Paraguay beginnt 2026

Mord, Drama, Pechvögel – die WM und ihre Eigentore

Die Endrunde 2026 hat ihr erstes Eigentor, es ist das insgesamt 56. der WM-Geschichte! Ausgerechnet im Auftaktmatch von Co-Gastgeber USA passiert es schon nach sieben Spielminuten. Paraguay-Kicker Damian Bobadilla sichert sich seinen Platz in der Geschichte der aktuellen Fußball-WM.

Lange hat es nicht gedauert, bis der Ball beim Auftaktmatch der US-Auswahl im Netz landete und die Fans in Los Angeles jubeln ließ. Doch es war kein Spieler des Co-Gastgebers, der den ersten Treffer erzielte, sondern ein Eigentor von Gegner Paraguay. 

Fulminant starten die US-Kicker rund um Milans Christian Pulisic ins Auftaktmatch und überrumpeln dabei Gegner Paraguay. Pulisic zieht im Sechzehner drei Gegenspieler auf sich und verschafft Weston McKennie viel Platz. Diesen nutzt der Juve-Legionör, um einen Pass zu spielen, der nicht bei einem Mitspieler landet, sondern von Paraguay-Kicker Bobadilla unglücklich ins eigene Tor gelenkt wird. Das erste Eigentor dieser WM!

Fulminanter Auftakt in die Partie USA gegen Paraguay.
Fulminanter Auftakt in die Partie USA gegen Paraguay.(Bild: AP/Jayne Kamin-Oncea)

Eigentore bei Weltmeisterschaften haben eine lange Historie – der erste, der ins eigene Netz traf, war der Mexikaner Manuel Rosas bei der Endrunde 1930 in Uruguay gegen Chile. Ihm sollten bis zur WM in Nordamerika 54 weitere Spieler folgen. Wiewohl kein einziger mehr als einmal ins eigene Tor traf, der Südafrikaner Pierre Issa diesbezüglich aber wohl am nächsten dran war: Bei der WM-Endrunde 1998 lenkte er bei Südafrikas 0:3 gegen Gastgeber Frankreich einen Schuss zum 0:2 ins eigene Tor ab, auch beim 0:3 hatte er seine Beine im Spiel – letztlich wurde dieser Treffer aber Frankreichs Stürmer Thierry Henry zugesprochen. Dennoch meint der heute 50-Jährige: „Ich habe nach diesem Spiel zwei Nächte nicht schlafen können.“ 

Ein Eigentor, das die Welt schockte
Weitaus folgenschwerer war das Eigentor von Kolumbiens Andres Escobar, dessen Folgen als eine der schwärzesten Stunden in die WM-Geschichte einging. Im Gruppenspiel 1994 gegen Gastgeber USA lenkte der 27-Jährige eine Flanke von John Harkes unglücklich zum 0:1 ins eigene Tor ab, stellte damit die Weichen für das Gruppenaus der Südamerikaner – die angeführt von Stars wie Carlos Valderrama oder Adolfo Valencia nach nur einer Niederlagen aus 26 Spielen vor der Endrunde gar vom Titel geträumt hatten.

Dieses Eigentor kostete Escobar 1994 das Leben.
Dieses Eigentor kostete Escobar 1994 das Leben.(Bild: AFP/ROMEO GACAD)

Doch der Geheimfavorit scheiterte – was vielen in der Heimat, Leuten aus dem Organisatierten Verbrechen, Geld kostete. Bei der Rückkehr in die Heimat wurde Escobar, für viele der Hauptschuldige des Scheiterns, nur zehn Tage nach dem US-Spiel auf offener Straße erschossen. In Medellin, das bis Mitte der Neunzigerjahre vom Drogenkartell kontrolliert wurde, wo rund 7.000 Morde im Jahr verübt wurden, meist Teenager für eine Handvoll Dollar Mordaufträge ausführten. Zur Beerdigung von Escobar kamen 120.000 Menschen, die Fußball-WM war um eine schwarze Stunde reicher. 

Anzahl der WM-Eigentore

1930: 1 Eigentor
1934: 0 Eigentore
1938: 2 Eigentore
1950: 1 Eigentor
1954: 4 Eigentore
1958: 0 Eigentore
1962: 0 Eigentore
1966: 2 Eigentore
1970: 1 Eigentor
1974: 3 Eigentore
1978: 3 Eigentore
1982: 1 Eigentor
1986: 2 Eigentore
1990: 0 Eigentore
1994: 1 Eigentor
1998: 6 Eigentore
2002: 3 Eigentore
2006: 4 Eigentore
2010: 2 Eigentore
2014: 5 Eigentore
2018: 12 Eigentore (Rekord!)
2022: 2 Eigentore

Den Rekord an Eigentoren erlebte die Weltmeisterschaft 2018 in Russland mit zwölf. Des letzte davon war ein Historisches: Mario Mandzukic traf als erster Spieler der Geschichte in einem WM-Finale ins eigene Tor, brachte die Franzosen gegen seine Kroaten in Führung. Apropos Frankreich: Die „Equipe Tricolore“ profitierte bislang am meisten von Eigentoren, deren sechs fielen zu Gunsten des Weltmeisters der Jahre 1998 und 2018. 

Kolasinac erzielte das bisher schnellste Eigentor der WM-Geschichte.
Kolasinac erzielte das bisher schnellste Eigentor der WM-Geschichte.(Bild: AP/Sergei Grits)
Marcelo (Mi.) traf 2014 im Eröffnungsspiel ins eigene Tor.
Marcelo (Mi.) traf 2014 im Eröffnungsspiel ins eigene Tor.(Bild: AP/Shuji Kajiyama)
Mandzukic erzielte das erste Eigentor in einem WM-Finale.
Mandzukic erzielte das erste Eigentor in einem WM-Finale.(Bild: EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA)

Das erste Eigentor in einem Eröffnungsspiel fiel übrigens bei der Endrunde 1998, als der Schotte Tommy Boyd gegen Brasilien ins eigene Tor einetzte. Erst einmal wurde eine Endrunde von einem Eigentor eröffnet: Von Marcelo 2014 – der damals gegen Kroatien das bis heute einzige Brasiliens erzielte. Ebenfalls historisch bei eben jener Endrunde: Das bisher schnellste WM-Eigentor, jenes von Bosniens Sead Kolasinac im legendären Maracana nach nur 131 Sekunden gegen Argentinien. Einmalig auch das Duell 2006 in Nürnberg zwischen den USA und Portugal, als bis heute das einzige Mal zwei Eigentore in einem WM-Spiel fielen – je eines auf beiden Seiten.  

Nutznießer in Cordoba
Ein Österreicher findet sich in der ewigen liste der WM-Pechvögel übrigens nicht. Bei einem Eigentor fungierte man aber als Nutznießer – das letztlich das wohl größte Spiel der heimischen Fußball-Geschichte mitprägte: Bei der Endrunde 1978, beim legendären 3:2 in Cordoba gegen Deutschland, traf Berti Vogts zum zwischenzeitlichen 1:1, der Doppelpack danach von Hans Krankl genießt bis heute Kultstatus. 

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