So, 21. Oktober 2018

Gute Laune

16.01.2017 10:59

Wie richtig essen die Seele stärkt!

Milchsäurebakterien sind nicht nur in Joghurt enthalten, sondern auch in Sauerkraut und eingelegtem Gemüse. Über den Darm beeinflussen sie unsere Stimmung und wirken auf das Gehirn.

Manchmal haben Sie Heißhunger auf Joghurt? Ein Essiggurkerl oder gleich ein Glas Krautsalat? Dann brauchen Sie vermutlich ein wenig Aufmunterung von innen. Frei nach dem Motto: Sauer macht lustig!

Wer auf seinen Körper hört, wird sich darüber nicht wundern, was die moderne Wissenschaft nun Schritt für Schritt unter Beweis stellt: Die Mikrobiota, die Gesamtheit der Darmbakterien, beeinflusst unser Gehirn und damit Emotionen, Denkarbeit und Befindlichkeit. Bestandteile aus der Nahrung wiederum lassen manche Bakterienarten sprießen, andere aber verkümmern, greifen also in die Struktur der Mikrobiota ein - wir kommen auf das eingangs erwähnte Joghurt zurück.

Joghurt macht glücklich
Das war nämlich jüngst Forschungsgegenstand an der UCLA, Universität von Kalifornien in Los Angeles. Dr. Emeran Mayer von der Ludwig-Maximilians-Universität in München unterzog dort Probanden einem schmackhaften Test: Die Studienteilnehmer verzehrten vier Wochen lang täglich zwei Becher probiotisches Joghurt und wurden dann mittels Gehirn-Scan untersucht. Im Vergleich mit einer Gruppe Nicht-Joghurt-Esser wiesen bei ihnen bestimmte Hirnregionen, in denen negative Gefühle erzeugt werden, weniger Aktivität auf. Man kann sagen, das Milchprodukt, das es in jedem Supermarkt gibt, hat bei den Betroffenen als Mittel gegen schlechte Laune gewirkt. Ähnliche Ergebnisse publizierten auch schon britische und französische Forscher.

Probiotika (meist aus Milchsäurebakterien und Hefen) sind lebende Mikroorganismen, die Nahrungsmitteln zugesetzt werden. Bei der Haltbarmachung (Fermentierung) von Sauermilchprodukten und der Herstellung von Sauergemüse macht man sich die natürliche Milchsäuregärung zunutze. Daher gelten diese Substanzen seit Jahrtausenden als wichtig für die Darmgesundheit, die wiederum - hier schließt sich der Kreis - unser Wohlbefinden reguliert.

"Psychobiotika"-Anwendung bei psychischen Krankheiten?
Als Zukunftsmusik wird sogar schon eine Art "Psychobiotika"-Anwendung diskutiert, der geballte medikamentöse Einsatz von bestimmten Mikroorganismen bei psychischen Krankheiten wie Depressionen und Ängsten. Das Problem ist derzeit aber noch, wie die Stoffe genau dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. Schließlich beherbergt unser Darm zwischen 400 und 500 verschiedene Bakterienarten, von denen bis jetzt nur die wenigsten erforscht sind.

An der Deakin-Universität im australischen Bundesstaat Victoria werden jetzt schon depressive Patienten mit eigens auf sie zugeschnittenen Diäten behandelt. Im Jahr 2010 fand dort Prof. Felice Jacka heraus, dass ungesunde Ernährung mit viel Fast Food und Fertigessen die Darmschleimhaut durchlässig für körpereigene Komponenten, welche das Immunsystem schädigen, macht. "Wir meinen, dass Menschen mit chronischen Depressionen eine solche Immunreaktion aufweisen", so die Psychiaterin. Dieser Zusammenhang wird weiter beobachtet.

Auch sauer macht lustig
Gute Nachrichten für pikante Genießer: Auch in Sauerkraut, eingelegtem Gemüse, Apfelessig, Miso-Suppe und überhaupt Kohlgemüse finden sich die begehrten Milchsäurebakterien. Fermentiertes, "eingelegtes", Gemüse ist zudem bekömmlicher als Rohkost. Ernährungswissenschaftler weisen aber darauf hin, dass selbst hergestellte Produkte maschinell erzeugten an gesundheitsanstoßender Wirkung überlegen sind. Am einfachsten ist es, das Gemüse zu zerkleinern (siehe Krautrezept).

Immerhin verspeisen wir Österreicher laut forum.ernährung heute pro Kopf und Jahr rund 12 Kilogramm Kraut, Karfiol und andere Kohlformen. 90 Prozent davon kommen aus heimischem Anbau. Durch die mikrobielle Zersetzung bei milchsauer vergorenem Sauerkraut entsteht zudem Vitamin B12, welches sonst vor allem in tierischen Lebensmitteln zu finden ist. Wichtig für Veganer! Der hohe Vitamin-C-Gehalt übertrifft jenen von Zitrusfrüchten mit Leichtigkeit.

Tipp: Wer jetzt in der Grippesaison Antibiotika nehmen muss, sollte den Darm mittels probiotischem Joghurt, das Lactobazillen enthält, wieder sanieren, um Durchfälle zu vermeiden und die Arbeit des Immunsystems zu unterstützen.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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