14.03.2007 14:38 |

Leistungsschau

Die Trends auf der CeBIT 2007

Nicht „neu“ oder „innovativ“ sind die Schlagwörter, die einem heuer auf der weltgrößten Technikmesse, der CeBIT in Hannover, begegnen: Mehr, größer, schneller, ausdauernder – das ist dieses Jahr der Stoff, aus dem die Technik-Träume sind. Aus Dual-Core wird „Quad-Core“, aus HD ready „Full HD“, aus Megabit Gigabit und wer glaubt, dass der größte Fernseher der Welt heuer schon auf der CES in Las Vegas präsentiert wurde, wird in Hannover voraussichtlich eines Besseren belehrt.

Fernsehen, PC-Hardware und Online – das sind heuer die wichtigsten Sektoren auf der CeBIT. Das Handy hatte letztes Jahr seinen mehr oder weniger großen Auftritt und auch die neuen Fernseh-Standards von DVB-T bis HSDPA sind unterm Jahr zur Genüge durchgekaut worden und mittlerweile jedem geläufig. Die Hersteller stürmen heuer mit leistungsstarker Hardware und ungewöhnlichen Crossover-Produkten die Messehallen in Hannover.

Auf dem PC-Sektor dreht sich neben den neuen Vista-Notebooks, die Hardware-Integration von Sideshow bis zur Media-Center-Fernbedienung bieten, alles um die neuen PC-Prozessoren. Intel stellt den Nachfolger bzw. großen Bruder seiner eben erst eingeführten „Core 2 Duo“-Prozessoren vor und auch von AMD erwartet man eine Antwort. Die „Core 2 Quad“s haben vier (!) Prozessorkerne und sind auf 3,0 Gigahertz getaktet, dementsprechend üppig sehen auch die Gamer-PCs und High-End-Workstations aus, die Hersteller von Asus bis Sony präsentieren werden. Über Grafikkarten unter 512 Megabyte Speicher und einem RAM-Minimum von 2048 Megabyte wird auf der CeBIT niemand mehr diskutieren.

Der Kontinuität halber werden viele Hersteller auch ihre verbesserten oder neu kreierten Ultra Mobile PCs vorstellen. Ob man auf der Messe dieses Jahr tatsächlich konkrete Veröffentlichungstermine für die kleinen Halb-PCs, die in den Augen vieler Kunden weder Fisch noch Fleisch sind, erfahren wird, ist fraglich. Das Interesse ist groß, die Nachfrage jedoch gering. Bei den Notebooks wird den größten Wurf wohl Intel landen, die auf der CeBIT ihre neue Flash-Speicher-Architektur für künftige Notebook-Generationen präsentieren wollen. Genaueres wurde bisher aber noch nicht bekannt.

Auch mit Wohnzimmer-PCs, die diesmal optisch wie auch technisch zum Flat-TV passen werden, und Home-Servern in Gestalt netzwerkfähiger Festplatten mit 500 Gigabyte Speicher und mehr werden die Hersteller auf der CeBIT antanzen. Überhaupt wird dem unkomplizierten Heimnetzwerk heuer wieder mehr Bedeutung zugemessen. Besonders spannend wird Devolos Präsentation: Die deutschen Netzwerker wollen eine presiwerte Lösung vorstellen, mit der Daten, aber auch TV- und Videosignale über das Haus-Stromnetz übertragen werden können.

Die Konkurrenz tritt mit WLAN-fähigen Radios und videostreamenden WLAN-Modulen an. Das durchgehende Prinzip: Film/Musik am PC einlegen bzw. über Internet oder IPTV laden, drahtlos übertragen und am Wohnzimmer ansehen oder anhören. Dazu wird auch der neue Wireless-Standard 802.11n präsentiert werden. Hier hoffen die Hersteller von den Problemen bei der Zulassung des Standards (die Funksignale sollen störend auf bestehende Funkfrequenzen wirken) mit eindrucksvollen Präsentationen abzulenken bzw. die Beseitigung dieser durch effektive Überzeugungsdarbietungen zu beschleunigen.

