Sa, 15. Dezember 2018

Rakhmat Akilov (39)

09.04.2017 19:43

Stockholm-Killer stand kurz vor Abschiebung

Nach dem blutigen Lkw-Anschlag in Stockholm mit vier Toten und mehreren Verletzten ermittelt die Polizei wegen Terrorverdachts gegen einen 39-jährigen Mann aus Usbekistan, bei dem es sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit um den Todeslenker handelt. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, hätte der Usbeke abgeschoben werden sollen, sein Antrag auf Bleiberecht sei im letzten Jahr abgelehnt worden, daraufhin sei er untergetaucht. Mehrere schwedische Medien berichteten, der Usbeke heiße Rakhmat Akilov, sei IS-Anhänger und vierfacher Familienvater.

2014 habe der Usbeke einen Antrag auf Bleiberecht in Schweden gestellt, der im Juni 2016 abgelehnt worden sei, erläuterte Polizeichef Jonas Hysing am Sonntag. Im Dezember sei ihm dann eine Frist von vier Wochen gesetzt worden, das Land zu verlassen. "Im Februar 2017 wurde der Fall an die Polizei übergeben, die die Anweisung umsetzen sollte. Allerdings war der Betroffene abgetaucht."

Die Behörden gaben des Namen des Uskeben noch nicht offiziell bekannt, allerdings berichteten mehrere Medien, dass es sich bei dem Todeslenker um den 39-jährigen Rakhmat Akilov handelt.

"Er hat Interesse an extremistischen Organisationen gezeigt"
Polizeichef Hysing bestätigte allerdings die IS-Sympathie des Verdächtigen. "Wir wissen, dass er Interesse an extremistischen Organisationen wie dem IS gezeigt hat."

Am Samstag war der 39-Jährige nach Angaben seines Anwalts zum ersten Mal verhört worden. Zu einem möglichen Motiv des Verdächtigen äußerten sich die Ermittler vorerst nicht. Aber: "Die Umstände weisen auf eine Absicht hin, unserer Bevölkerung zu schaden und für Angst und Schrecken zu sorgen", sagte Staatsanwalt Hans Ihrman.

Ein Amateurvideo zeigt die Todesfahrt von Stockholm:

Usbeke war Behörden seit dem Vorjahr bekannt
Die Polizei scheint jedenfalls sicher zu sein, dass der Usbeke der Todeslenker ist. "Wir haben den dringenden Verdacht, dass der Mann der Angreifer ist. Nichts deutet darauf hin, dass wir die falsche Person gefasst hätten", hieß es. Der Verdächtige war den Behörden seit dem Vorjahr namentlich bekannt. Allerdings: "Wir konnten keine Verbindungen zu extremistischen Milieus bestätigen", sagte Anders Thornberg von der schwedischen Sicherheitspolizei mit Blick auf die damaligen Untersuchungen.

Zeugen: "Akilov sagte: 'Ich war es, der es getan hat'"
Stunden nach dem Attentat war Akilov laut einem Bericht des "Aftonbladet" Zeugen an einer Tankstelle aufgefallen. Er habe sich "seltsam" verhalten, mehrere sichtbare Verletzungen aufgewiesen und gesagt: "Ich war es, der es getan hat."

Die Ermittler untersuchen derzeit weiters einen verdächtigen Gegenstand, der auf dem Fahrersitz des Lkw gefunden worden war. Medien hatten spekuliert, es könnte sich um eine Bombe handeln.

Polizei bestätigt Festnahme einer zweiten Person
Die Polizei nahm indes am Samstag und Sonntag sechs weitere Menschen vorrübergehend in Gewahrsam, ein Festgenommener wurde formell als Verdächtiger festgesetzt. Zu dessen Verbindungen zum Todeslenker machte sie zunächst keine Angaben. Die Polizei durchsuchte am Morgen zudem eine Adresse in Sollentuna nördlich von Stockholm. "Wir waren seit Freitag an verschiedenen Adressen in ganz Stockholm", sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Elfjähriges Mädchen unter den Opfern
Der Täter hatte am Freitag einen Lastwagen in einer belebten Stockholmer Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in die Front eines Kaufhauses gesteuert. Dabei waren vier Menschen ums Leben gekommen und 15 verletzt worden. Die Polizei äußerte sich am Sonntag auch erstmals zur Herkunft der Getöteten: Es handle sich um zwei Schweden, einen Briten und einen Belgier, deren Familien inzwischen informiert worden seien. Unter den Todesopfern ist auch ein elfjähriges schwedisches Mädchen, das gerade von der Schule kam.

Schweden: Grenzen werden zehn Tage lang kontrolliert
Die schwedische Polizei will nach der Tat weiter verstärkt Präsenz zeigen. Zehn Tage lang sollen außerdem alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden. Man könne noch nicht ausschließen, dass mehrere Menschen an der Tat beteiligt gewesen seien, sagte Reichspolizeichef Dan Eliasson am Samstag.

Gedenken am Sonntag, landesweite Schweigeminute am Montag
Am Sonntag versammelten sich Stockholmer auf einem zentralen Platz in der Nähe des Anschlagsortes, um in einer "Liebes-Kundgebung" der Opfer des Anschlags mit einer Schweigeminute zu gedenken und zu zeigen, dass sie keine Angst vor dem Terror haben. Um 14.53 Uhr, der Uhrzeit des Anschlags vom Freitag, war es auf dem Platz komplett still. Viele hielten sich an den Händen und weinten.

Video: Tausende setzen in Stockholm Zeichen gegen Terror

Für Montag kündigte Schwedens Regierungschef Stefan Löfven eine landesweite Schweigeminute an.

Zahlreiche Stockholmer und Touristen hatten bereits am Samstag die Gegend rund um die Einkaufsstraße Drottninggatan besucht und Blumen niedergelegt. "Wir lassen die Dunkelheit niemals gewinnen", stand auf einem handgeschriebenen Zettel, der zwischen Blumen und leuchtenden Kerzen lag. Am späten Abend hatte die Polizei die Absperrungen um den Tatort entfernt. Die Untersuchungen am Ort seien abgeschlossen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Kaufhaus wollte wieder öffnen und erntet dafür heftige Kritik
Ahlens City - jenes Kaufhaus, in das der Lkw gerast war - bleibt daggeen weiterhin geschlossen. Zuvor hatte das Kaufhaus am Samstagabend erklärt, Teile des Hauses wieder öffnen zu wollen. Mit der Ankündigung, durch Rauch beschädigte Waren zum halben Preis zu verkaufen, hatte das Kaufhaus aber heftige Kritik in den sozialen Medien auf sich gezogen. Facebook-Nutzer nannten die Pläne geschmacklos. Deshalb zog Ahlens die Ankündigung am Sonntag zurück und will nun erst am Montag wieder öffnen.

"Wir standen unter Druck und haben in einer Situation zu schnell reagiert, die für uns alle schrecklich und unwirklich ist", schrieb das Kaufhaus in einer E-Mail an seine Kunden. "Es ging nie darum, Geld mit dem äußerst tragischen Ereignis, das Stockholm getroffen hat, zu verdienen."

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