Nachtclub-Anschlag

Tötete 39 Menschen: Istanbul-Massenmörder gefasst

Ausland
17.01.2017 10:38

Gut zwei Wochen nach dem verheerenden Terroranschlag auf den Istanbuler Nachtclub "Reina" ist der mutmaßliche Attentäter der Polizei am Montagabend in Istanbul ins Netz gegangen. Der IS-Terrorist sei im Stadtteil Esenyurt auf der europäischen Seite der türkischen Metropole festgenommen worden, berichteten übereinstimmend mehrere türkische Medien. In der Wohnung wurden 197.000 Dollar (185.000 Euro) sowie zwei Waffen und Magazine beschlagnahmt. Bei dem Anschlag in der Silvesternacht waren 39 Menschen getötet worden.

Dem Fernsehsender TRT zufolge wurde der Attentäter bei einem gemeinsamen Einsatz der Polizei und des türkischen Geheimdienstes MIT gefasst. Der mutmaßliche Attentäter hatte sich demnach in der Wohnung eines befreundeten Kirgisen aufgehalten. Der Istanbuler Gouverneur Vasip Sahim sagte, der Mann sei über die östliche Grenze "illegal in die Türkei" eingereist und habe in Syrien für den IS gekämpft. Zusammen mit dem Attentäter wurden drei Frauen aus Ägypten, dem Senegal und Somalia sowie der Kirgise, der dem Hauptverdächtigen Unterschlupf gewährte, festgenommen.

Attentäter wurde mehrere Tage observiert
Fotos des mutmaßlichen Massenmörders nach seiner Verhaftung zeigen den Festgenommenen mit Blut im Gesicht und auf dem T-Shirt, wie er von einem Polizisten am Hals festgehalten wird bzw. gefesselt auf dem Boden liegend. Die türkische Regierung hatte zuvor angegeben, die Identität des Mannes sei ermittelt, aber nicht öffentlich gemacht worden. Berichten zufolge war Mann bereits seit drei Tagen observiert worden, doch hätten die Sicherheitskräfte mit dem Zugriff abgewartet, um mögliche Komplizen zu identifizieren.

(Bild: AFP/IHLAS NEWS AGENCY, AP)
(Bild: Associated Press)
(Bild: Associated Press)

Mann soll Tat gestanden haben
Der 34-Jährige sei von den Behörden als Abdulkadir M. identifiziert worden, komme ursprünglich aus Usbekistan und trage den IS-Kampfnamen Ebu Muhammed Horasani. Der Festgenommene habe die Tat gestanden und eindeutig im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat gehandelt, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am Dienstag. "Er wurde in Afghanistan ausgebildet und spricht vier Sprachen. Er ist ein gut trainierter Terrorist."

Zwei weitere Verdächtige in Haft
Erst am vergangenen Freitag war gegen zwei zuvor festgenommene ausländische Verdächtige Untersuchungshaft verhängt worden. Die Nachrichtenagentur Anadolu hatte gemeldet, bei ihnen handle es sich um Uiguren aus China. Sie würden unter anderem der "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" und der "Beihilfe zum vorsätzlichen Mord in 39 Fällen" verdächtigt. Die muslimische Minderheit der Uiguren in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas ist ein Turkvolk und fühlt sich von den Chinesen unterdrückt. Die Türkei setzt sich seit Langem für die Uiguren ein. China wirft Ankara vor, geflüchteten Uiguren türkische Reisepässe auszustellen.

IS veröffentlichte Video vom Attentäter
Knapp nach Neujahr veröffentlichte der IS ein Selfie-Video vom Hauptattentäter auf den Istanbuler Nachtclub. Augenzeugen zufolge soll er in der Silvesternacht auf dem Boden liegenden Menschen gezielt in den Kopf geschossen haben, berichtete "Hürriyet". Insgesamt habe der Mann mehr als 180 Schüsse abgegeben und dabei sechsmal das Magazin gewechselt. Anschließend habe er sich umgezogen, seine Waffe gereinigt, während der Panik den Club verlassen - und dann in einem Taxi das Weite gesucht.

(Bild: AP/CCTV/Haberturk Newspaper, twitter.com)

"Hürriyet" berichtete zudem unter Berufung auf Geheimdienstquellen, es gebe Hinweise darauf, dass der Angriff von derselben IS-Zelle ausgeführt worden sei wie der Anschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen im Juni 2016. Damals hatten mehrere Selbstmordattentäter 45 Menschen mit in den Tod gerissen.

(Bild: APA/AFP/IHLAS NEWS AGENCY)
(Bild: APA/AFP/IHLAS NEWS AGENCY)

Mit dem Angriff auf den Istanbuler Club habe der IS laut seinem Propagandaorgan Amak christliche Partygänger treffen wollen. Die Mehrheit der 39 Toten und fast 70 Verletzten stammte jedoch aus dem muslimisch geprägten Ausland. Unter den 39 Todesopfern waren Anadolu zufolge unter anderem elf Türken, sieben Menschen aus Saudi-Arabien und je drei aus dem Libanon und dem Irak. Zwei Opfer türkischer Abstammung hatten laut Angaben des deutschen Außenministeriums in Bayern gewohnt.

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