Nicht auffindbar

FH St. Pölten findet perfektes Versteck für Computerdaten

Digital
01.12.2009 09:57
Forscher des Instituts für IT-Sicherheitsforschung der Fachhochschule St. Pölten haben erstmals in Europa eine praktikable Lösung für Windows entwickelt, die es ermöglicht, Informationen verborgen zu speichern. Mit Hilfe der sogenannten Steganografie sollen Daten perfekter denn je versteckt werden können, ohne den geringsten Hinweis auf ihre Existenz zu liefern, so das Institut am Montag.
Um Daten erfolgreich auf einem PC vor anderen Benutzern geheim zu halten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Gängige Methoden sind dabei Zugangsbeschränkungen oder Verschlüsselungen. Der Nachteil dieser Wege: Sie laden Hacker und Co zum Missbrauch geradezu ein. Denn hat man erst einmal bemerkt, dass etwas geschützt ist, entsteht auch der Anreiz, diesen Schutz zu knacken.

Die Steganografie – die Wissenschaft der verborgenen Speicherung oder Übermittlung von Informationen – bietet die Möglichkeit, diese Anreize zu vermeiden, indem sie die Existenz bestimmter Daten erst gar nicht anzeigt. Ein anderer Benutzer bemerkt gar nicht, dass etwas geschützt worden ist; die Daten sind für ihn quasi nicht vorhanden.

Von der Festplatte verschluckt
"Mit steganografischen Methoden wird ein gesamtes Dateisystem inklusive Dateien auf der Festplatte oder einem Memory Stick praktisch unsichtbar in vorhandenen Bild- oder Musikdateien gespeichert", erklärt Institutsleiter Ernst Piller. Dieses Dateisystem erscheine am Computer zunächst wie ein virtuelles Speichermedium und könne wie ein solches bedient werden. Sobald man dieses Laufwerk jedoch schließe, verschwinde es und könne nicht mehr gefunden werden, so Piller.

Selbst für einen IT Forensiker bleibt es dem Institutsleiter zufolge unauffindbar. Es erscheint erst wieder aus dem Nichts, wenn man die Software startet – "und dies kann man nur, wenn man weiß, dass diese irgendwo sehr gut versteckt vorhanden ist und weiß, wo und wie man diese findet."

Besserer Schutz vor unerlaubtem Zugriff
Mit Hilfe des von der FH St. Pölten entwickelte Tools könnten sensible Personendaten nun wesentlich besser als bisher vor unerlaubten Zugriffen geschützt werden. Ebenfalls ermögliche die Windows-Lösung einen hochwertigen Schutz sensibler Daten in Ländern, in denen es Einschränkungen oder Verbote in der Datenverschlüsselung (Kryptografie) gibt.

Dies sei vor allem für Unternehmen interessant, die in derartigen Ländern wirtschaftlich aktiv sind. Aber auch für die private Sicherheit in einer immer vernetzteren Welt soll das steganografische Tool Chancen bieten, indem es wichtige Daten auf dem eigenen PC vor Hacker-Zugriff schützt.

"Grenzbereich zwischen Gut und Böse"
Da es sich bei der Steganografie jedoch um einen "Grenzbereich zwischen Gut und Böse" handelt, der leicht missbraucht werden könnte, wie Piller gegenüber krone.at erklärt, verfolgen die Forscher nicht nur das Ziel, Steganografie für legale Anwendungen nutzbar zu machen, sondern vor allem auch kriminelle steganografische Angriffe abwehren zu können.

"Nur wenn man das Know-how und den technischen Vorsprung für steganografische Lösungen wie im Fall der Windows-Applikation selbst besitzt, kann man auch die potentielle Abwehr krimineller Aktivitäten optimal erforschen und durchführen." So habe das Forschungsprojekt neben der Windows-Applikation auch bereits konkrete Abwehrsysteme gegen Angriffe mittels steganografischer Methoden hervorgebracht, die etwa im Bereich der Telekommunikation zum Einsatz kommen.

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