31.05.2006 07:51 |

Rekord-Demo

725 Festnahmen bei Schüler-Protest in Chile

Bei der größten Demonstration von Schülern seit Jahrzehnten in Chile mit mehr als einer halben Million Teilnehmern sind mindestens 725 Menschen festgenommen worden. Bei Straßenschlachten mit der Polizei in der Hauptstadt Santiago seien zudem 26 Menschen verletzt worden, teilte das Innenministerium am Dienstag (Ortszeit) weiter mit. Gespräche zwischen Mitgliedern der Regierung von Präsidentin Michelle Bachelet und Vertretern der Schüler in der Nationalbibliothek mussten unterbrochen werden, weil das von der Polizei eingesetzte Tränengas auch in die Konferenzräume eingedrungen war.

Die Schüler, denen sich auch Studenten und Eltern anschlossen, fordern eine Reform des noch unter Diktator Augusto Pinochet (1973-1990) stark veränderten Bildungssystems, verbilligte Fahrscheine für den Öffentlichen Nahverkehr sowie ein Ende der Prüfungsgebühren für die Aufnahme in eine Universität.

Die Proteste begannen bereits vor einem Monat und stellen die größte Herausforderung für die seit drei Monaten amtierende Regierung Bachelet dar. Ihr Sprecher Ricardo Lagos Weber berichtete von "Fortschritten" bei den Gesprächen mit den Schülern, nannte jedoch keine Einzelheiten.

Viele chilenische Familien müssen einen großen Teil ihres Einkommens für die Ausbildung ihrer Kinder aufwenden. Wer kann, versucht seine Kinder auf teure Privatschulen zu schicken, weil die öffentlichen Schulen miserabel ausgerüstet sind und einen schlechten Ruf haben. Schülervereinigungen monieren zudem, dass unter Pinochet Privatschulen das Recht eingeräumt wurde, Gewinne zu machen. Damit sei das Recht auf Bildung dem Profitstreben ausgeliefert worden.