Das große Spiel mit den Zahlen wird sich am TV- und Beamer-Sektor zutragen. War letztes Jahr noch von „HD ready“ die Rede, so stinkt heuer jeder Hersteller ab, dessen Geräte nicht „Full HD“, also volle 1920 mal 1080 Pixel Auflösung bieten. Geboten werden auf der CeBIT auch die ersten Hybrid-Lösungen: Fernseher mit eingebauten Festplattenrecorder, DVB-T-Tunern oder sogar Digital-TV-Tunern werden gezeigt. Marken-Premiere werden auch einige asiatische Billiganbieter feiern. Full-HD-Fernseher mit einem UVP-Preis unter 1.500,- Euro sorgen dann für feuchte Augen bei der Kundschaft.

Full HD wird auch als Standard bei PC-Monitoren vorsichtig angedacht. Hier kämpfen die Hersteller allerdings mit der Preis und technischen Hindernissen: Eine Auflösung von 1920 mal 1080 Pixel auf einem preisgünstig herzustellenden 19-Zoll-Bildschirm würde klingelnde Kassen bei den Augenärzten und Optikern zur Folge haben – die großen Flachmonitore (26 Zoll und mehr), auf denen Full-HD-Auflösung erst richtig zu genießen wäre, können aber vom Preis/Leistungs-Verhältnis nicht überzeugen. Für knapp 1.500 Euro (siehe oben) bekommt man ja auch schon einen Flat-TV…

Im Formatkrieg zwischen Blu-ray-Disc und HD-DVD werden beide Fronten betreten neben ihren farbenfrohen Werbewimpeln stehen. Hoffentlich! Beide Fraktionen können kaum mit Hardware und noch weniger mit Software (Videoschnitt, etc...) aufwarten. Bis auf ein paar externe und interne Laufwerke fü PCs und völlig überteuerte Player fürs Wohnzimmer wird’s nichts Neues geben. Die Filmstudios werden kaum vertreten sein – insofern wird man sich auch nicht wirklich von den verbesserten Inhalten, die Veröffentlichungen auf Blu-ray-Disc bzw. HD-DVDs bieten, überzeugen können.

Gespannt darf man sein, wie die neue 7.1-Surround-Technologie, die vor allem die Blu-ray-Player bieten, bei der Kundschaft ankommt. Letztes Jahr fanden jene Sound-Systeme, die mit zwei Lautsprechern und Subwoofer authentischen Raumklang erzeugen konnten, großen Zuspruch – bei den acht (!) Boxen, die die 7.1-Surround-Systeme naturgemäß voraussetzen, wird der Stellplatz im Wohnzimmer allerdings schon eng - von der Verkabelung einmal ganz abgesehen. Fragt sich auch, welcher Audio-Hersteller solche Systeme anbieten wird.

Bei den Handys würde man gerne Apples iPhone bestaunen, Steve Jobs und seine Mannen scheuen aber die CeBIT, wie der Teufel das Weihwasser. Als schwacher Trost wird das PRADA-Telefon zu bestaunen (aber wohl kaum zu berühren) sein. Generell erwarten sich die Beobachter bis auf ein paar Handy-TV-Exoten, vor allem Designerstücke, die auf den von der Mobilfunkbranche neu entdeckten Touchscreen-Trend setzen. Die meisten Handy-Hersteller haben ihr Schießpulver ohnehin erst vor einem Monat auf der 3GSM in Barcelona verschossen. Die CeBIT ist für die Mobilbranche vor allem der Platz, auf dem gerne Übertragungstechnologien und Forschungsprojekte, die noch in den Kinderschuhen stecken, vorgestellt werden.

Im Software-Bereich dürften dafür ein paar kleine „Bomben“ explodieren – aber hauptsächlich im Internet. Adobe wird aller Voraussicht nach seine Online-Version der Bildbearbeitungssoftware Photoshop vorstellen. Von Microsoft erwartet man Neuerungen zum Online-Office. In beiden Fällen geht es um Software, die nicht mehr auf dem PC installiert, sondern im Internet abgerufen wird. Möglich machen das die immer schneller werdenden Datenleitungen. Und auch auf diesem Sektor folgen die CeBIT-Aussteller dem inoffiziellen Motto „Meeehr Power!“. Unter anderem sollen Drahtlosnetze für den Mobilfunk (hier vor für allem für Datenkarten und damit für den Einsatz des Notebooks unterwegs) präsentiert werden, die mit Übertragungs-geschwindigkeiten von bis zu 7,6 Megabit pro Sekunde aufwarten können. Tim Taylor würde sich heuer auf der CeBIT wohlfühlen…


Christoph Andert

Freitag, 14. Mai 2021
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