07.01.2016 15:49 |

Gene beeinflusst

Neandertaler stärkten Immunsystem der Menschen

Die Neandertaler haben aktuellen Studien zufolge das Immunsystem unserer Vorfahren gestärkt. Sie hätten Immunabwehr-Gene des modernen Menschen beeinflusst, aber eventuell auch die Neigung zu Allergien erhöht, heißt es in zwei voneinander unabhängigen Arbeiten von Forschern des Instituts Pasteur in Frankreich und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Im Durchschnitt trägt ein Europäer zwei Prozent Neandertaler-DNA in sich. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bestimmte Abwehrgene aus der Familie der sogenannten Toll-Like-Rezeptoren (TLR) eine höhere Neandertal-Frequenz aufweisen als andere Teile des menschlichen Genoms. Die Rezeptoren TLR 1, TLR6 und TLR10 wirken an der Immunabwehr mit. Diese TLR-Gene können Bestandteile von Bakterien, Pilzen und Parasiten aufspüren und bekämpfen.

Welche Rolle diese Neandertaler-Spuren für die Gesundheit heute spielen, sei ungeklärt, betonen die Experten. "Diese DNA-Spuren spiegeln sich heute noch im Menschen wider. Ob es heute noch von Vorteil oder Nachteil oder komplett neutral ist, können wir aber nicht sagen", erklärte Max-Planck-Forscher Michael Dannemann.

Stärkere Abwehrkräfte dank Neandertaler-Genen?
"Wir gehen aber davon aus, dass es mal eine Phase gegeben hat, wo es von Vorteil war, diese Neandertal-Varianten zu besitzen", sagte Dannemann in Leipzig. Menschen könnten dadurch bessere Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger gehabt haben. Umgekehrt könne sich aber auch die Neigung zu Allergien erhöht haben, denn eine zu hohe Aktivität dieser Gene könnte laut Dannemann auch zu gestörten Immunreaktionen auf an sich harmlose Umwelteinflüsse führen. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Forscher im "American Journal of Human Genetics".

Die Neandertaler lebten bis vor rund 40.000 Jahren in Europa, dann starben sie aus. Vor 50.000 Jahren wanderten die modernen Menschen aus Afrika ein - und vermischten sich mit den Neandertalern. Für ihre Forschungen analysierten die Wissenschaftler Daten des 1000-Genom-Projekts, bei dem das Erbgut von 2500 Individuen aus Europa, Asien, Afrika und Amerika komplett entziffert wurde.

Neandertaler-Erbgut in Haut und Haaren
Die Frage, inwieweit die Neandertaler die Entwicklung des modernen Menschen beeinflusst haben, beschäftigt Forscher weltweit. Zum Beispiel fanden US-Forscher heraus, dass Gene von Neandertalern den Vorfahren moderner Menschen wahrscheinlich dabei geholfen haben, sich an die kühlere Umgebung außerhalb Afrikas anzupassen. Neandertaler-Erbgut ist demnach in heutigen Europäern und Ostasiaten insbesondere an Stellen vorhanden, an denen Wachstum und Ausgestaltung von Haut und Haaren geregelt werden. Auch der Fettstoffwechsel moderner Menschen könnte Leirziger Forschern zufolge von Neandertaler-Genen beeinflusst worden sein.

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