Do, 20. Juni 2019
03.03.2017 07:44

Ausbruch möglich

Vor diesem Supervulkan nahe Neapel zittert Europa

Die Phlegräischen Felder im Nordwesten der süditalienischen Großstadt Neapel bereiten Vulkanologen seit geraumer Zeit Sorgen. Denn der einzige Supervulkan auf dem europäischen Kontinent ist in Bewegung: Seit einigen Jahren hebt und senkt sich der Boden des Kraters immer wieder - um bis zu einen Meter. Ein Ausbruch könnte nicht nur die Region rund um Neapel zerstören, er könnte sogar weltweite Folgen haben.

Die letzte Eruption der Phlegräischen Felder gab es 1538, dabei entstand ein neuer Berg. Das Gebiet umfasst Dutzende Eruptionskrater auf 150 Quadratkilometern, beginnt unmittelbar am westlichen Stadtrand von Neapel und setzt sich entlang der Küste des Golfs von Neapel fort. Im Süden dehnt es sich unterhalb des Meeresspiegels aus und schließt die Inseln Ischia, Procida sowie Nisida mit ein.

Der erste Ausbruch vor rund 34.000 Jahren soll mit denen des Tambora 1815 bzw. des Krakatau 1883, jeweils in Indonesien, vergleichbar gewesen sein, die das Weltklima veränderten. Forscher versuchen seit Jahren, mit Bohrungen zu erkunden, was im Inneren des Supervulkans vor sich geht. Allerdings sind die Ergebnisse bislang wenig aufschlussreich. Lediglich die Bodenerhebungen sind auf Satellitenbildern gut dokumentiert.

Tambora-Ausbruch führte 1816 zu Hungerkatastrophe
Bricht der Supervulkan aus, so könnte das schwere Folgen für die stark besiedelte Region, Europa und sogar die ganze Welt haben. Klimaveränderungen, Aschewolken sowie massive Zerstörungen wären vorprogrammiert. So führte etwa der Ausbruch des Tambora zur schimmsten Hungerkatastrophe des 19. Jahrhunderts in Europa, weil die Landwirtschaft im "Jahr ohne Sonne" völlig zugrunde ging. In Regionen wie der Schweiz und Baden-Württemberg hörte es über Monate kaum mehr auf zu regnen oder zu schneien. Auf Tauwetter folgten extreme Hochwasser, die Getreidepreise vervielfachten sich.

Bis 1817 habe es kaum Ernten gegeben, sagte Claus-Peter Hutter, der Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg. "Die Menschen haben ihre Zugtiere geschlachtet und die Saatkartoffeln wieder ausgegraben in ihrer Not." Mit Gipspulver, Eichel- oder Sägemehl gestreckte Hungerbrote seien gebacken worden, etliche Menschen wanderten in die USA aus.

"Da braut sich was zusammen"
Dass es auf den Phlegräischen Feldern tatsächlich zu einem Ausbruch kommt, wollen Wissenschaftler nicht ausschließen: "Da braut sich was zusammen, aber ob und wann es letztlich zu einem Ausbruch kommt, kann niemand sagen", sagte Thomas Walter vom Geoforschungszentrum Potsdam in einem Interview mit der dpa.

Etwa zwei Millionen Menschen leben im Einflussgebiet der Phlegräischen Felder. "Und eine Evakuierung in sehr kurzer Zeit ist dort unmöglich, da wäre mindestens eine Woche nötig", schätzt Walter. Wie etwa beim historischen Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. drohen Wolken aus Gas, Gestein und Asche, die mehrere Hundert Grad heiß sind und die Hänge hinabrasen. Man spricht von pyroklastischen Strömen. Die Folgen für andere Regionen ließen sich nicht vorhersagen - global seien sie aber in jedem Fall.

Michaela Braune
Michaela Braune

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