21.04.2017 08:40 |

Tatort Paris

Champs-Elysees: Hier liefen Menschen um ihr Leben

Minuten der Todesangst, Panik, Chaos: Für zahlreiche Menschen wurde der Donnerstagabend auf der Pariser Prachtstraße Champs-Elysees zum wahr gewordenen Albtraum. Gegen 21 Uhr eröffnet ein 39 Jahre alter Mann mit einer Kalaschnikow das Feuer auf einen Polizeiwagen, ein Beamter stirbt im Kugelhagel, zwei weitere werden schwer verletzt, eine Passantin erleidet einen Streifschuss. Sofort macht sich Panik breit, Menschen laufen um ihr Leben, verstecken sich in Geschäften und Restaurants, bangen und hoffen ...

Und wieder hat es Paris getroffen, zum mittlerweile sechsten Mal in drei Jahren. Schüsse aus einer Kalaschnikow peitschen am Donnerstagabend durch die Luft, an einer Kreuzung hat ein Mann aus dem Auto heraus das Feuer auf einen Polizeiwagen eröffnet.

"Viele sind in die erste Etage gelaufen"
Chaos bricht aus, geschockte Menschen rennen um ihr Leben und suchen Zuflucht in den zahlreichen Restaurants und Geschäften entlang der Prunkstraße im Herzen der Stadt. Ein Augenzeuge berichtet, er sei im Restaurant "Bistrot Romain" gewesen, als er die Schüsse hörte. "Viele sind in die erste Etage gelaufen, einige gerieten in Panik", erzählt der Mann, der anonym bleiben will. Ganz gezielt habe der Täter das Feuer auf die Polizei eröffnet, berichtet ein anderer.

Die Menschen verbarrikadieren sich, lassen die Rollläden der Geschäfte herunter, in denen sie sich verschanzen, verstecken sich vor dem Terror in der Stadt der Liebe - unter ihnen auch zahlreiche Touristen, die noch wenige Minuten zuvor über den Prachtboulevard flaniert waren. "Das sollten Ferien sein", sagt John aus dem kalifornischen San Francisco resigniert.

"Kunden im Keller versteckt"
In den Lokalen verstecken sich panische Menschen unter Tischen und Stühlen, halten einander in den Armen, weinen. "Wir haben unsere Kunden im Keller versteckt", berichtet ein Restaurantbesitzer in der Nähe der Champs-Elysees. Auf der Straße: das Heulen der Sirenen.

Nur Augenblicke nach den Schüssen auf das Polizeiauto sackt der Angreifer - ein Franzose - tödlich getroffen zusammen. Im Laufen habe er noch versucht, weitere Beamten zu treffen, sagt ein Polizeivertreter. Der IS wird wenig später die Tat für sich reklamieren.

"Wir konnten nicht raus"
Die Prunkstraße wird unmittelbar nach dem Angriff weiträumig abgeriegelt, zahlreiche Metro-Stationen werden gesperrt, die Bevölkerung wird aufgerufen, das Areal zu meiden. Nach und nach werden die Menschen von Einsatzkräften aus ihren Verstecken gebracht, Angestellte, die sich zuvor in Büros verschanzten, hinausbegleitet. "Wir haben die Polizei vor der Tür gesehen, wir konnten nicht raus", erzählt eine Juristin.

Paris ist einmal mehr in Schockstarre, nur drei Tage vor der Präsidentenwahl. "Wie sollen wir wählen, angesichts dieser Bedrohung?", fragt sich eine Frau.

 krone.at
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