Di, 21. August 2018

Alle Gewinner

05.03.2018 08:52

Oscars für McDormand und Oldman, Eklat um Lawrence

Am Ende wurde es dann doch der prognostizierte Erfolg für Guillermo del Toros "Shape of Water": Auch wenn die Fantasyromanze nur vier ihrer 13 Nominierungen bei den 90. Oscars in Preise ummünzen konnte, fanden sich darunter doch die Königskategorien „Bester Film“ und „Regie“. Ansonsten verteilte sich der Preisregen recht gleichmäßig: Den Oscar als bester Hauptdarsteller nahm Gary Oldman mit nach Hause. Frances McDormand ist beste Hauptdarstellerin, ihr Co-Star Sam Rockwell bester Nebendarsteller, Allison Janney wurde als beste Nebendarstellerin geehrt. Alle Gewinner auf einen Blick finden Sie hier!

Moderiert wurde  die Gala von Jimmy Kimmel. Für Aufregung sorgte Jennifer Lawrence, die allerlei Faxen machte - mit Weinglas in der Hand, was zur Annahme führte, dass sie möglicherweise etwas zu tief ins Glas geschaut haben könnte.

Die Übergabe des Oscars an die beste Hauptdarstellerin klappte dann aber ohne Zwischenfälle.

Frances McDormand beste Hauptdarstellerin
Frances McDormand hat ihren zweiten Oscar geholt. Für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ gewann die 60-Jährige die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin. In dem Film von Martin McDonagh spielt sie eine desillusionierte, zu allem bereite Mutter einer ermordeten Tochter, die einen persönlichen Rachefeldzug gegen die aus ihrer Sicht untätige Polizei startet.

Sie setzte sich wie letztlich prognostiziert gegen Sally Hawkins, Margot Robbie, Saoirse Ronan und Meryl Streep durch und lieferte eine kämpferische Rede, bei der sie zum weiteren Kampf um Gleichberechtigung aufrief.

Gary Oldman gewinnt Hauptdarsteller-Kategorie
Der Engländer Gary Oldman setzte sich bei der 90. Oscar-Verleihung in der Hauptdarstellerkategorie durch. Für "Die dunkelste Stunde" hatte der 59-Jährige sich in den britischen Premierminister Winston Churchill verwandelt. In Joe Wrights Historiendrama überzeugte er mit einer wortgewandten und eindringlichen Performance, die schon bei den Golden Globes ausgezeichnet wurde.

Oldman setzte sich gegen Timothee Chalamet, Daniel Day-Lewis, Daniel Kaluuya und Denzel Washington durch, entbot Winston Churchill in seiner Dankesrede seinen Gruß und bedankte sich nebenbei unter anderem bei seiner 98-jährigen Mutter. Er habe die längste Zeit seines Lebens in den USA verbracht und sei dem Land dankbar, was es ihm alles gegeben habe: „Mein Zuhause, mein Leben, meine Familie und nun einen Oscar.“

Del Toro holt für „Shape of Water“ Regietrophäe und bester Film
Mit „Shape of Water“ hat Guillermo del Toro eine bildgewaltige Fabel gegen die Angst vor dem Unbekannten auf die Kinoleinwand gebracht - jetzt ist der 53-jährige Mexikaner für die märchenhafte Liebesgeschichte zwischen einer stummen Putzfrau und einem Wassermann mit dem Oscar für die beste Regie ausgezeichnet worden. Das Werk triumphierte auch in der Königskategorie „Bester Film“. „‘Shape of Water‘ ist ein Märchen für unruhige Zeiten“, sagt der Preisträger und er sei „wirklich, wirklich stolz“. Übergeben wurde der Preis für den besten Film übrigens von Faye Dunaway und Warren Beatty, die im Vorjahr für Chaos gesorgt hatten, als sie den falschen Gewinnerfilm verkündet hatten. 

