Tirol ist bekannt für seine Berge. Wassermelonen gehören nicht zu den Markenzeichen. Noch nicht! Bauer Andreas Norz hat vielversprechende Feldversuche gemacht. Jetzt geht er mit seinen Melonen in die Offensive.
Andreas Norz zeigt auf ein winziges verdorrtes Blatt. „Schaut gut aus“, kommentiert der Landwirt knapp und nimmt die für Tirol ungewöhnliche Feldfrucht in die Hand. Dann macht er mit einem dschungeltauglichen Messer ein paar beherzte Schnitte und zieht ein Stück Fruchtfleisch heraus. Ein saftiges Rot kommt zum Vorschein. „Ist reif“, lautet der knackige Befund. Zwei Wörter, aus denen man Erleichterung heraushören kann.
Zuerst im Gewächshaus, seit heuer im Freiland
Kein Wunder, denn das rund zwei Hektar große Melonenfeld des Bauern im Inntal bei Kematen ist Neuland. „Die ersten Pflanzen habe ich im Gewächshaus gesetzt. Durch die immer höheren Temperaturen in unseren Breiten wurde es dort für heimische Kulturen zu warm. So bin ich auf Wassermelonen gekommen“, erzählt der experimentierfreudige Tiroler.
Es lässt sich allein beim Anblick nicht immer genau einschätzen, ob es Zeit für die Ernte ist.
Andreas Norz
Bereits die erste Ernte war vielversprechend – und so ging Norz heuer einen Schritt weiter und überließ den Melonen im Freiland einen großen Acker. Anfang Mai wurde ausgepflanzt – zwei Hitzeperioden später wird seit Freitag geerntet.
Wann ist die Melone reif?
Nicht ganz einfach ist die Bestimmung des perfekten Reifegrades. Norz hat sich dafür ein Refraktometer angeschafft, bekannt aus dem Weinbau. Damit misst er den Zuckergehalt.
Doch die saftigen Bowlingkugeln werden natürlich nicht alle gleichzeitig reif. „Das ist die Krux an der Sache: Es lässt sich allein beim Anblick nicht immer genau einschätzen, ob es Zeit für die Ernte ist. Das verdorrte Keimblatt ist ein wichtiger Hinweis, die Größe der Frucht natürlich auch“, erklärt der Landwirt, worauf man alles achten muss.
„Wir stehen noch am Anfang“
Abnehmer für die Wassermelonen „Made in Tirol“ gibt es bereits. Der heimische Handel ist begeistert vom exotischen Regionalprodukt. Norz bremst jedoch ein wenig: „Die heurige Ernte schaut wirklich gut aus. Aber wir stehen noch am Anfang, und ich lerne jeden Tag dazu. Kann sein, dass im nächsten Jahr alles ganz anders verläuft.“
Wassermelonen zählen zu den Kürbisgewächsen und stammen ursprünglich aus Nordafrika. Weltweit sind über 1200 kultivierte Sorten bekannt. Laut Umweltschutzorganisation Global 2000 ist die Frucht für nachhaltige Landwirtschaft gut geeignet und zeichnet sich bei regelmäßigen Tests durch besonders geringe Pestizid-Belastung aus.
Das kennt der Bauer von anderen Kulturen. Auch in der Landwirtschaft sind die Zeiten unruhig. Was früher gut funktioniert hat, ist nicht automatisch zukunftsträchtig. Die Klimaveränderungen machen allen zu schaffen. „Melonen sind ein Versuch, unseren Betrieb geänderten Bedingungen anzupassen. Die Nachfrage ist da, darum probieren wir es“, formuliert Norz seine Überlegungen.
Drei Sorten der hübschen Sommerfrucht hat er angepflanzt. Und wir dürften sie am Feld verkosten. Unser Testurteil: herrlich saftig, mit erfrischender Süße und frisch geerntet ein besonderer Genuss.
Was die Zukunft bringt, wird das Klima weisen
Ob sich das südliche Kürbisgewächs in Tirol etablieren wird? „Das kann man noch nicht sagen. Das hängt vom Klima ab“, lautet die Antwort des Melonen-Bauern. Er will jedoch dranbleiben, so wie andere heimische Pioniere. Dass Wassermelonen viel Wasser brauchen, kann Norz nicht bestätigen. Er zeigt auf eine Tröpfchenbewässerung. „Ich brauche nicht mehr als bei anderen Kulturen.“ Der Landwirt hat die Melone als robuste Frucht kennengelernt, die wenig krankheitsanfällig ist.
Seit Freitag wird geerntet. In den nächsten Tagen werden die ersten Wassermelonen aus dem Land des Wintersports im heimischen Handel erhältlich sein.
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