08.01.2008 15:00 |

80 Tonnen am Müll

Skandal in Bayern: Buchschätze einfach entsorgt!

Mit einem Gerücht fing es an, fünf alte Bücher machten daraus einen Verdacht, doch erst eine interne Untersuchung deckte den Skandal auf: Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt in Bayern tonnenweise teils wertvolle Bücher wegwarf. Insgesamt rund 80 Tonnen Bücher soll man als Altpapier entsorgt haben. Bis heute sind die Umstände der Büchervernichtung - und vor allem die Beweggründe der Verantwortlichen - bei weitem nicht restlos geklärt. Jetzt erhob die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Anklage wegen Untreue in fünf Fällen gegen die Bibliotheksdirektorin.

Bei der Anklage geht es aber nur um die Beseitigung von 14 wahrscheinlich sehr wertvollen Büchern. Was die massenhafte Vernichtung von Beständen der Uni-Bibliothek betrifft, ergaben sich keine strafrechtlich relevanten Vorwürfe gegen die Beschuldigte. Auch gegen andere Mitarbeiter habe sich kein Tatverdacht ergeben, hieß es.

Die Gerüchte hatten sich Anfang 2007 gehäuft. Unersetzliche Einzelstücke aus dem Bestand der Eichstätter Universitätsbibliothek seien in deutschen Antiquariaten aufgetaucht und tausende Bücher auf den Müll geworfen worden, hieß es. Kritiker sprachen von "Vernichtung von Kulturgut" und einer "zweiten Säkularisation". Uni-Kanzler (Direktor, Anmk.) Gottfried Freiherr von der Heydte sah jedoch lange Zeit keinen Handlungsbedarf. Erst als einer Zeitung fünf historisch wertvolle Bände zugespielt wurden, die in einem Altpapiercontainer gelandet sein sollen, ging er den Vorwürfen nach.

80 Tonnen in 17 Altpapier-Containern entsorgt
Das Ergebnis seiner vorläufigen Untersuchung: Zwischen Juni 2005 und Oktober 2006 wurden insgesamt 80 Tonnen Bücher in 17 Altpapier-Containern entsorgt. Laut Auskunft der bayerischen Kapuziner-Ordensleitung sollen davon mehr als zwei Drittel aus ehemaligen Beständen des Ordens stammen.

Die bayerischen Kapuziner hatten der Eichstätter Universitätsbibliothek 1999 rund 350.000 Bücher überlassen. Etwa ein Zehntel davon sollen Bände sein, die vor der Säkularisation im Jahr 1803 erschienen und dem Freistaat Bayern gehören.

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