Del Toro ist damit auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen und setzt als dritter Oscarpreisträger den jüngsten Siegeszug der mexikanischen Filmemacher in Hollywood fort. Seine Herkunft hat den Regisseur entscheidend geprägt. „Ich bin Mexikaner“, lautete seine lapidare Antwort, als ihn eine Journalistin kürzlich fragte, wie er die dunkle Seite des Menschseins so trefflich mit der Lebensfreude verbinde.

Nebendarsteller-Preise an Rockwell und Janney
Der Schauspieler Sam Rockwell hat für seine Mitwirkung im Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" den ersten Oscar der Preisverleihung erhalten. Für seine Rolle als rassistischer Kleinstadtpolizist gewann der US-Amerikaner den Preis als bester Nebendarsteller. Er würdigte seine Mitnominierten Willem Dafoe, Woody Harrelson, Richard Jenkins und Christopher Plummer: "You guys rock!"

Seinen Eltern dankte der Schauspieler dafür, ihn zum Schulschwänzen animiert zu haben, um stattdessen ins Kino zu gehen.

Bei den Nebendarstellerinnen war Allison Janney siegreich. In dem auf der Lebensgeschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding basierenden Film „I, Tonya“ spielt sie eine typische Eislaufmutter, die ihre Tochter nach vorne peitscht. Janney bedankte sich nicht zuletzt bei ihren ebenfalls nominierten Kolleginnen: „Ihr repräsentiert alles, was richtig, gut und menschlich ist an unserem Beruf.“ Sie setzte sich gegen Mary J. Blige, Lesly Manville, Laurie Metcalf und Octavia Spencer durch.

Ältester bisher Ausgezeichneter
Der Doping-Dokumentarfilm „Ikarus“ ist als bester seines Genres ausgezeichnet worden. Die 89-jährige Veteranin Agnes Varda, die den Rekord als ältester je nominierter Mensch für ihren Film „Faces Places“ aufgestellt hatte, ging damit leer aus. 

James Ivory hingegen, lediglich eine Woche jünger als Varda, gewann den Oscar für sein adaptiertes Drehbuch zu „Call Me by Your Name“. Mit seinem Sieg ist Ivory der älteste bisher von der Academy geehrte Mensch. Die 93-jährige Eva Marie Saint als Präsentatorin der Kostüm-Kategorie stellte amüsiert fest, dass sie älter als die Oscar-Academy sei.

Erste Auszeichnung für Schwarzen beim Originaldrehbuch
Als erster Schwarzer hat der US-Amerikaner Jordan Peele den Oscar für das beste Originaldrehbuch gewonnen. Der 39-Jährige wurde für seine Arbeit an der Horrorkomödie "Get Out" ausgezeichnet. Das Werk, bei dem Peele auch Regie führte, erzählt von einem jungen schwarzen Mann, der bei der rassistischen Familie seiner weißen Freundin plötzlich in Lebensgefahr gerät.

Basketballlegende Kobe Bryant ist ebenfalls Oscar-Gewinner. Bryant wurde mit dem Preis für den besten animierten Kurzfilm ausgezeichnet. Bryants „Dear Basketball“ ist eine Hommage an den Sport, durch den der 39-Jährige zu einer amerikanischen Ikone wurde. Bryant dankte der US-Filmakademie für die „unglaubliche Ehre“.

Transgenderdrama bester ausländischer Film
Das chilenische Transgenderdrama "A Fantastic Woman" ist bei den 90. Oscars zum besten ausländischen Film gekürt worden. Das Werk von Regisseur Sebastian Lelio setzte sich gegen den schwedischen Kofavoriten "The Square" von Ruben Östlund durch. Lelio zeichnet das Porträt einer Transgenderfrau, die durch den Tod ihres Geliebten zunehmend ins Abseits gedrängt wird. 

