R&B-Album „Eclipse“

B2K: Ein Comeback, das keine Wünsche offenlässt

Musik
08.11.2026 08:00

Gefühlvolle Balladen, satte Bässe und jede Menge Nostalgie: Auf „Eclipse“ lassen B2K den R&B-Sound der 2000er wieder aufleben. Doch die einstigen Teenie-Stars sind längst erwachsen geworden. Die „Krone“ hat reingehört und verrät, welche Songs besonders überzeugen und ob sich das Comeback gelohnt hat.

kmm

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass die US-R&B-Boyband B2K ihr letztes Studioalbum veröffentlichte. Omarion, J-Boog, Lil Fizz und Raz-B zählten Anfang der 2000er-Jahre zu den wohl coolsten und angesagtesten Boybands. Mit „Bump, Bump, Bump“ stürmten sie 2003 sogar an die Spitze der US-Charts, auch „Girlfriend“ aus ihrem Album „Pandemonium!“ wurde zum Hit. Und wer erinnert sich nicht an den Tanzfilm „Street Style“, in dem die vier ebenfalls mitwirkten? Doch hinter den Kulissen lief längst nicht alles so harmonisch. Streitigkeiten und unterschiedliche Vorstellungen führten 2004 schließlich zur Trennung. Vor allem Omarion, der schon damals als Frontmann im Mittelpunkt stand, startete danach eine erfolgreiche Solokarriere.

Dass die vier 24 Jahre später tatsächlich noch einmal gemeinsam ein Studioalbum veröffentlichen würden, hätte wohl kaum jemand erwartet. Doch mit „Eclipse“ ist nun ihr drittes Werk erschienen – und das in Originalbesetzung. Einen ersten Vorgeschmack lieferten bereits die Singles „Mileage“ und „Lil Freak“, die jede Menge Oldschool-Vibes versprühten. Allerdings merkt man auch, dass aus den einstigen Teenie-Stars mittlerweile erwachsene Männer geworden sind. Der Sound ist reifer, die Stimmen vertraut. Doch kann das neue Album auch auf ganzer Länge überzeugen?

B2K: Lil Fizz, J-Boog, Raz-B und Omarion (v.li.n.re.).
B2K: Lil Fizz, J-Boog, Raz-B und Omarion (v.li.n.re.).(Bild: B2K/Instagram)

Ein Sound den man vermisst hat
Los geht’s mit „I Love You“ – und schon nach den ersten Takten ist dieses typische Hip-Hop- und R&B-Feeling wieder da. Der Lovesong verbindet sanfte Melodien mit satten Bässen und Keyboardklängen. Eine Mischung, die sofort ins Ohr geht. Was dabei besonders auffällt: Jeder der vier Musiker bekommt seinen eigenen Part und darf stimmlich glänzen. Auch Lil Fizz ist mit seiner Rapeinlage sofort wiederzuerkennen. Ein gelungener Einstieg, der schon einmal Lust auf mehr macht. Mit „Mileage“ folgt jener Song, mit dem sich B2K nach all den Jahren erstmals musikalisch zurückmeldeten. Eine gefühlvolle Nummer, die unter die Haut geht und zum Genießen, Träumen und Nachdenken einlädt. Genau diese Art von Musik hat man in den vergangenen Jahren fast ein wenig vermisst. Hier geht es nicht um große Effekte, sondern um Melodien, Stimmen und ganz viel Gefühl. 

Dass die vier aber auch anders können, beweisen sie mit „Lil Freak“. Der Song versprüht jede Menge gute Laune und macht sofort Lust, mitzutanzen. Besonders schön ist auch der dazugehörige Visualizer, in dem Omarion und Co. bestens gelaunt ihre Tanzmoves zeigen. Dabei fällt vor allem eines auf: Die Chemie zwischen den Künstlern scheint wieder zu stimmen. Anders als früher steht nicht nur Frontmann Omarion im Mittelpunkt, sondern jeder bekommt die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Und diese Harmonie hört man auch sichtlich raus.

Vertraute Gefühle und harmonischer Gesang
Mit „I‘m Outside“, „It‘s Nothing“ und „808“ schlagen B2K anschließend wieder ruhigere Töne an. Vor allem Letzterer erinnert mit seinen sanften Melodien an die großen R&B-Balladen der 90er-Jahre. Hier zeigen die Jungs einmal mehr, was sie stimmlich draufhaben. Es sind Lieder, bei denen man einfach die Augen schließen und sich von der Musik treiben lassen möchte.
Bei „Boyfriend“ wird das Tempo dann wieder etwas angezogen. Und irgendwie kommt dabei sofort ein Déjà-vu auf. Zwar hat die Nummer nichts mit ihrem damaligen Hit „Girlfriend“ aus dem Jahr 2003 zu tun, dennoch ist dieses vertraute B2K-Feeling von damals plötzlich wieder da. Die eingängige Hook bleibt sofort hängen und macht den Track zu einem jener Titel, die man immer wieder hören möchte. Unterstützung bekommen sie dabei von Rapper Bow Wow, der ebenfalls ein Stück 2000er-Nostalgie mitbringt. Im dazugehörigen Visualizer sind außerdem Fans und Aufnahmen ihrer jüngsten US-Auftritte zu sehen. „Boyfriend“ und „Mileage“ zählen hier definitiv zu den stärksten Songs der Platte.

Mit „4 The Night“, „Long As We“ und „Cosign“ geht es anschließend wieder in die entspanntere Richtung, bevor B2K mit „Today“ für einen der emotionalsten Momente des Albums sorgen. Der vorletzte Titel kommt ganz ohne wuchtige Bässe aus. Stattdessen stehen Klavierklänge und harmonischer Gesang im Mittelpunkt. Inhaltlich geht es darum, eine vergangene Liebe endgültig loszulassen und nach vorne zu blicken. Eine wunderschöne Ballade, die zeigt, dass die einstigen Teenie-Stars längst erwachsen geworden sind. Zum Abschluss wird es mit „Vibrate“ dann noch einmal flotter. Statt das Werk mit einer ruhigen Nummer ausklingen zu lassen, verabschieden sie sich mit kräftigen Beats und jeder Menge Energie – Ein gelungener Abschluss.

Fazit: Genau diese Art von Sound hat dem Genre in den vergangenen Jahren gefehlt. Natürlich haben sich auch andere Künstler daran versucht, doch oft blieb es bei ein oder zwei guten Songs. „Eclipse“ hingegen ist ein Album voller Liebe zum R&B, das von Anfang bis Ende überzeugt. Mal gefühlvoll, mal tanzbar, dann wieder herrlich nostalgisch. Die vier Sänger und Rapper haben es geschafft, ihren typischen Klang von damals beizubehalten und gleichzeitig hören sie sich dennoch erwachsener an. Vor allem aber merkt man, dass die Chemie zwischen ihnen wieder stimmt. Jeder darf glänzen, ohne dass einer den anderen in den Schatten stellt.

Wer auf guten alten R&B und eingängige Beats steht, wird hier definitiv fündig. Und auch jene Fans, die B2K schon Anfang der 2000er-Jahre begleitet und jahrelang auf neue Musik gehofft haben, dürfen sich freuen, denn entäuscht haben Omarion, Raz-B, J-Boog und Lil Fizz nicht– bleibt nur zu hoffen, dass sie bald auch live nach Österreich kommen. Bislang stehen für Dezember lediglich drei Konzerte in Birmingham, Manchester und London auf dem Programm. Gerade für Letzteres werden die Tickets bereits knapp. 

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