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Gen-Durchbruch?

23.11.2009, 14:21
Uni will Körperteile aus Fruchtwasser züchten
Uni will Körperteile aus Fruchtwasser züchten
Fruchtwasser-Stammzellen könnten laut jüngsten Forschungen der Medizin-Uni Wien (MUW) ein ähnlich hohes Entwicklungspotenzial haben wie embryonale Stammzellen. Bisher konnten embryonale Körperchen ausschließlich aus embryonalen Stammzellen hergestellt werden. Nun würde theoretisch eine einzige Stammzelle aus dem Fruchtwasser genügen, um daraus Gewebe zu produzieren.

Maßgeblich an den Forschungen beteiligt war Markus Hengstschläger, Leiter der Abteilung für Medizinische Genetik der MUW. Gemeinsam mit amerikanischen Kollegen meldet er nun in der Wissenschaftszeitschrift "Oncogene" die Bildung sogenannter "Embryoid Bodies" aus Fruchtwasserstammzellen.

Klumpen im Fruchtwasser ähneln Stammzellen
"Embryoid Bodies" oder "embryonale Körperchen" sind rundliche, in einer Nährlösung frei treibende Zellklumpen. Sie ähneln Embryonen insofern, als in den Aggregaten unterschiedlich differenzierte Zellen aller drei Keimblätter - Ektoderm, Mesoderm, Entoderm - zu finden sind. Aus den "Embryoid Bodies" wurden bereits verschiedene Zelltypen gewonnen, etwa Nervenzellen. Zu echten Embryonen oder gar erwachsenen Lebewesen können die Klumpen allerdings nicht heranwachsen, denn ihnen fehlt die Möglichkeit, einen Mutterkuchen auszubilden.

Bisher konnten embryonale Körperchen ausschließlich aus embryonalen Stammzellen hergestellt werden. Da für deren Gewinnung allerdings Embryonen geopfert werden müssen, sind Forschungen an menschlichen Stammzellen ethisch umstritten. Fruchtwasser-Stammzellen wären dagegen ethisch unbedenklich. Wie auch Nabelschnurblut könnten diese Zellen bei der Geburt gesammelt und aufbewahrt werden.

"Höher begabt" als adulte Stammzellen
Im Vergleich zu den Stammzellen haben sie noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie neigen nicht zur Bildung von Tumoren. Das sei in Versuchen festgestellt worden, die Ursachen dafür seien allerdings noch offen, berichtete Hengstschläger. Die Umwandlung in "Embryoid Bodies" zeigen, dass diese Zellen pluripotent sind. Sie können eindeutig mehr als adulte Stammzellen, die Organen von Erwachsenen entnommen werden.

Neben möglichen Therapien könnten die Fruchtwasserstammzellen auch die Grundlagenforschung revolutionieren. So würde im Falle etwa von genetischen Defekten theoretisch eine einzige Stammzelle aus dem Fruchtwasser genügen, um daraus Gewebe herzustellen. So könnte im Detail erforscht werden, wie sich der jeweilige Defekt im Detail und auch bei der Differenzierung von Zellen auswirkt.

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