weit reichen. Ist das Signal einfach weg, wird das in der Regel bemerkt und es kann reagiert werden, in dem man sich neu orientiert.

Am gefährlichsten sind „Spoofing“-Angriffe: Hier werden gezielt falsche Positionsdaten vorgegaukelt, was zu Fehlleitungen führt. „Man kann also ein Handy mit einfachen Störsignalen von Alpbach nach Rom ‘teleportieren‘“, sagte Teichmann. Ein solch harter Bruch, falle meist auch auf - zumindest wenn menschliche Intelligenz involviert ist. Im „Machine-to-machine“-Bereich muss das aber nicht unbedingt der Fall sein. Noch perfider sind Angriffe, bei denen Positionen immer nur ein kleines Stück weit versetzt werden.

Grundlagenforschung bei „Navigation Warfare“
 Seitens des Bundesheeres sei man angesichts dieser Ansätze von „Navigation Warfare“ momentan „auf einem sehr guten Weg, die Grundlagen zu erforschen“. Zu allererst gehe es laut dem IMG-Leiter darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, auch PNT-Daten nicht blind zu vertrauen. „Wir müssen diese Daten mit mehr Vorsicht genießen, weil es diese Bedrohung nicht so gegeben hat“, sagte Teichmann: „Die Abhängigkeit sind mittlerweile so groß, dass es gefährlich wäre, diese zu negieren.“

Im Verbund mit dem Innen- und Infrastrukturministerium, mit Forschungsinstituten und der heimischen Industrie gehe man nun daran, verschiedene Bedrohungsszenarien durchzuspielen, um in weiterer Folge Gegenmaßnahmen zu entwickeln und zu erproben. Es gelte vor allem zu klären, welche Strategien in welchen Bereichen und Situationen am besten geeignet sind. „Es gibt hier keine eierlegende Wollmilchsau“, es brauche daher verschiedene Gegenmaßnahmenpakete, so Teichmann.

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