Es waren unglaubliche Szenen, die sich im November 2025 auf der A9 bei Graz abspielten: Gut hundert polnische Hooligans stürmten plötzlich aus ihren Fahrzeugen und liefen mit Axtstielen und Eisenstangen auf einen Pkw zu. Zwei Kroaten wurden verprügelt, ihr Fahrzeug wurde völlig demoliert, und Tausende Euro wurden geraubt. Für acht Polen endete das Auswärtsspiel nun vor Gericht.
„Man kann es unter dem Begriff organisierte Gewalt von Fußballfans zusammenfassen“, sagt Staatsanwalt Stefan Engelbert in seinen Eröffnungsworten. Gewalt, die eigentlich woanders geplant war. Mit ihren Erzfeinden von Dinamo Zagreb, den „Bad Blue Boys“, wollten sich die Warschauer schon davor schlägern. Auf dem Rückweg vom Conference-League-Match ihres Teams Legia Warschau im November im slowenischen Celje avisierten sie ein Treffen an.
Polizei verhinderte „Drittortauseinandersetzung“
„Dafür haben sie sich mit allem bewaffnet, mit dem man schlagen kann, darunter Axtstiele ohne Axtkopf, Metallstangen und sogar eine Krücke“, so Engelbert. Doch die kroatische und slowenische Polizei leitete die Gruppe um und verhinderte diese sogenannte Drittortauseinandersetzung.
„Also fuhren die Angeklagten im Konvoi in Spielfeld über die Grenze nach Österreich. Auf Höhe Kalsdorf bemerkten sie dann einen Pkw mit Zagreber Kennzeichen. Sie befürchteten einen Überfall, hielten den Peugeot für ein Spähfahrzeug. Das ging aus einem Chat hervor“, betont der Ankläger. „Sie haben den Insassen unterstellt, dass sie zu den Erzfeinden gehören.“
Ich bin schon viele Kilometer auf der Autobahn gefahren, aber Geld habe ich noch nie gefunden. Das ist schon erstaunlich.

Richter Raimund Frei
Bild: Eva Stockner
„Fahrer geschlagen, bis er reglos am Boden lag“
Rund 100 Hooligans verursachten daraufhin einen künstlichen Stau auf der Autobahn, stiegen großteils vermummt aus und zogen den Fahrer aus dem Wagen. „Er wurde permanent geschlagen, bis er reglos am Boden lag. Und auch der Beifahrer bekam es von allen Seiten ab“, schildert der Staatsanwalt.
Aufgrund der äußerst detaillierten Ermittlungen der LKA-Raubgruppe sei klar, dass es ein koordinierter Angriff war, das ergebe ein Chat-Verlauf. Dazu kämen die DNA-Spur eines Angeklagten auf einem Opfer und Teile des erbeuteten Geldes, das bei den Polen sichergestellt wurde – die Angeklagten wollen es bei einer WC-Pause im Gebüsch gefunden haben.
Die acht Männer (17 bis 52 Jahre alt) – sieben wurden aus der U-Haft vorgeführt – beteuerten ihre Unschuld. Sie hätten geschlafen und gar nichts von dem Vorfall mitbekommen. Die Identifizierung durch die Opfer müsse ein Irrtum sein. Sie forderten Freisprüche. Ansonsten wollten sie keine Angaben machen.
Verteidiger Klaus Ainedter betonte, dass natürlich nichts Gewalt rechtfertigen würde. „Ich möchte auch niemand in dem anderen Auto sein. Ich kann mir vorstellen, wie schockierend und bedrohlich das alles war. Aber hier wird im Trüben gefischt.“ Es gebe keinen wirklichen Beweis. Anwältin Pia Kern ergänzte dazu: „Aus dem 6000-Seiten-Akt ergibt sich keine einzige Zuordnung zu dem Angriff!“
Die Urteile werden für den späten Nachmittag erwartet.
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