„Coco“, das farbenfrohe Abenteuer der Pixar-Studios, holte sich die Krone bei den Animationsfilmen. In dem musikalischen Werk geht es um die Geschichte des mexikanischen Buben Miguel, der sich am Tag der Toten ins Land der Toten aufmacht. „An den Rand gedrängte Menschen verdienen es zu fühlen, dass sie dazugehören“, so Lee Unkrich, einer der Regisseure des Werks.

Unterstützung der #MeToo-Bewegung
Am roten Teppich zeigten sich nur einige wenige der Stars in Schwarz gewandet, um ihre Unterstützung der #MeToo- und der “Time's up“-Bewegung gegen die Benachteiligung von Frauen im Filmbusiness zu signalisieren. Viele trugen lieber Anstecker oder sprachen über die Thematik.

US-Schauspielerin Jane Fonda trug einen Anstecker von „Time‘s Up“. Und Kollegin Salma Hayek, die zuvor als eine von vielen Produzent Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung bezichtigt hatte, meinte am Teppich: „Wir feiern hier auch den Umstand, dass Frauen insgesamt nicht mehr so hart kämpfen werden müssen. Ich weiß, dass künftige Generationen es leichter haben werden.“ Schauspielerin Mira Sorvina unterstrich am Roten Teppich, dass die Bewegung die Situation für Frauen am Arbeitsplatz allgemein ändern wolle, nicht nur im Filmgeschäft. Sorvino gehört zu den rund 300 Frauen der US-Filmbranche, die die "Time's Up"-Bewegung lanciert haben.

“Der Oscar hat keinen Penis“
Moderator Jimmy Kimmel witzelte bei seiner Eröffnungsrede, es sei schnell erklärt, weshalb die Goldstatuette des Oscars heute der respektierteste Mann in Hollywood sei: "Er hat seine Hände, wo man sie sieht, er sagt nichts Anrüchiges - und hat keinen Penis. Wir brauchen mehr von seiner Sorte." Grundsätzlich sei man aber mit der #MeToo- und der Time's-Up-Debatte an einem historischen Moment: "Wir müssen ein Exempel statuieren." Und das gelte nicht nur für die Filmindustrie: "Wenn wir die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz stoppen, müssen sich Frauen nur noch an jedem anderen Ort, wo sie hingegen, damit auseinandersetzen."

Die Nominierten sowie die Gewinner in den Hauptkategorien lesen Sie hier unten, alle Gewinner auf einen Blick finden Sie hier!

BESTER FILM
"Call Me by Your Name"
"Die dunkelste Stunde"
"Dunkirk"
"Get Out"
"Lady Bird"
"Der seidene Faden"
"Die Verlegerin"
"The Shape of Water"
"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

BESTE REGIE
Christopher Nolan – „Dunkirk“
Jordan Peele – „Get Out“
Greta Gerwig – „Lady Bird“
Paul Thomas Anderson – „Der seidene Faden“
Guillermo del Toro – „Shape of Water“

BESTER HAUPTDARSTELLER
Timothée Chalamet – „Call Me by Your Name“
Daniel Day-Lewis – „Der seidene Faden“
Daniel Kaluuya – „Get Out“
Gary Oldman – „Die dunkelste Stunde“
Denzel Washington – „Roman J. Israel, Esq.“

BESTE HAUPTDARSTELLERIN
Sally Hawkins – "Shape of Water"
Frances McDormand – "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"
Margot Robbie – "I, Tonya"
Saoirse Ronan – "Lady Bird"
Meryl Streep – "Die Verlegerin"

BESTER NEBENDARSTELLER
Willem Dafoe – "The Florida Project"
Woody Harrelson – "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"
Richard Jenkins – "Shape of Water"
Christopher Plummer – "Alles Geld der Welt"
Sam Rockwell – "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

BESTE NEBENDARSTELLERIN
Mary J. Blige – "Mudbound"
Allison Janney – "I, Tonya"
Lesley Manville – "Der seidene Faden"
Laurie Metcalf – "Lady Bird"
Octavia Spencer – "Shape of Water"

Pamela Fidler-Stolz
Pamela Fidler-Stolz

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